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Drittes Buch: Römische Geschichte.
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C. Cassius, ein ebenso ehrgeiziger als entschlossener Mann. Obwohlfrüher Pompejaner, waren beide von Cäsar mit der Prätur beehrt undgleich den meisten übrigen Mitverschworenen mit Wohlwollen und Ver-trauen behandelt worden; aber das altrömische Vorurteil gegen jedemonarchische Gewalt ließ sie alle Rücksichten vergessen. Mit der größtenHeimlichkeit saßten sie den Mordplan. Aller Warnungen ungeachtet hieltÄrdun^ 6Üsar an den Jden des März in der Halle des Pompejus eine1S. März 4tSnEssitzung, um sich sür den beabsichtigten K r i e g s z u g Wider dieParther den Königstitel sür die außeritalischen Provinzen erteilen zulassen. Hier sank er, von dreiundzwanzig Dolchstichen durchbohrt, bei derBildsäule seines ehemaligen Gegners nieder, im achtundfünfzigsten Jahreseines Lebens.
Charakts- Die Natur hatte den großen Römer, der berufen war, die abgelebte Republik inrlstik Cäsars neue monarchische Form hinüberzuführen, mit körperlichen und geistigen Vorzügenim reichsten Maße ausgestattet. Wenn seine schöne, männliche und würdevolle Gestalt,sein hoher und schlanker Wuchs, seine Adlernase und seine schwarzen lebhaften Augen, miteinem Ausdruck von Wohlwollen und Heiterkeit, geeignet waren, ihm Liebe, Anhänglichkeitund Vertrauen im gesellschaftlichen Leben zu erwerben, so setzte ihn die körperliche Übungund Abhärtung, die Gewandtheit im Reiten, Fechten und Schwimmen in stand, alleEntbehrungen und Anstrengungen mit den Truppen zu teilen, Kälte und Hitze, Nachtwachen,Hunger und Durst zu ertragen. Noch weniger litten Geist und Gemüt unter den jugend-lichen Ausschweifungen. Vielmehr erwarb er sich in dem bewegten, von Leidenschaften undSinnenrausch verzehrten Leben jene Kenntnis der Welt und der menschlichen Triebe undEigenschaften, durch die er eine unwiderstehliche Gewalt und Herrschaft über alle erlangte,die in seine Nähe kamen; alle waren durch die Macht seiner Persönlichkeit und durch dieÜberlegenheit seines Genius wie in einen Zauberkreis gebannt. Er besaß wie kein andererdie Gabe, sich alle Kräfte dienstbar zu machen, alle Personen an die rechte Stelle zu bringen,alle Menschen zu einem harmonischen Zusammenwirken nach einem großartig angelegtenPlane zu vereinigen, ohne ihnen doch das Gefühl der Freiheit und selbständigen Aktion zurauben. Freilich traf ihn, wie jedes demokratische Parteihaupt, das zur Herrscherwürdeaufsteigt, das schlimme Los, daß ihm keine ebenbürtigen Helfer beschicken waren. Seine Offiziere,selbst die bedeutendsten, waren nur groß, so lange sein Geist ihnen Richtung und Impuls gab,so lange sein Beispiel sie belebte und spornte; aus seiner Nähe geschieden, verloren sie sich inder Menge. Dabei läßt sich streiten, ob er als Feldherr oder als Staatsmann am größtenwar, ob er mehr als Schriftsteller oder als Redner glänzte, ob man mehr den geistreichenKunstkenner oder den witzigen, anmutigen Gesellschafter in ihm bewundern muß. „Diemeisten Menschen haben ihre Namen durch einseitige Größe verewigt," bemerkt Drumann,„Cäsar wurde von der Natur befähigt, in allem groß zu sein; ihm blieb die Wahl, alsFeldherr, Staatsmann, Gesetzgeber, Rechtsgelehrter, Redner, Dichter, Geschichtschreiber, Sprach-forscher, Mathematiker und Architekt zu glänzen. Nie gebrach es ihm an Kraft oder Zeit;denn er erhäschte im Fluge, was andere mühsam sich aneignen; das Verworrene löste sichschnell vor seinem Adlerblick, und selbst verschiedenes zugleich zu bedenken, war ihm möglichund leicht. Den Gaben entsprach die Empfänglichkeit; das Wissenswürdige, von welcher Artes auch sein mochte, hatte Bedeutung und Wert sür ihn." Bei seinen Handlungen und Unter-nehmungen vertraute Cäsar nur auf die eigene Kraft, auf die Klarheit seines Verstandes, aufseine Umsicht und Berechnung, daneben aber aus sein Glück. Er war von niemand abhängig,holte keines Menschen Ratschläge ein und fürchtete nicht die Rache der Götter. Über einen sostarken und hochgebildeten Geist hatte der Volksglaube keine Gewalt; auf Wahrsagen, Opfer-schau und Götterzeichen legte er keinen Wert; die Religion war ihm nur ein Mittel, auf dasHeer zu wirken. Über seine Soldaten hatte Cäsar eine unwiderstehliche Macht; er selbst dertapferste Mann im Heer, der in kritischen Augenblicken mit feiner Person einstand, der diewankende Schlacht oft durch seinen entschlossenen Mut herstellte, der bei Munda ohne Helmin erster Reihe focht und in Alexandria sich durch Schwimmen rettete, War dem Krieger einlebendiges Vorbild in der Schlacht; die Verslandesklarheit, der rasche Blick, die kluge Be-rechnung der Umstände und Möglichkeiten erfüllten die Legionen mit Vertrauen und Sieges-gesühl. Das Heer wurde auf den Schlachtfeldern geübt und an Beschwerden aller Art,an Hitze und Kälte, an Hunger und Durst gewöhnt, ein abgehärtetes Geschlecht mitnervigem Arm, voll Vertrauen zum Anführer und zu sich selbst. War bei Cäsar auch