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Erster Band.
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515
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Z 241. Fünftes Kapitel: Das römische Kaisertum (30 v. Chr. bis 395 n. Chr.). 515

römischen, latinischen und italischen Rechts. Die Städte teilten sich in Ko-lonien, die an allen Vorteilen Roms teilnahmen, Munizipien mit Selbstver-waltung und Unterthanenstädten, denen ein Berufsbürgermeister gesetzt war (Z181).

So gab es z. B. in Emporiä in Spanien neben der ursprünglich spanischenStadt und den griechischen Ansiedlern noch eine römische Kolonie, in der diealten Soldaten und die römischen Kaufleute eine Gilde bildeten. Bei gutemVerhalten war die neue Regierung liberal in der Erteilung höherer Rechte,so daß auch hier das kommunale Interesse an das kaiserliche Regiment geknüpftwar. Noch viel freigebiger zeigte sich aber die kaiserliche Politik gegenüber denProvinzialen: es gab Vassallensürsten, wie die Könige von Thrakien, die Ais Pro-Tetrarchen Galatiens, die Familie des Herodes in Judäa, die lediglich ihrInteresse an Rom knüpfte, neben freien „Bundesgenossenstädten" (Athen u. a.)und neben fast zu Sklaven gewordenen Völkerschaften. In den Provinzen wurdefast überall eine Selbstverwaltung eingerichtet, die sich an ältere Organisa-tionen anschloß, und dieser mehr oder minder weitgehende Befugnisse zuge-billigt. Überall bestand der Schein der Freiheit und Selbständigkeit; die Machtaber hatte der Kaiser. Dadurch daß er das Reich so buntscheckig ließ, erreichteer, daß ein ständiger Wettstreit um die zu erlangenden höhern Ehren entstand,und alles nach seiner Gunst drängte: damit war jede politische Organisation,die ihre Spitze gegen ihn hätte kehren können, unmöglich gemacht und denUnzufriedenen die Gelegenheit genommen, größere Machtmittel gegen das neueRegiment zu vereinen.

Das war die neue seltsame Schöpfung des Augustus, widerspruchsvollund den Charakter des Provisorischen in sich tragend, aber für den Augenblickdas Beste, was gefunden werden konnte. Daher auch ihr Bestand, den selbstdie tollste Mißwirtschaft jahrhundertelang nicht zu erschüttern vermochte.

Darum steht auch Augustus höher als Tyrannen neuerer Zeit, die man mitihm verglichen hat, denn er schuf das Zeitgemäße und war darum ein Großerunter den Gewaltigen der Erde. Es war ihm gelungen, die widersprechendstenMeinungen zu versöhnen und das Auseinanderstrebeude zusammen zu fassen;dadurch, daß er das alte Worte: Teile und herrsche! dahin variierte, daß erscheinbar möglichst vielen an der Herrschaft Teil gab und nur auf verfassungs-mäßigem Wege die Zeichen der Gewalt auf sich vereinte, die eigentliche Gewaltaber in seinen Händen festhielt, ohne dies je hervortreten zu lassen, erreichte er,daß die große Menge ihm begeistert zufiel, und den Widerstand der etwa wider-strebenden mit Entschiedenheit verwarf.

Die neuen Machtmittel, die Augustus schuf und die er in aller MachNENStille zu hoher Vollendung ausbildete, waren ein Berufsheer und ein Berufs- cipatsbeamtenstand', die beide an des Kaisers Person geknüpft waren. Das Heer H°°rward ganz und gar aus Berufssoldaten gebildet, die durch Aushebung, be-sonders in den Provinzen, vor allem bei den kraftvollen Nordvölkern, sich er-gänzten und bis zu 20 Jahren ununterbrochen bei der Fahne blieben, auchwenn kein Krieg war. Es bestand aus 25 Legionen, jede aus 6000 Römernund 1000 Barbaren, und hatte seine Quartiere in den Grenzprovinzen. Dazukamen noch Spezialtruppeu, so daß daß das augusteische Reich ein stehendesHeer von 300000 Mann hatte. Für sich standen die Leibgarde der Prätorianer,mit Doppelsold, etwa 9000 Mann, die in und um Rom quartiert waren,und zwei große Flotten, die bei Misenum und Ravenna ihre Stationen hatten. —

Die Finanzen waren so geordnet, das jede Provinz ein Steuer- und Zoll- Finanzengebiet für sich darstellte; aber doch bildeten alle Länder des Mittelmeeresein einheitliches Handelsgebiet, dessen einzelne Teile nur durch Accisen undFinanzzölle von einander getrennt waren. Die Zölle gingen überall an denFiskus; ebenso die Kopf- und die Grundsteuer. Um einen genauen Überblick überdie steuerbaren Gegenstände zu gewinnen, ließ Augustus eine sorgfältige Ver-messung des Reiches vornehmen, die unter Leitung des Agrippa erfolgte und zu der

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