231. Viertes Kapitel: Die socialen'und politischen Kämpfe (133—30). 491
und die murrenden Soldaten durch Versprechungen und kluge Erregungihres militärischen Ehrgefühls zu beruhigen. Als sie im Gefühl ihrerUnentbehrlichkeit ihren Abschied verlangten, gewährte er ihnen denselben,redete sie als Quirlten an und versprach, ihnen nach seinem TriumphGeschenke und Acker zu verleihen. Tief ergriffen, daß der Feldherr ihnenin Aussicht stellte, dem Siegeszug ihrer Kameraden als Bürgersleute zu-schauen zu müssen, und durch die sremdklingende Anrede betroffen standendie Krieger eine Weile zaudernd, bis von allen Seiten der Ruf erscholl,daß der Feldherr sie wieder zu Gnaden annehmen und es ihnen wiedergestatten möge, Cäsars Soldaten zu heißen. Er ließ sich endlich erbittenund setzte dann gegen Ende des Jahres 48 nach Afrika über, wo dieRepublikaner und Pompejaner sich um Cato, Scipio und den Numider-könig Juba I., dem man für den Fall des Sieges hohe Versprechungengemacht hatte, vereinigt und während der langen Belagerung Cäsars inAlexandria eine wohlgerüstete zahlreiche Armee unter namhaften Führernaufgebracht hatten. Wie einst Thessalonike, wurde jetzt Utika der Sitz desSenats, der „Dreihundert".
Anfänglich war Cäsars Feldzug nichts weniger als glücklich. Ererlitt Lei Ruspina eine empfindliche Schlappe. Aber es gelang ihm, Jubadadurchseinen neuen Feind zu schaffen, daß er den König Bocchns von Maure-tanien zum Einfall in dessen Reich bestimmte; die blutige Schlacht vone. AprilsThapsos vernichtete alle Hoffnungen der Republikaner: 50000 feindlicheStreiter deckten die Wahlstatt, während der Sieger nur 50 Tote zählte. Vonden überlebenden töteten sich viele mit eigener Hand, so Scipio, des Pom-pejus Schwiegervater, der bei Thapsos den Oberbefehl geführt hatte, und derhochherzige Cato, der sich in Utika mit stoischer Fassung den Tod gab, treuden Grundsätzen, die er im Leben ehrlich und mutig bekannt hatte. Jubabegab sich mit M. Petrejus, dem Überwinder Catilinas (K 224), nach einemseiner Landhäuser und forderte seinen Begleiter auf, mit ihm im Zweikampfum den Tod zu fechten. Als Petrejus gefallen war, ließ sich der König vonder Hand eines Sklaven durchbohren. Das numidische Reich wurde zumTeil an Cäsars mauretanische Bundesgenossen vergeben, teils an die römischeProvinz Afrika angeschlossen. Italische Kolonisten, die daselbst angesiedeltwurden, brachten das herrliche Land bald wieder zu neuer Blüte. Nun-mehr gedachte Cäsar nach Italien zu ziehen; denn die Bekämpfung seinernoch übrigen Gegner, der beiden Söhne des Pompejus Cnäus und Sextusund seines ehemaligen ünterfeldherrn T. Labienus, glaubte er seinenUnterfeldherren überlassen zu können.
In Rom traf er Ende Juli 46 ein und trat damit die Regierung ^«sDu-thatsächlich an, daß ihm die Diktatur aus zehn Jahre verliehen wurde;s°hn Jahr-es fehlte nur noch der Name König. Die Bewohner Italiens über-boten sich in Huldigungsbeweisen; ein prachtvoller Triumph, verbundenmit den schmeichelhaftesten Huldigungen des Senats, mit glänzendenFestmahlen und mit reichen Schenkungen, erwartete den Sieger. Indeswar der Krieg gegen die unterlegene Oligarchenpartei noch nicht ganz ^beendet. In Spanien hatte nach 49 Cäsars ünterfeldherr Q. Cassius SpannnLonginus so übel gehaust, daß die dort von jeher vorhandenen Sympathienfür die Pompejaner hell aufloderten. Die beiden Söhne des Pompejus,die sich aus die Balearen geflüchtet hatten, und der unversöhnliche Labienusbegaben sich nach Spanien und organisierten den Ausstand. Sie waren zum