Drittes Buch: Römische Geschichte.
Eatull
8Ü-S8
Varros
Schriften
Prosa
Stil-
gegensätze
Geschicht-
schreibung
512
8 240.
und es ist nur zu beklagen, daß seine ungeuieine poetische Begabung aus einen so sprödenStoff fiel, dem jeder andere Hütte erliegen müssen.
Ein ähnlich großes Talent, aber auf ganz andern Gebieten sich tummelnd, war Catull(geboren zu Verona), der in Stoff und Form von den Alexandrinern abhängt. Besondersbekannt geworden ist sein Verhältnis zu Lesbia (in der man Clodia, die Schwester des
P. Clodius Pulcher (Z 225), vermutet), die er in Anlehnung z. B. an Sappho besingt,bis er sich von der Frivolität seiner Angebeteten überzeugen muß. Auch Spottgedichte aufCäsars Generale und die Modethoren ferner Zeit finden sich bei ihm, neben Nachahmungender älexandrinischen Epyllien (Z 152), z. B. der Hochzeit des Peleus und der Theils undanderen größeren Gedichten. In Catulls Gedichtsammlung erscheinen „künstlerischer Gehaltund künstlerische Form in gleicher Vollendung".
Den Übergang zur Prosa stellen Varros Schriften dar, der in den menippeischenSatiren und in den Logistorici eine Mittelgattung zwischen Poesie und Prosa schuf,wobei er in den erstern eine neue Gattung ausbildete, in den letzteren sich an dievoralexandrinischen Griechen anlehnte. Die menippeischen Satiren waren ethische Skizzen,in denen der altvaterisch denkende Römer seine ernsthafte Weisheit in lustiger Form vortrug.Weit fruchtbarer war Varro als Prosaiker. Doch sind seine Arbeiten, deren er gegen 500 überalle Gegenstände des römischen Altertums geschrieben hat, bis auf wenige verloren gegangen.Unter diesen wenigen befindet sich ein Teil der Schrift „über die lateinische Sprache"(Buch 5—10) und drei Bücher über den Landbau, während die wichtigen Bücher über dieöffentlichen und Privataltertümer, die nach Ciceros Angaben den Zweck gehabt hatten, „dieRömer, die in ihrer eigenen Stadt Fremdlinge geworden waren, wieder in ihrem Hause ein-heimisch zu machen", bis auf geringe Andeutungen untergegangen sind. Seine auf diesen Stoffbezüglichen Werke zerfielen in zwei Teile. Die erste Hälfte, die „Altertümer der mensch-lichen Dinge", schildert die Urzeit Roms, die Land- und Stadteinteilnng, die Wissenschaftvon den Jahren, Monaten und Tagen, endlich die öffentlichen Handlungen daheim und imKriege; in der zweiten Hälfte „von den göttlichen Dingen" wurde „die Staatstheologie,das Wesen und die Bedeutung der Sachverständigenkollegien, der heiligen Stätten, der religiösenFeste, der Opfer- und Weihgeschenke, endlich der Götter selbst" übersichtlich entwickelt. Dazu kamnoch außer einer Anzahl von Monographien die Schrift „vom Leben des römischenVolkes" als Nachtrag, ein merkwürdiger Versuch einer Sitten- und Bildungsgeschichte inden verschiedenen Perioden. Von dem reichen litterarischen Nachlaß dieses altväterlichenund etwas sonderbaren, aber geistig kerngesunden Mannes haben Jahrhunderte gezehrt, undvarronische Gedanken und Citate klingen bei einer großen Anzahl von Kirchendätern, z. B.bei Laktantius, Augnstinus u. a-, wieder. Seine Polykststorie ist erstaunlich und zeigt unsdas altrömische Leben in wunderbarer Frische und Vielgestaltigkeit; daneben gehen aber diewunderlichsten Einfälle, oft in spröder und abgerissener Darstellung einher.
Die Prosalitteratur jener Zeit war ganz und gar von dem Prinzip be-herrscht, nur die schöne Form gelten zu lassen und um dieser willen sich selbstmit der Wahrheit in Widerspruch zu setzen. Der Gegensatz zwischen demasianischen Stil (Hauptvertreter O. Hortensius), der thatsächlich in derSchule von Rhodes gelehrt ward und sich in schwülstiger und geschraubter Dar-stellung verging, und den Anhängern der einfachen Darstellung (den Attikern)war schon entschieden, als Cicero sich von dem ersteren abwendete, die neuentheoretischen Lehrbücher, besonders der sogenannte ^netor aä llsrenninm (wohl
Q. Corn ist eins), lehrten eine einfache und ungekünstelte Redeweise, die freilichvon Cicero nur in sehr eingeschränkter Weise zur Anwendung kam, jedoch be-herrschte die rhetorische Form auch jetzt noch die gesamte Schriststellerei. Auchbei den beiden namhaftesten Geschichtschreibern jener Zeit, Cäsar und S allust,spielt sie noch eine entscheidende Rolle.
Wohl in keinem Fache hat die römische Darstellungskunft größere und schnellere Fort-schritte gemacht als die Geschichtschreibung. Die rein annalistische Darstellung wurde abgelöstvon der trockenen, aber ehrenwerten Schriftstellerei Catos (Z 204). Den Übergang zu derArt zusammenfassenden Darstellung bildete die den Alexandrinern nachgeformte Memoiren-litteratur, die deshalb so schnell beliebt ward, weil sich die ganze römische Geschichteleicht um einzelne Aristokratenfamilicn gruppieren läßt. Die Absicht der schreibenden Poli-tiker war hierbei, ihre eigenen Handlungen zu motivieren. Solche Denkwürdigkeiten ver-faßten unter andern C. Lntatius Catulus, des Marius Kollege im Cimbernkrieg (H 208);M- Aemilius Scaurus, eine einflußreicher Senator im jugnrthinischen Krieg (Z 209);