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514 Drittes Buch: Römische Geschichte.
fest an der verfassungsmäßigen Übertragung des republikanischen Amtes aufseine Person.
Vsrfafsungs- Als er im Jahre 27 feierlich seine außerordentliche Gewalt niederlegte,
urSagüngüberhäufte ihn der Senat mit bis dahin nicht dagewesenen Ehren, verlieh ihm
der Gewalt^ Antrag des L. Munatius Plancus den Titel Augustus (der Gottbegnadete,später als Semper Augustus — allzeit Mehrer des Reichs) übertrug ihmneben der Konsulwürde das Jmp erium (die Amtsbezeichnung Imperatorwurde nun zum Titel, und dem Ramen vorangesetzt) auf zehn Jahre und nannteden Monat Sextilis nach ihm August. Daneben erhielt er die prokonsula-rifche Gewalt in allen Provinzen und damit die Fürsorge für den Grenzschutz.Jedoch überließ Augustus dem Senat die Binnenprovinzen und teilte mitihm die Staatskasse. Das alte Ärarium blieb dem Senat, während fürden Kaiser eine neue Kasse, der Fiskus, gegründet ward. Damit warAugustus, der nunmehr sich in Rom den Titel Princeps (ur-sprünglich der Erste im Senat) beilegen ließ, aufverfassungs-mäßigemWegezumHerrscherdesrömischenReichsgeworden. Umden Senat sich gesügig zu machen, veranstaltete Augustus mehrere Säuberungendesselben, so daß die übrig gebliebenen Mitglieder es nicht wagten, demWillen des Fürsten entgegenzutreten. Späterhin ließ sich Augustus noch dietribunizische und srttenrichterliche Gewalt übertragen, sodaß er nachund nach die gesamte Exekutivgewalt in allen Zweigen der Verwaltung in dieHand bekam.
Wesen des Man hat die neue Macht des Prinzipats mit Recht ein „Bündel von Ge-walten" genannt, das in einer Hand vereinigt war. Mit Recht; denn sorglichließ Augustus diese Auffassung verbreiten, hielt streng an den alten Normen derVerfassung fest und hinderte dadurch, daß der verderbliche Glanz des NamensKönig aus ihn und sein Haus fiel. Allerdings behielt die neue Verfassung damitetwas Provisorisches und rein Persönliches; jedoch war Augustus zu klug, wo erdie faktische Macht besaß, etwas verfrühen zu wollen, was mit der Zeit allemreifen konnte. ,Denn „Eile mit Weile!" das war schon Kaiser Augustus Devise?Nur ganz leise und vorsichtig formte der Kaiser in späteren Jahre um undsuchte die Erblichkeit herbeizuführen. Zunächst gewann es den Anschein, alswenn die Republik zurückgekehrt sei. Der Form nach war sie es auch, und dievornehmen Familien waren darüber sehr befriedigt. In Wirklichkeit aber wardie Tyrannis im antiken Sinne wieder aufgelebt; dem vorsichtigen Gewalthabergelang es jedoch, ihr nach und nach den Charakter der Legitimität zu ver-schaffen, indem er, alle Formen peinlich beobachtend, nie der Scheingewalt desSenats entgegentrat und selbst den Namen des Herrschers verschmähte. Im stillensorgte er freilich dafür, daß sich die Machtmittel in seiner Hand mehrten.Den Komitien ließ er zwar die Wahlen und die Gesetzgebung; danebenaber traten die kaiserlichen Edikte, die er als Konsul zu geben verpflichtetwar. Ferner schuf er, um in der Hauptstadt selbst einen entscheidendenEinfluß zu haben, zwei von ihm allein abhängige Ämter, den Uraskeetusurbi, eine Art Polizeipräsidenten, der mit seinen Leuten (den Vigiles) genügte,um die Stadt in gewöhnlichen Zeiten im Zaume zu halten, und den krao-koetus xrastorio, den General seiner Leibgarde, der Prätorianer.
de/Römer Die Hauptstadt des Reiches blieb Rom, obwohl Italien vielleicht derödeste Teil des römischen Reichs geworden war. Die vornehmen Familienwaren teils durch ihr Interesse, teils durch Furcht an dre kaiserliche Politikgebunden; der große Haufe dagegen wurde durch Spenden an Nahrungsmittelnund Befriedigung seiner Lust (pauom et oiroousss!) aus das innigste an denHerrscher geknüpft. Die Bevölkerung des Reichs wurde in der Buntscheckigkeitbelassen, in der sie schon durch die Politik der Republik gewesen war. Fast un-übersehbar sind die verschiedenen Rechtsverhältnisse, in denen die Unterthanenzu dem Herrscher standen. Man unterschied unter den Römern selbst Bürger