§ 237. Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—80). 501
und seinen Parteigängern so wenig wie möglich zu schaden. Trotzdemkonnte er nicht hindern, daß er sich durch diese Maßregel außerordentlichunpopulär machte, und daß die antonianische Partei in Rom dies aus-nutzte, um ihn Lei Seite zu schieben; freilich blieb dem Oetavian noch dieSympathie des Heeres. Fulvia und ihr Schwager L. Antonius, die durchHervorrufung von Konflikten den M. Antonius zur Rückkehr nach Italien be-wegen wollten, verlangten, daß man mit weiteren Landverteilungen wartete,um nicht die Soldaten ganz auf Octavians Seite treten zu sehen. Als «Oetavian nicht daraus einging, nahmen sie sich des unterdrückten und, weilSext. Pompejus die See hielt, hungernden Volkes an und stachelten die Ent-erbten zum Verzweiflungskampse aus. Dieser Versuch, mit Hilfe derzum Äußersten gebrachten italienischen Völkerschaften einen Bürgerkrieg zuentzünden, der die Rückkehr des Antonius und den Sturz des Oetavianbewirken sollte, endete im perusinischen Krieg mit der Niederlageder Antonianer und dem Untergänge Perusias, wohin sich L. Antoniusgeworfen hatte. Nach den furchtbarsten Leiden zur Ergebung gezwungen,wurde Perusia ein Raub der Flammen, nachdem über 300 Senatoren undRitter am Altare des göttlichen Julius geschlachtet worden waren. DieFolgen des Sieges waren groß. Oetavian hatte sich einer Menge heim-licher Feinde entledigt und konnte nun die Ansiedlung seiner Truppenungestört durchführen; so hatte er bald ganz Italien in seiner Gewalt,ließ durch seinen ünterfeldherrn M. Vipsanius Agrippa Rom befestigenund rüstete sich, dem Namen nach, um gegen Sex. Pompejus zu ziehen,in Wirklichkeit, um auf einen Zusammenstoß mit Antonius vorbereitet zusein. Jedoch die Wolken zogen noch einmal vorüber. Fulvia starb auf derFlucht in Sikyon, und nun wurde unter Vermittlung von C. CiluiusMäcenas und L. Astnius Pollio zu Brundisium ein Versöhnungs-undTeilungsvertrag zwischen den Triumvirn geschlossen und eine Vermählungzwischen Antonius und Octavians Schwester Octavia verabredet. Damitwaren die Bestrebungen der Anhänger des Antonius von diesem selbst ge-mißbilligt worden und es schien, als wenn der allgemeine Frieden zurück-kehren und eine definitive Einigung der Machthaber erfolgen sollte. Sogarmit Sex. Pompejus, der durch seine Flotte die See beherrschte, fand eineVerständigung statt; in dem Vertrag von Misenum wurde ihmIArmmMSicilien, Sardinien und die Peloponnes überlassen mit der Verpflichtung,von nun an die Getreideversorgung Italiens zu beschützen. Aber die auf-geregte Welt kam nicht zum Frieden. Sext. Pompejus, der von Sicilienaus durch Freibeuterei eine Seeherrschast begründet und die Hauptstadtdurch Entziehung der Kornzusuhr in Not und Aufruhr gestürzt hatte,wurde nach einem wechselvollen Land- und Seekrieg von Agrippa in denSeeschlachten bei Mhlä und Naulochos um alle Früchte seiner An-strengungen gebracht und starb im folgenden Jahre, als er sich in Klein- P°mv°iu»asten eine unabhängige Herrschaft begründen wollte, aus Befehl des Antoniusin Milet einen gewaltsamen Todes. Der dritte Triumpir, M. Lepidus,der nunmehr Sicilien für sich beanspruchte, wurde nun von Oetavian auchAfrikas beraubt und mit der machtlosen Würde des Pontisex Maximusbekleidet; als solcher starb er 13 v. Chr.
Z 237. Die Entscheidung zwischen Antonius und Oetavian. Aktium.
Die schnelle Machtentfaltung des Oetavian erregte das Mißtrauen desAntonius, nur mit Mühe war es im Vertrage von Tarent noch n