Band 
Erster Band.
Seite
510
JPEG-Download
 

510

Drittes Buch: Römische Geschichte.

8 240 .

Tod bis zur Schlacht bei Mutina (H 234) teils vor dem Senat, teils vor dem Volke ge-halten wurden, um des Antonius staatsgefährliche Absichten zu vereiteln und alle Römerzu einem Kampfe gegen ihn zu vereinigen.

d- Schon als Jüngling wandte Cicero sich im Anschluß an griechische Borbilder der

Schriften technischen Seite der Redekunst zu. Unter seinen rhetorischen Schriften sind am be-S5 deutendsten: 1. Die drei Bücher vom Redner, „worin er in drei den berühmtestenRednern damaliger Zeit in den Mund gelegten Gesprächen zuerst das Ideal eines voll-kommenen Redners überhaupt aufstellt und die zur Erreichung desselben nötigen Mittel,nämlich wissenschaftliche und philosophische Bildung, Talent und Übung, angiebt; sodanndie Erfindung, Anordnung und Behandlung des rednerischen Stoffes mit Rücksicht auf dieBestimmung der zu fertigenden Rede erörtert, endlich die Kunst des Vortrags selbst, mit46 Bezug auf Sprache und Ausdruck abhandelt"; 2. Brutus oder über die berühmtenRedner, eine Geschichte der römischen Beredsamkeit und Andeutungen über Ciceros eigenen46 Bildungsgang enthaltend; 3. Der Redner, eine an Brutus gerichtete Schrift, in derer das Ideal eines römischen Redners und die dazu erforderlichen Eigenschaften entwirft;46 4. Über die beste Gattung von Rednern, eine Vorrede zu einer Übersetzung derbeiden Reden des Demosthenes und Aeschines (Z 130) im Kranzprozesse, worin er sich überdie Vorzüge der attischen Beredsamkeit verbreitet.

wp^ischs Neben diesen beiden Richtungen war Cicero's Thätigkeit vorzugsweise der Philosophie

Schriften zugewendet. Sein Ziel war, die Ergebnisse griechischen Nachdenkens in das praktischeLeben der Römer einzuführen und die Bedeutung dieser geistigen Errungenschaft nachzu-weisen. Er schwankte lange, welcher Schule er den Vorzug geben sollte, entschied sich aberzuletzt im Praktischen für die stoische, im Theoretischen für die neuere Akademie(Z 154) mit scharfer Ablehnung des von ihm öfters mißverstandenen Epikureismus. Inder Form will er sich an die platonischen Dialoge anschließen, ahmt aber im ganzen denaristotelischen Scheindialog (Z 117) nach. Unter seinen philosophischen Werken sind folgende-4 am berühmtesten: 1. Die Schrift über den Staat bietet Üntersuchungen über die besteStaatsform und findet diese in der römischen Berfassung vor der Zeit der Gracchen; denSchluß des Ganzen bildet der Traum Scipios über die Nichtigkeit aller irdischen Dinge.62 2. In vielfacher Beziehung zu diesem Werke stehen die drei Bücher von den Gesetzen,worin Cicero die Rechtswissenschaft philosophisch zu begründen sucht. Die letzten Bücher45 dieses Werkes sind verloren gegangen. 3. Die tuskulanischen Untersuchungen, oderGedanken über die höchsten Fragen des Menschen, über Tod, Unsterblichkeit, das Wesen der45 Seele, die Götter u. dgl. 4. In den Gesprächen über das höchste Gut und Übel stellter die Ansichten der griechischen Philosophen über die wahre Glückseligkeit und denZweck des Lebens dar, ohne ein selbständiges Urteil abzugeben. 5. Seine akade-mischen Untersuchungen handeln von den Lehren der älteren und neueren Akademie,44 und in seinen Werken 6. über das Wesen der Götter, 7. über die Divinationoder Wahrsagung und dem unvollendeten 8. über das Fatum giebt er wichtige Aus-einandersetzungen über die religiösen Begriffe seiner Zeit. Die kleineren Schriften:9. Cato oder über das Greisenalter und 10. Lälius oder über die Freundschaftzeichnen sich durch Schönheit der Sprache und Darstellung aus- Das an seinen in Athen43 studierenden Sohn Marcus gerichtete Werk 11. über die Pflichten oder Belehrungenüber das Verhalten eines Staatsmannes in den verschiedenen politischen Verhältnissen,eine seiner bekanntesten Schriften, gehört seiner letzten Lebenszeit an- Der Wert von Cicerosphilosophischer Schriftstellern ist daraus zu beurteilen, daß sie die Folge von unfreiwilligerpolitischer Muße war, besonders nach Cäsars Tod, wo die meisten philosophischen Schriftenentstanden sind; es ist klar, daß diese anderthalb Jahre keine selbständige Forschung zeitigenkonnten. Ihr Verdienst liegt, wie schon gesagt, darin, daß er die griechischen Lehren populärund seinen Landsleuteu in angenehmer Form zugänglich machte und in weiten KreisenInteresse für philosophisches Denken erregte. Er ist der Vermittler zwischen altrömischerStrenge und den freieren Anschauungen der Hellenen und der beste Interpret der römischenHumanität. An seine Auffassungen schlössen sich Kirchenväter wie Laktantius, und in derRenaissance Petrarca und seine Schüler an.

4. Briefs Ciceros Briefe, soweit sie uns erhalten sind, zerfallen in drei, durch seinen Frei-gelassenen M. Tiro veranstaltete Sammlungen: 1. Sechzehn Bücher von Briefen anverschiedene Personen von 63—43; neben seinen eigenen Briefen werden auch oft dieBriefe der Personen mitgeteilt, worauf sich jene beziehen- 2. Sechzehn Bücher von Briefenan T. Pomponius Atticus, nach der Zeitfolge geordnet. 3. Drei Bücher Briefe anseinen Bruder Quintus Cicero. Eine vierte Sammlung von 18 Briefen an M. Brutus,sämtlich nach Cäsars Tod geschrieben, wird von vielen für unecht gehalten.