Band 
Erster Band.
Seite
532
JPEG-Download
 

L32

Drittes Buch: Römische Geschichte.

Z 245.

Aufstandder panno-nischenLegionen14

Aufstandder Legio-nen in Ger-manien

FeldzügedesGermaniens14—16n. Chr.

15

16

Schlacht beiJdifiaviso16 n. Chr.

des Senats dadurch entgegenkam, daß er alle Wahlen der höchsten Be-amten in die Kurie verlegte und den breiten Massen auch die letzten kümmer-lichen Reste politischer Rechte wegnahm. Jedoch darf man nicht annehmen,daß dadurch der Senat wirklich zu neuer Macht gekommen wäre. Einweit wichtigerer Machtsaktor war die Armee. Sie wußte genau, daß dieSicherheit des Kaisers wie die des Reiches aus ihr beruhte. Da aberkeine politischen Parteikämpfe die Soldaten mehr bereichern konnten, somußten es von nun an die Thronveränderungen thun. Dies geschah zumersten Male beim Tode des Angustus. Die drei Legionen, die TiberiusJahre lang in Pannonien kommandiert hatte, empörten sich zuerst, wurdenaber bald von Drusus d. I., des Tiberius und der Vipsania Sohn,niedergeworfen und hart gestraft. Weit gefährlicher und langwieriger warder Aufstand der Legionen in Ober- und Niedergermanien. Hier trugmau dem Germaniens, dem Sohn des älteren Drusus, die Krone an,und es gelang nur mühsam und durch den Einfluß der edeln Agrippina,der Tochter Agrippas und Gemahlin des Germaniens, die Beruhigungdieser sessellosen Truppen, die es aus eine Plünderung der Provinzen ab-gesehen hatten, zu erreichen. Um ihnen Beschäftigung zu schaffen, unternahmGermaniens seine Feldzüge nach Großdeutschland.

Von seiner edlen Gemahlin Agrippina, des Augustus Enkelin, begleitet,überschritt er den Rhein und fiel in das Gebiet der Mars er ein. Ausdem Rückmarsch verwickelte er durch die Niedermetzelung der Bevölkerungund die Zerstörung des Heiligtums der Tanfana (II, Z 14) die Römermit den Germanen in neue langdauernde Kämpfe. Im Jahre 15 rücktenzwei römische Heere aus. Germaniens ging zuerst, den Bahnen seinesVaters Drusus folgend, über den Taunus bis in das Gebiet der Eber, ver-nichtete die Chatten und baute die zerstörte Saalburg (Z 251) wieder aus.Dann drang Germaniens zur See von der kossa vrusiana (Z 242) aus indie Emsmündung ein, während der Legat A. Cäcina Severus durchdas Bruktererland ihn an der Ems zu erreichen suchte. Sie gelangtenbis an die Stelle der Varusschlacht. Hier begrub Germaniens diebleichenden Gebeine der im Teutoburger Walde gefallenen Römer undführte Armins hochsinnige Gattin Thusnelda, die der treulose Segestesden Feinden übergeben hatte, in Gefangenschaft ab. Empört über dieseSchmach durchzog Armin die Gaue der Cherusker und rief alles Volk zurRache Wider die Römer aus, „die sich nicht schämten, Krieg durch Verratund Wider schwache Weiber zu führen". Es gelang ihm, die Cheruskerund mehrere Nachbarstämme zu einem großen Waffenbund zu vereinigenund den römischen Legaten Cäcina an dem langen Damm, der überdie Moorgründe von der obern Lippe an den Rhein führte, in große Ge-fahr zu bringen, während die römische Nordseeflotte durch Stürme schwereVerluste erlitt. Beim dritten Feldzuge aber, im Jahre 16, griff Ger-maniens wieder von der Emsmündung aus zur See und vom Rhein auszu Lande die Germanen an. Trotz gewaltiger Übermacht erlagen dieGermanen, weil man nicht aus Armins kluge Ratschläge hörte, in zweiSchlachten in der Nähe Hamelns bei Jdifiaviso (Elfenwiese) und amSteinhuder Meer der überlegenen Kriegskunst der Römer. Aber ob-schon der römische Feldherr durch diese beiden Schlachten dem Cherusker-bunde schwere Schläge versetzte und, von den Batavern unterstützt, vonder Seeseite her Deutschland hart bedrängte, so gelangte die Römer-