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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

8 244.

Sorge für die öffentliche Wohlfahrt, welche die Zeitgenossen so sehr gepriesen haben, nur kalteBerechnung und politische Überlegung sehen. Als er im Besitz der Alleinherrschaft war, hater Verschworene begnadigt, Empörer gelinde bestraft, Schmähungen in Wort und Schriftübersehen. Es hätte dem Imperator nicht an Gelegenheit zur Strenge gefehlt, wäre ervon Natur grausam gewesen. Er zog es vor, die auf blutigem Wege begründete neueOrdnung der Dinge durch Milde und Menschlichkeit zu befestigen, ein Verfahren, das seinerNatur und angebornen Gemütsrichtung mehr entsprach als die frühere Härte. — „Sein Auf-treten wirkte auf die Umgebung zunächst wie das eines biedern, würdevollen Alten. Nurdem genaueren Beobachter gewährte er einen bedeutsamen Eindruck; denn die großen undklaren Augen, vor denen sich jeder getroffene Blick senkte, offenbarten die Schürfe seinesdurchdringenden Verstandes." Diese Verstandesschärfe war es auch, die ihn bis zum letztenAugenblick die einmal gefaßten Regierungsgrundsätze festhalten und das Ziel unverrücktim Auge behalten ließ. Und so sank er denn ins Grab, von Millionen betrauert; einvielleicht nicht einwandfreier Charakter und nicht idealer Mensch, aber einer der Größtenunter den Großen dieser Erde.

§ 244. Das goldene Zeitalter in Litteratur und Kunst. Nachdem dieMonarchie begründet war, konzentrierte sich das politische Leben in der HandEinzigen; für aufstrebende und ehrgeizige Talente bot sich nur noch einGebiet, das den Kräften weiteren Spielraum gewährte, die Bethätigung inLitteratur und Kunst. Nachdem der Hellenismus die Gedankenkreise erweitertund die Sprache gefügig gemacht hatte, wendete sich das Interesse, auch derhöchsten und einflußreichsten Kreise, von nun an vorwiegend künstlerischen Gegen-ständen zu. Vornehme Herren und Frauen wetteiferten im Versemachen; diegesellschaftliche Unterhaltung drehte sich hauptsächlich um Litteratur; selbst dieTafelgenüsse wurden durch Lesen und Vortrüge griechischer Dichter gewürzt.Der Laden und die Halle des Buchhändlers war der Versammlungsort derGebildeten, die Bibliothekzimmer der Reichen dienten zum Empfang der Gäste;zu den Vorlesungen (Recitationen) neuer Werke drängten sich die Zuhörer-kreise; litterarische Wettkämpfe mit Dichterkrönungen dienten den Ehrgeizigenund Fähigen als Sporn. Feine Bildung, Knnstgeschmack und Litteratur-kenntnis wurden immer mehr das Eigentum und Kennzeichen der aristokratischenKreise der Hauptstadt; daher bezeichnete man die höhere gesellschaftliche Bildung,die sich in der reinen Sprache wie in feinen Umgangsformen und geistreicherUnterhaltung kund gab, mit dem Ausdruck „Urbanität". Diese litterarischeund ästhetische Bildung wurde von der Regierung in jeder Weise begünstigt.Augustus beschützte und liebte die Litteratur; er versuchte sich selbst in Versenund veranlaßte vor allem seine Familienangehörigen und die Minister seinesReiches, der Poesie und Kunst die höchste Ehre und größte Förderung zu teiluÄo°v.Ehr.tverden zu lassen. So fand der feine Dichter Krinagoras aus LesbosAnerkennung bei den Damen des kaiserlichen Hauses; so versuchte sich Ger-maniens in wohlgemeinten Versen, in denen er des Aratos Gedichte (Z 152)übertrug; so beschirmten vor allem die mächtigsten Anhänger der neuenRegentenfamilie die künstlerischen Interessen. Im kaiserlichen Rom richtetensich schnell aller Blicke nach dem Hofe und dem ihm zunächst stehenden Kreise,wo der vertraute Umgang mit gelehrten und talentvollen Männern unddie freigebige Unterstützung ihrer litterarischen Arbeiten als guter Ton undEhrensache galt. Augustus und seine Freunde erkannten mit richtigem Scharf-blick die Macht und Bedeutung der Litteratur für die öffentliche Meinungund waren daher bemüht, sie durch Gnade und Gunst in den Dienst derneuen Ordnung zu ziehen, und für sie Gang und Richtung zu bestimmen,indem sie gelinde, aber sicher von oben her eingriffen. Und diese Bemühungenwaren nicht erfolglos; wie die alexandrinischen Schriftsteller die freigebigenFürstenhöfe zu Alexandrien und Pergamum feierten, so vergalten auch dierömischen Dichter und Gelehrten die Gunst, die ihnen Augustus und seineFreunde erwiesen, mit schmeichelnder Erkenntlichkeit und mit fügsamem Ein-gehen auf den Hofton.