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Erster Band.
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531
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tz 245. Fünftes Kapitel: Das römische Kaisertum (30 v. Chr. bis 395 n. Chr.). 531

Von griechischen Künstlern verfertigt. Besonders in den Werken der Bankunsthaben sich die Römer der beginnenden Kaiserzeit ausgezeichnet. Das republika-nische Rom besaß mit wenig Ausnahme keine monumentalen Denkmäler; erstCäsar begann mit seinem Forum und der Basilica Julia, einer großen Zirkus-anlage, die Ausschmückung der Stadt. Unter Augustus aber steigerte sich dieseThätigkeit ins Riesenhafte: allein 16 herrliche Tempel verdankten ihm ihreEntstehung. Sein Beispiel ahmten die Großen seines Reiches nach: Mäcenasschuf aus dem verrufenen Esquilin eine der schönsten Promenaden der Welt,und Agrippa ließ den gewaltigen Rundtempel des Pantheon erbauen, dernoch heute die Bewunderung der Welt erregt. Freilich vermochte diese Kunst,die das Monumentale in das Riesenhafte steigerte, nicht zu der einfach harmo-nischen Wirkung zu gelangen, die der klassischen griechischen Kunst eignete.

Auch der Profanbau steigerte sich bald ins Massenhafte. Neu waren die mehr-schiffigen Basiliken, in denen in der Regel Recht gesprochen wurde; danebenstanden die kaiserlichen Paläste auf dem Palatin und die kostbaren Villen derGroßen des Reichs. Dazu kamen die für die Bedürfnisse des ganzen Volkesgeschaffenen Wasserleitungen, die auf unendlichen Bogenreihen das Wasser ausden Gebirgsquellen in die Hauptstadt leiteten, die Thermen (Bäder), die denRömern als Volksbelustigung dienten, die Heerstraßen und Brücken, die praktischund solid gebaut waren, und schließlich mögen noch die Triumphbögen undEhrensäulen genannt sein, mit denen das dankbare Volk seine Herrscher be-grüßte. Alles drängte freilich auf den praktischen Zweck zu, und die Römerhaben recht eigentlich die „Architektur des öffentlichen Nutzens" ausgebildet.

Z 245. Tiberius. Das Erbe, das der neue Princeps antrat, war Tib-r-usnicht leicht; denn trotz einer viernndvierzigjährigen Regierung hatteAugustus nur ein Stückwerk hinterlassen. Anstatt der politischen Einheitwar eine unendliche Vielgestaltigkeit geblieben, und ungelöst blieb derZwiespalt zwischen der wirklichen Macht und dem noch zu Recht bestehendenSchein; die Monarchie hatte nur thatsächlich, nicht auch rechtlich, eineneue Verfassung geschaffen. Es fehlte an einer auch die Völker erfassendenstaatsbildenden Idee; an ihre Stelle trat der von Augustus oft aus-gesprochene Gedanke, in den einmal gegebenen Grenzen die Ordnung aus-recht zu erhalten und den Frieden zu sichern; dabei sollte die einzigleitende Person der Princeps sein, und damit wurde aus dem Cäsarismusdie Despotie. Fast alle Kaiser nach Augustus haben sich im gleichen Ge-leise bewegt: so lange sie selbst gute Menschen waren, genossen die Unter-thanen sonnige Tage, aber sowie sie menschlichen Schwächen nachgaben,mußten die Folgen furchtbar sein; denn alles blickte nach des ThronesHöhe, um von ihm aus den leitenden Gedanken zu empfangen, und intausendfältigem Wellenschläge flutete dieser durch das ganze ungeheure Reich.

Das eigene politische Denken hörte ganz auf, und auch das moralischeEmpfinden wurde von oben her bestimmt. Alles selbständige Fühlen wurdedurch die eisernen Arme des starken Beamtentums und der militärischenMacht erstickt oder niedergehalten; wo es aber nicht zu ertöten war, inder Tiefe des Volkes, verband es sich mit einem resignierten Pessimismus,der seine Erlösung nicht von einem Reiche erhoffen zu können meinte, dasvon dieser Welt war; die Trostlosigkeit dieses Systems bereitete derReligion der „Mühseligen und Beladenen" (Z 255) den Boden.

Tiberius bestieg den Thron als ein 56 jähriger Mann, ein seit dreißigJahren in den Geschäften erfahrener Beamter und mit vielfachem Ruhmgekrönter Feldherr. Im Ansang schloß er sich ganz an das augusteischeRegierungsshstem an, nur daß er dem neu auflebenden Selbstbewußtsein

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