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Erster Band.
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Drittes Buch: Römische Geschichte.

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gepflegte Liebeselegie weiter aus. Albius Tibullus stammte aus einem begüterten Ritter-geschlecht. Seine Dichtung trägt, neben den herzlichsten und leidenschaftlichsten Ergüssen fürdie schöne Delia (Plania) doch einen pessimistischen Zug an sich; der Gedanke an den Tod unddie Nichtigkeit des Daseins klingt überall durch. Angereiht sind seinen Gedichten die Elegiendes Lhgdamus und der berühmte Elegienkranz der Sulpicia, vielleicht das Anmutigste, was die

P»r°rr römische Elegieupoesie hervorgebracht hat. — Ein stärkeres, lebensmutigeres Talent war der

v. Chr. etwas ältere Sex. Propertius aus Asisium. Freilich ist bei ihm die Beimischung des Ge-lehrten stärker, und man merkt das alexandrinische Vorbild. Aber doch rauscht in diesenElegien ein mächtiger Strom originalen Empfindens: die Liebe zu seiner Cynthia (Hostia)war sein Alles; auch in den römischen Elegien des letzten Buches, wo nur die Form, nichtder Inhalt den Alexandrinern entnommen war, finden wir die gleiche Erscheinung. Darumlebte er auch durch alle Zeiten fort, und noch Goethe gesteht es mit Freuden ein, daß einst„Properz ihn begeistert".

Prosa Nicht so günstig entwickelte sich unter der neuen Regierung die Prosa-sch r i f t st e l l e r e i. Zunächst gewann es freilich den Anschein, als wenn auch diesesGebiet sich an dem allgemeinen Aufschwung beteiligen sollte. Die Vortrage derGrammatiker und Rhetoren, der Philosophen und Ärzte wurden immer häufigerbesucht; das gesamte Wissen der griechischen Welt zog in Rom ein. C. AsiniusPollio sammelte strebsame Jünglinge um sich, die sich unter seiner Leitung imVortrug übten; es bildeten sich gelehrte Genossenschaften, die aus jungen,für das Studium der Griechen begeisterten Männern bestanden, für die Ver-pflanzung der alexandrinischen Litteratur nach Italien thätig waren und einenentscheidenden Einfluß auf den Geschmack und die litterarische Zeitrichtung ge-wannen. Bald entstanden auch periodische Schriften, Zeitungen und öffent-liche Anzeigeblätter (^ota, ^.ota älurim), welche unter anderem Berichte und Aus-züge von den bedeutenderen Reden im Senat und in den Gerichtshöfen enthieltenund durch regelmäßigen Postverkehr rasch über das ganze Reich bis in diefernsten Provinzen verbreitet wurden. Mit der äußeren Ausbreitung hielt aberdie innere Gediegenheit nicht gleichen Schritt. Namentlich litten die beidenLitteraturgattungen, die nur in freier Luft gedeihen können, Geschichtschreibung,und Beredsamkeit, durch den Übergang in die monarchische Staatsordnung;ihr Ton wurde gedrückt, ihr Gesichtskreis enger, ihr Objekt sogar flach undder Gegenwart abgewandt. Je mehr der Freimut Gefahr brachte, desto mehrhielten die Historiker mit ihrem politischen Urteil zurück oder wandten sich dergefahrloseren Geschichte des Auslandes oder der fernen Vorzeit zu. Ja, siegingen sogar so weit, nicht mehr den Nachdruck auf die kritische Erwägungdes Stoffes zu legen, sondern diesen Stoff vor allem schön zu formen,so daß der innere Wert dieser Geschichtswerke darunter beträchtlich leidenmußte. — Noch empfindlicher wurde durch den politischen Wechsel die Be-redsamkeit beeinträchtigt. Der üppige Stoff, den bisher die Leidenschaften undVerbrechen der Vornehmen gewährt hatten, war entweder erschöpft oder durchdie neuen polizeilichen Ordnungen verschleiert und den Volksgerichten entzogen.Die Kunst der Rede beschränkte sich daher teils auf die durch Autorität desKaisers bedingten und gezügelten Verhandlungen im Senat, teils auf denPrivatprozeß und späterhin die Prunkrede bei feierlichen Anlässen.

Livius Nirgends tritt dies Zurücktreten der künstlerischen Prosa hinter die gleichzeitige Poesie

^m'Chr.^und dies Anlehnen an die poetische Form klarer hervor, als bei dem größten Geschichtswerkder Römer, den Büchern des Titus Livius. Der zu Patavium im Polande geborene Schrift-steller hatte sich vorgenommen, die Geschichte Roms von ihren Uranfängen bis auf seine Zeitdarzustellen. Von seinem riesenhaften Werke sind uns nur Buch 1—10 und 21—45 erhalten,wahrscheinlich, weil man in der späteren Kaiserzeit gar manche seiner Ausführungen fürpolitisch bedenklich hielt und deshalb unterdrückte. Der Zweck seiner an rhetorischen undpoetischen Ausschmückungen reichen Geschichte ist, das römische Volk „für Vaterlandsliebe zuerwärmen, insbesondere den Sinn desselben für den ehrlichen Glauben und die Tugendender Vorfahren zu wecken, und es so an dem Vorbilde besserer Vergangenheit aus demVerderben der Gegenwart emporzurichten." Livius besitzt Sinn für poetische Darstellung,Gewandtheit im Charakterzeichnen und Schildern bedeutender Persönlichkeiten, und ein