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Erster Band.
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513
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H 241. Fünftes Kapitel: Das römische Kaisertum (30 v. Chr. bis 395 n. Chr.). 513

L. Corn. Sulla, der Diktator; der reiche und gebildete Ritter T. Pomp. Atticus,

Cäsars und Ciceros Freund, u. a. Von alledem besitzen wir jedoch wenig oder nichtsmehr; dagegen hat uns C. Julius Cäsar in seinen Denkwürdigkeiten (Kommen- Msartarien) über den gallischen und den Bürgerkrieg ein schönes Denkmal seines Geistes 02—44und seines Talents hinterlassen. Cäsar bildet in seiner Darstellung den Mittelpunkt allerUnternehmungen; seine Soldaten streiten für seine Sache und erkämpfen sich ihren Ruhmnur durch den seinigen. Natürlich dienten seine Kommentarien auch seinen Zwecken: oftist das, was zwischen den Zeilen steht, und die zahlreichen stillen Beziehungen zur Zeit-geschichte und zu den Politischen Größen und Ereignissen an ihnen weit interessanter als dieunendliche Aufeinanderfolge sich fast stets ähnelnder Kämpfe. Der Vorzug der hellen Heiterkeitund des leichten Humors, der seine Kommentarien schmückt, wird am deutlichsten, wenn mandie unvollendeten Kommentarien mit deren Fortsetzungen (die zum Teil von A. Hirtiusstammen) in ihrer ehrenwerten Unbeholfenheit vergleicht. Zeitlich am nächsten steht ihmCornelius Nepos, ein Transpadaner aus Hostilia (?), Zeitgenosse Ciceros und Freund CorneliusCatulls. Von seiner umfänglichen Schriftstellerei besitzen wir noch dreiundzwanzig Feldherrn-biographien, mit starkem Anekdotenbeiwerk und geringem historischen Verständnis. Der Stilist schlicht, die wissenschaftliche Grundlage dürftig, der Inhalt oft verwirrt und ungenau.

C. Sallustius Crispus, geboren zu Amiternum im Sabinerlande, war ein Anhänger Sallustder Popularpartei und hat in deren Gefolge seine Laufbahn gemacht. Ein Freund Cäsars, bs-34erlangte er durch diesen die Verwaltung der Provinz Numidien, wo er sich vieler Bedrückungenschuldig machte, was ebenso wenig wie sein nachheriger Luxus mit der in seinen Schriftenzur Schau getragenen sittenrichterlichen Strenge harmoniert. Er ist ein vollendeter Meisterder historischen Kunst, der mit dem Blick des Menschenkenners seine Zeit durchdrängt, denSittenoerfall in seiner ganzen Größe anschaulich schildert und in kunstvoller Anordnung sosehr hervorragt, daß man ihn häufig mit Thukydides zusammengestellt hat, den er sich auchin der Kürze und Gedrängtheit des Stils und in der pragmatischen Behandlung des historischenStoffes zum Vorbild genommen hat. Sein größeres Geschichtswerk über die Zeit derBürgerkriege von 78 bis 67 ist uns verloren gegangen; wir besitzen nur die zwei Mono-graphien über die catilinarische Verschwörung und den jugurthinischen Krieg. Es sindgeschickte Tendenzschriften zu Gunsten der demokratischen Partei, die erstere in der Absichtversaßt, den dunkelsten Flecken von Cäsars Charakter, seine Beteiligung an dem catilinarischenKomplott (Z 208), abzuwischen, die letztere, um das erbärmliche Adelsregiment nach der Gracchenzeit(8 223) zu schildern. Seine Darstellung ist ernst und würdig; er ist der erste in der römischenGeschichtschreibung der das psychologische Element hat in den Vordergrund treten lassen.

„Seine Sprache zeichnet sich durch absichtlich gedrängte Kürze, durch sorgfältige Feile unddurch ein künstlich-altertümliches Gepräge aus, das seinen Sittengemälden ein gewisses ehr-würdiges Ansehen giebt." — Neben diesen Schriften tritt alles, was in andern Wissenschaften Sonstigegeleistet ward, zurück. Das Charakteristische der Epoche ist, daß die Poesie in den Hinter-^s°Aer-i^gründ tritt, dagegen in der Prosa die Kunst der Darstellung sich in der bewunderns-würdigsten Weise äußert. Die Periodologie ward durch Cicero zur höchsten Blüte gebracht,die Schriftsprache fixiert, der Ausdruck durchsichtig und klar. Zugleich begann dainals schondie römische Sprache, zunächst als Amtssprache, den Kampf mit dem Griechischen um denPlatz als Weltsprache, aus dem sie schließlich als Siegerin hervorgehen sollte.

Fünftes Kapitel.

Das römische Kaisertum (3V v. Chr. bis 39Z n. Chr.).

H.. Die julisch-claudischen Kaiser (30 v. Lhr. bis 68 n. Lhr.).

§ 241. Die neue Monarchie. Augustus. Nachdem bei Aktium die Augusturkriegerische Entscheidung gefallen war, harrte des Octavian die schwierige Auf- 14 n.'Chr.gäbe, im Innern Ruhe zu schaffen. Die geschichtliche Entwicklung verlangtedamals nach einem Alleinherrscher, und Octavian begriff diese Notwendigkeit,die feinen eignen Wünschen entgegenkam. Jedoch wollte er nicht wie seingöttlicher Vater enden; deshalb verzichtete er auf die äußern Ehren desMonarchen, um die wirkliche Gewalt desto sicherer zu behaupten, und hielt

Weber-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. I. * 33