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Dritter Band.
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Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618).

8 116.

ermüdliche Tätigkeit im Dienst der Leidenden haben sie zur Befestigung des Katholizismusim Volke viel beigetragen. In ähnlicher Weise wirkte der in Frankreich und Deutschlandweit verbreitete Orden der barmherzigen (grauen) Schwestern, gestiftet 1629 vonder Witwe Le Gras und dem mit der geistigen und leiblichen Not des Volkes vertrautenVinzenz von Paula. Der Erziehung der weiblichen Jugend diente die von der schwär-merischen Angela von Brescia (tz 1540) gegründete und von Karl Borromeo sehr geförderteSchwesterschaft der Ursulinerinnen: für die Zwecke der Seelsorge und Barmherzigkeits-pflege entstand 1530 in Mailand der Orden der Barnabiten, 1540 in Venedig dieKongregation von Somaska. Für die innere Mission endlich, für Förderung desChristentums unter dem verwahrlosten Volke stiftete der schon genannte Vinzenz 1631 denOrden der Lazaristen. Auch der wegen seiner alle anderen überragenden Bedeutung obengesondert behandelte Jesuitenorden ist in diesem Zusammenhange nochmals zu nennen.

Unter den Gefahren des Abfalls hat sich so die katholische Kirche aufsich selbst besonnen; sie hat die alten Grundlagen neu gefestigtdurch Beseitigung unleugbarer Mißstände; sie hat ihre Vertretervon der höchsten bis zur untersten Stufe mit neuer Begeisterung erfülltund zurückgeführt zu ihren eigentlichen Aufgaben; sie hat demVolke ihre Brauchbarkeit auch im praktischen Leben erwiesen undsich neue scharfe Waffen zum Kampfe gegen die Abtrünnigen geschaffen.

Zweites Kapitel.

Siwenropa unter spanischer Vorherrschaft.

Spanien.

8 116. Die innere Lage Spaniens unter Karl V. Als Karl V.erkennen mußte, daß seine Weltherrschastspläne in politischer und kirch-licher Hinsicht undurchführbar seien, zog er sich nach Spanien zurück (8 73).Das ist kein Zufall: als Kaiser und Schirmherr der Kirche hatte er seineZiele nicht erreicht, als König von Spanien konnte er auf Erfolge zurück-blicken. Hier hatte er vollendet, was die „katholischen Könige" begonnenhatten (II, § 342), hier bezeichnet seine Regierung eine Zeit hoher Blüte.Die Machtfülle der Krone dem Adel, dem Klerus und den Städten gegen-über war so groß wie nie zuvor; die dem Volksgeist entsprechende Allein-herrschaft des Katholizismus blieb bestehen; die Erwerbung der amerikani-schen Kolonien brachte großen Gewinn, die wirtschaftliche Lage des Landeswar günstig; und zu alle dem kam der Glanz, der von der Weltstellungseines Königs auf Spanien zurückstrahlte.

Die Selbstherrlichkeit des Adels war schon von Jsabella mit Hilfe derStädte gebrochen, gleichzeitig war der hohe Klerus durch das Konkordat unddie von der Krone durchgeführte Reformation vom König abhängig geworden(II, ß 340); nach der mit Hilfe des Adels erreichten Niederwerfung des Auf-standes der Kommuneros (II, 8 343) waren auch die Städte gedemütigt. Warenin den Cortes von Kcrstilien bisher zuerst die Wünsche und Beschwerden (xstieionso)der Stände erledigt und dann erst die königlichen Forderungen (ssrvieios) be-willigt worden, so wurden von nun an die letzteren vor jenen genehmigt; es warenalso die Cortes fast nur noch zur Geldbewilligung da. Dazu pflegte der Königmit den Ständen gesondert zu verhandeln und vermied so eine gemeinschaftlicheOpposition. Etwas größere Bedeutung bewahrten die Cortes in Aragonien.Damit ist schon darauf hingewiesen, daß Spanien kein wirklicher Einheitsstaatwar, daß vielmehr die Sonderverfassungen der alten Bestandteile des Reichesfortdauerten; indes eine wesentliche Beeinträchtigung der königlichen Macht war