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Viertes Kapitel: Die socialen und politischen Kämpfe (133—30).
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Auch in der Poesie lehnte sich die neue Zeit immer mehr und mehr P°-si-bewußter an die griechische Modepoesie, vor allem der Alexandriner, an (Z 152),und wie die griechischen Lehrer für die Rhetorik maßgebend geworden waren,so beeinflußte die peinliche Akkuratesse der Alexandriner die Dichtung. Nurwenige Männer erhielten sich einen volksmäßigen Ton; die meisten schriebenin einer verfeinerten Sprache, die sich bewußt zum Klassizismus ausgestaltenwill. Vertreter der ersten Richtung sind vor allem Varro und Lukrez. DerAltertumsforscher M. Terentius Varro hatte sich in seinen „MenippeischenSatiren", in denen Verse und Prosa abwechselten und Sittenzeichnungen und 110-27Bilder aus dem Leben mit Witz und Laune und in originellen Ausdrückenund Wortbildungen dargestellt waren, einen sonst wenig bekannten griechischenPhilosophen, den Cyniker Menippos Von Gadära in Syrien, zum Vorbildgewählt; dennoch ist Varro in Schrift und Leben ein echter Römer geblieben,dessen Satiren noch der letzte grüne Sproß waren, den die volkstümliche PoesieItaliens getrieben hat und der gegen die grübelnde Weisheit der Griechen unddie „Hundephilosophie" nicht minder seine Geißel schwang als gegen das ent-artete Rom. T. LucretiusCarus schöpfte den Stoff zu seinem großen philo-sophischen Lehrgedicht aus der Lehre Epikurs (Z 154) und entlehnte Form undDarstellung dem Naturweisen Empedokles von Agrigent (Z 96), zeigte aber einesolche geniale Meisterschaft in Beherrschung des schwierigen Stoffes und in poetischerNaturschilderung, daß er mit Recht als ein Stern erster Größe in derrömischen Litteratur bezeichnet werden kann. Neben diesen beiden Vertreternder alten Poesie klangen die altitalischen Weisen noch hie und da in denProvinzen fort; Saturnier aus älteren Grabmälern bestätigen dies. Jedoch Achtungdie neue Schule, die Ennius gemacht hatte, brach sich immer weiter Bahn,sogar bis in das Volksmäßige hinab. Das den Alexandrinern entnommeneEpigramm blühte, zumal in den Unterschriften der Varronischen Jmagines Epigramm(einer Bildersammlung von bedeutenden Römern und Griechen). Das histo-rische Epos freilich war nur unbedeutend entwickelt, selbst Ciceros Poesien aufsein eigenes Konsulat konnten wenig Eindruck machen; auch anderes vonCiceros Poesien ist unbedeutend. Die Zeit des Epos war eben vorbei, unddie Frostigkeit des alexandrinischen Vorbildes vermochte es nicht zu beleben.
Dagegen fanden die Mimiamben des Herondas (Z 152) zahlreiche undgeschickte Nachahmer, das Idyll ward von Sueius gepflegt und vor allemdie Lyrik nahm einen hohen Aufschwung durch Catull und seine Freunde, «yr»unter denen M. Valerius Cato und C. Licinius Calvus hervorragen. DasLiederbuch des Catull, das uns noch erhalten ist, enthält das feurigste undechteste, was die römische Lyrik geleistet hat. Nirgends ist so die griechischeForm mit italischem Geiste durchtränkt, er steht mitten im Leben und „dieMuse hat ihm gegeben zu sagen, was er liebe und leide". Die andern Dichterjener Zeit traten weit hinter ihm zurück und er bildet, trotz der Differenz derZeit, den Übergang zu den Meistern der augusteischen Epoche.
T- Lucretins Carus nimmt durch sein Lehrgedicht „Vom Wesen der Dinge" Lucrezden ersten Rang in der didaktischen Poesie ein. Der Zweck dieses, mit Schwung undBegeisterung aufgefaßten und mit feuriger Beredsamkeit und lebendigen Schilderungen ausge-schmückten Lehrgedichts ist, durch die Entwicklung der Naturlehre Epikurs (Z IZ4) den Menschenvon religiösen Traditionen und Vorurteilen und von der Furcht vor Tod und Vergeltungzu befreien und ihn durch Zerstörung alles religiösen Aberglaubens und durch Belehrung überden wahren Urgrund und das Wesen der Dinge zu höherem Selbstbewußtsein und zu per-sönlicher Freiheit zu führen. Indem Lucretius nach Epikurs Atomenlehre die Entstehungund das Ende des Weltalls auf mechanische Weise zu erklären und „die Natur von ihrenstrengen Herren zu erlösen" unternimmt, sucht er die Überzeugung zu begründen, „daß derTod, das ewige Ausruhen von allem Hoffen und Fürchten, besser fei als das Leben; daßdie Hüllenstrafen nicht nach dem Leben den Menschen peinigen, sondern während desselben,
„in den wilden und rastlosen Leidenschaften des klopfenden Herzens", und daß die Aufgabedes Menschen sei, seine Seele zum ruhigen Gleichmaß zu stimmen. Die Sprache ist kräftig