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Erster Band.
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Z 234 . Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe ( 133 — 30 ). 497

Verstand und staatsmännische Klugheit die hervorstechende Eigenschaft, so fehlte es ihm dochkeineswegs an Herz und Gemüt. Seine Milde zählte nicht unter die geringsten Ursachenseines Todes.

So war der große Mann beschaffen, den die Dolche der Verschworn«: an den Jden desMärz dem Tode weihten. Die Verschworenen nahten sich ihm, als er Bittschriften und Akten-stücke erledigte, und einer von ihnen, Tillius Cimber, ein alter Cüsarianer, überreichte ihmfür feinen Bruder ein Gnadengesuch. Als Cäsar dieses zurückwies, drängten sie sich, ohnedaß die übrigen Senatoren es hindern konnten, um ihn, und suchten ihn mit ihren Dolchenzu durchbohren. Eine Zeitlang verteidigte er sich, so gut er konnte; als er aber sogar denM. Brutus, den er wie einen Sohn geliebt hatte, den Stahl zücken sah, verhüllte er mitden Worten: „Auch du, mein Kind!" sein Antlitz und sank, von 23 Wunden durchbohrt, zuBoden. Seine Gegner zogen hinaus und riefen das Volk zur Freiheit auf; aber die un-geheure That fand bei dem römischen Volke kein Echo, und so flohen sie nach verschiedenenRichtungen von bannen.

§ 234. Die Wirren nach Cäsars Tode. Das zweite Triumvirat.Octavianns und Antonius. Die Wirkung von Cäsars Tod war un-geheuer, jedoch in ganz anderem Sinne, als die Verschworenen gemeinthatten. Sie konnten nur dadurch den ungeheuren Frevel rechtfertigen,wenn sie einen unbestrittenen Ersolg hatten: der wäre aber nur dann zuerwarten gewesen, wenn selbst die kleinste Nebensache vorher bedacht gewesenwäre; indes selbst Cicero urteilte: „die That war ausgeführt mit demMut von Männern, der Voraussicht von Kindern". Man hatte gehofft,es gebe nur einen Cäsar, keine Cäsarianer, und alles würde begeistert derwiedergewonnenen Freiheit zujauchzen; es zeigte sich jedoch bald, daß dieIdee der Freiheit nur noch in den Köpfen einiger Gebildeten lebte, in derBrust des Volkes aber erloschen war. Zunächst entstand in Rom eineallgemeine Verwirrung; im Senat hatte man anfangs Lust, sich auf dieSeite der Cäsarmörder zu stellen. M. Antonius aber, der für das AuftretenJahr 44 mit P. Dolabella Konsul war, bemächtigte sich des Staatsschatzes Antoniusund der Papiere Cäsars, bestimmte im Verein mit M. Lepidns denSenat dahin, Cäsars Amtshandlungen anzuerkennen und ihm ein öffent- 1 «. M-irz 44liches Leichenbegängnis zu bewilligen; den Mördern wurde lediglich eineAmnestie angeboten, nicht, wie sie gehofft hatten, die Senatsregierungzurückgeführt. Die Bestürzung der Volksmassen aber ging schnell in Haßund Schmähungen gegen die Mörder des Diktators über, als M. Antoniusbei Cäsars Leichenbegängnis in kunstreicher Rede dessen Verdienste undVorzüge hervorhob, eine Menge wirklicher oder angeblicher Vermächtnisseund volkstümlicher Bestimmungen aus dem Testamente des Gemordetenvorbrachte und den Armen Geldgeschenke austeilen ließ. Es wurde baldklar, daß die neue Monarchie einen Erben brauchte: kein Wunder, daß derehrgeizige Antonius glaubte, dazu berufen zu sein. Die Verschworenen,die so gut wie keinen Boden bei den breiten Massen hatten gewinnenkönnen, schüchterte er durch Herbeirnsung der alten Soldaten Cäsars ein.

Mit der Senatspartei, die unter Ciceros Führung sich gegen den dreistenVordringling wandte, brach er dadurch, daß er sich vom Volke dascisalpinische Gallien, das von D. Brutus bereits besetzt war, nebst demfür den Partherkrieg bestimmten Heere auf sechs Jahre übertragen ließ.

Damit war die Gewalt in seine Hand gegeben und die Verschworenenhatten in Italien das Spiel verloren: M. Brutus und C. Cassius gingen,nachdem man in Ciceros Anwesenheit Kriegsrat gehalten hatte, in ihreProvinzen ab und ließen Rom, wie es schien, allein in des AntoniusHänden.

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Ausl. I. 3L