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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

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er seine eigenen Gefühle und Gedanken in den Mund legt. Dieser Kontrast wird erklärt durchdie Absichtlichkeit und die persönlichen Beziehungen der meisten Gedichte; sie dienen häufignur als Rahmen und Form, um Zeitverhältnisse in halbverhüllter Gestalt zu besprechen,politische Beziehungen anzudeuten und Huldigungen und Schmeicheleien einzuslechten. Aberbei allen Mängeln sind die Eklogen reich an Schönheiten und an gelungenen Schilderungen.

2 . Georg«»— Das Lehrgedicht vom Landbau (Georgika) ist Vergils Meisterwerk; hier ist nicht bloßdie Form schön und kunstreich, sondern auch der Inhalt echt volkstümlich. Vergil hatin diesem Gedicht (das im ersten Buch vom Ackerbau, im zweiten von der Baumzucht, imdritten von der Viehzucht und im vierten von der Bienenzucht handelt) das altrömischeLeben dargestellt. „Aus einem Guß, von unübertroffenem Zauber (sagt Ribbeck von ihm)sind Sprache und Vers. Letzterer ist von edlem Wohllaut, voll und männlich, von mannig-faltiger ausdrucksvoller Schattierung. Nicht weniger fein abgestuft ist die Sprache: nurwenig altertümlich angehaucht, markig und klar, reich und anschaulich, von heiterer Majestätübergössen, atmet sie römischen Geist, der mit griechischer Anmut glücklich vermählt ist." —

«. A-nois Ja seinem dem Homer nachgebildeten epischen Gedicht Aeneis in 12 Büchern, worin erdie Schicksale und Irrfahrten des Aeneas nach der Zerstörung Trojas und dessen Ankunftund Niederlassung an der Küste von Latium schildert und daran die Gründung derStadt Rom und die Verherrlichung des (angeblich von Julus, des Aeneas Sohn,abstammenden) julischen Geschlechts reiht, setzte er dem römischen Nationalstolz einDenkmal und suchte die Kaiserzeit durch Anknüpfung an das Heroenalter mit demrepublikanischen Rom zu versöhnen. Mit großem Geschick weiß er dem fremden Stoff einenationale Färbung zu geben, die verschiedenartigsten Sagen an Rom als den gemeinsamenMittelpunkt zu knüpfen und dadurch seinem Gedicht einen volkstümlichen Charakter zu ver-leihen. Der Tod hinderte ihn, die letzte Hand an das durch Kunst der Dichtung undSprache, durch patriotischen Ernst, durch Genauigkeit der örtlichen Schilderungen undWohlklang des Versbaues ausgezeichnete Werk zu legen. Vergil war der gelesenste Schrift-steller der alten Welt. „Seine Poesie drang in alle Bildungskreise, in alle Schichten derGesellschaft, auch Handwerker und Krämer führten seine Verse im Munde; wie jetzt dieBibel wurde damals in schweren Lebensmomenten Vergil aufgeschlagen, und die Stelle,auf die der Blick fiel, als Schicksalsspruch betrachtet. In litterarischen Kreisen wurde seinGeburtstag (15. Oktober) gefeiert." Diese Verehrung stieg immer höher, als die Schatten desMittelalters über das Andenken des Dichters fielen. Bald erblickte man in ihm einen Zaubererund wunderthätigen Magier, und in Dantes Göttlicher Komödie (II, 288, 330) sehen wirihn den Dichter durch die Hölle und das Fegefeuer bis an die Pforte des Paradieses geleiten-Horaz O. Horatius Flaccus, Sohn eines wohlhabenden Freigelassenen aus Vennsia in

bis L7?'Nov.Apulien, erhielt eine gute Erziehung und widmete sich einige Zeit in Athen dem Studium

8 ». Chr. der Philosophie. Mit Brutus befreundet, stand er bei Philippi (Z 235) aus Seiten der Repub-likaner, floh aber, wie er selbst scherzend erwähnt, mit Zurücklassung seines Schildes nachRom, wo er auf Vergils Empfehlung die Gunst des Augustus und des feinsinnigen Mä-cenas erlangte. Horaz nahm sich die griechischen Lyriker der klassischen Zeit zum Vorbild,gab aber seinen Dichtungen eine eigentümliche, nationale Färbung; die Schönheit undEleganz seiner Sprache, die Feinheit und Gewandtheit des Ausdrucks und die Mannich-faltigkeit an Wendungen lassen nichts Fremdartiges erkennen. Vertraut mit den Sittenund der Denkweise der vornehmen römischen Welt und den Bedürfnissen des menschlichenHerzens, lehrte Horaz wahren Lebensgenuß und echte Lebensweisheit, den richtigen Gebrauchder äußern Güter und innern Bildung. Er bleibt dabei ebensosehr von der Rauhheit der

1 . Epoden einseitigen Stoiker wie von der weichlichen Sinnlichkeit der spätern Epikurecr frei. Die

ersten poetischen Erzeugnisse des Horaz sind die Epoden, in denen zwei ganz verschiedeneBestandteile, das „aggressive" Gedicht nach Art des Archilochus und das Lied, sich vereinen.

2 . Satiren Sie sind fast gleichzeitig mit seinen Satiren (Sermonen) erschienen (seit 37 v. Chr). Von

da an spaltet sich des Dichters Vortragsweise. In den Satiren bildet Horaz nur denaggressiven Teil seiner bisher in den Epoden vereinigten beiden Weisen aus. Anstatt selbstzu sprechen, führt er andere Personen redend ein und hüllt das Ganze in ein national-römisches Gewand. Trotz mancherlei Anlehnungen an die Griechen sind sie ganz vomeigenen Geiste des Dichters durchzogen; sie zeichnen den Menschen und seine Natur undunterscheiden sich dabei sehr von der bittern und herben Satire der Griechen; denn sieverwunden nie tief, sondern belehren und tadeln auf heitere, scherzende Weise und führen,indem sie nur Lebensgenuß zu lehren und in der Kunst des Genießens zu unterrichtenscheinen, die Leser unwirklich auf den Pfad zu einem bessern Leben. — Die zweite Dich-tungsart, mit der er schon in den Epoden begonnen hatte, begann Horaz etwa um das

3. Oden Jahr 30 v. Chr. in den Oden fortzusetzen. Das Ziel, das er sich steckte, war aber höher;