Z 229. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—80). 485
der damals wegen der allgemeinen Erhebung Galliens unter Vercingetorixkeine Zeit fand, so thatkräftig, wie er selbst Wohl gewünscht hätte, indas politische Getriebe Roms einzugreifen. Innerlich waren die beidenMänner schon längst sich fremd geworden; nun schloß Pompejus auch einedritte Ehe, mit einer Cornelierin, so daß sich seine Verbindungen mit demalten Adel noch mehr befestigten. Als in Rom die Ordnung hergestelltund die Konsulwahlen für 51 erfolgt waren, die natürlich gegen Cäsar »-rnausfielen (nur Cato war durchgefeilten, weil er Stimmenkauf und Ämter-bettel verschmäht hatte), begann der Feldzug gegen Cäsar. Der KonsulM. Marcellus, ein erbitterter Gegner Cäsars, leitete ihn damit ein, daßer den Versuch machte, Cäsar aus Gallien zu verdrängen und dessenMaßregeln zu durchkreuzen. Cicero befand sich damals in einer schwierigenLage, da er sich innerlich mit Pompejus eins wußte, von diesem aberschnöde und hochfahrend behandelt wurde, während Cäsar zwar viel fürihn gethan hatte, ihm aber doch als der gefährlichste Feind seines Staats-ideales erschien. Da bot sich für ihn der günstige Ausweg, daß ihm fürdas Jahr 51 die Provinz Cilicien zufiel, so daß er, wenn auch mit ge-ZUieVscteilten Gefühlen, dem Mittelpunkt der politischen Bewegung entrücktwurde. Die innere Seite seines Imperiums wußte Cicero gut und un-parteiisch zu verwalten; dagegen machte ihm die Heeresleitung Schwierig-keiten, so daß er froh war, daß ihm in seinem Legaten C. Cassius, einemtüchtigen Führer aus der Armee des Crassus, eine bewährte Kraft zurSeite stand, die ihm so viele Erfolge verschaffte, daß der eitle Rednersogar im Ernste der Meinung war, die Ehre des Triumphes für sich be-anspruchen zu dürfen. Nach Ablauf seines Jahres kehrte er in die Heimatzurück, wo er freilich erst in den ersten Tagen des Jahres 49 ankam, alsdie Würfel schon geworfen waren. — Die stille Gegnerschaft des Pompejussollte Cäsar auch noch einen anderen Nachteil zufügen. Der Senat hatte kn-gsbeschlossen, daß der durch die Schlacht von Karrhä verlorene Partherkriegwieder aufzunehmen sei; um das Kommando im Osten mit den nötigenTruppen auszustatten, sollten beide Prokonsuln je eine Legion abgeben.
Hierbei nötigte Pompejus den Cäsar, sowohl eine eigene, als eine frühervon ihm übernommene pompejanische herauszugeben, in der Hoffnung, diesebeiden Legionen zu erhalten, wenn das Kommando im Partherkriege be-stimmt würde. Zunächst rückten diese Truppen ab und zogen in Apulienin Winterquartiere; späterhin haben sie auch unter Pompejus gestandenund den Ruhm altrömischer Mannszucht durch ihre Treue gegen denneuen Feldherrn bewährt, obwohl sie nicht nach Parthien zogen.
8 229. Beginn des zweiten Bürgerkrieges. Mit dem 1. März 49^nmatz-endete auch die zweite Prokonsularische Periode Cäsars, und seine Gegner, regelnan ihrer Spitze Cato, der schon den Überfall der Usipeten und Tenkterer(Z 227) hart getadelt hatte, warteten nur auf den Augenblick, wo Cäsar insPrivatleben zurückgehen mußte, um ihn mit Anklagen zu überfallen unddadurch unschädlich zu machen. Cäsar seinerseits gedachte dem dadurch zubegegnen, daß er sich für das Jahr 48 zum Konsul wählen lassen wollte,und daß er die Verlängerung seiner Prokonsularischen Gewalt bis zum31. Dezember 49 beantragte. Falls das letztere geschah, mußte er sich inseiner Abwesenheit um das Konsulat bewerben, was gesetzlichverboten war. Trotz der heftigsten Anstrengungen Catos setzte Cäsar (wiees scheint mit Unterstützung des Pompejus und auf Anraten Ciceros) seinen