8 131. Drittes Kapitel: Westeuropa im Kampfe gezeu das spanisch-katholische System. 221
schlang gewaltige Summen, und doch meuterten die durch die Plün-derungen verwilderten Truppen, da sie nicht regelmäßig bezahlt werdenkonnten; ein Ende des Krieges aber war nicht abzusehen. Das Systemdes Terrorismus hatte Bankrott gemacht; so erhielt Alba seine Ent-lassung und verließ Ende des Jahres Brüssel. Der Fluch der einst so i«. D-z.is?»blühenden, jetzt ruinierten Lande begleitete ihn; das Ergebnis seiner Ver-waltung war ein glühender Haß gegen die spanische Herrschaft.
2. Die Wechselfälle bis zur Absendung der großen Armada.
§ 131. Requesens und die Genter Pazifikation. Albas NachfolgerDon Luis de Requesens y Zustiga erschien als Vertreter der Mildeund Versöhnung, indem er den Rat der Unruhen und den zehntenPfennig aufhob; indes es trat doch nur eine Änderung der Mittel, nichtder Ziele der spanischen Politik ein. Die Gewissensfreiheit vermochte ernicht zu gewähren, und so nahm der Krieg seinen Fortgang. Auf derMooker Heide, wo zwei Brüder Oraniens (Ludwig und Heinrich) den i4.Aprui574Heldentod starben, gewannen die Spanier einen Sieg, aber an dem Frei-heitssinn und dem Opfermut der Bürgerschaft von Lehden scheiterte dasGlück des Requesens.
Seit Ende Mai wurde Leyden von den Spaniern eingeschlossen; die Bürgerschaft Seyd-»unter Führung des Bürgermeisters Adrian van der Wcrf verwarf die Amnestie, die isitRequesens denen zusicherte, die zum Katholizismus zurückkehren würden; man hoffte auf s. JuniOranien, der binnen drei Monaten Entsatz versprochen hatte, und teilte danach mit größterSparsamkeit die Vorräte ein. Auf Rat des Prinzen wurden die Deiche durchstochen, obgleich s. Aug.das den Wohlstand der ganzen Gegend vernichtete, aber die drei stärksten Dämme hatten dieSpanier besetzt, und so konnte die Geusenflotte nicht an die Stadt herankommen. Erst MitteSeptember wurden diese Deiche erobert und durchstochen, indes jetzt hinderte der Ostwind dasHineinströmen des Wassers. Inzwischen erlagen Tausende dem Hunger, bis endlich Süd- 1 , Oit.Westwind eintrat und die Geusenflotte vor der stärksten spanischen Schanze erschien. Nun 2 . Okt.zogen die Spanier auf den nördlichen Dämmen ab: die Stadt war gerettet.
Zum Lohn für den Heldenmut der Bürger errichteten die holländischenStaaten in Lehden eine protestantische Universität. Noch während der is?sBelagerung hatte die Synode von Dordrecht durch Annahme des DorÄ-MHeidelberger Katechismus den Calvinismus zur Landesreligion erhoben; °U74Oranien war zwar selbst zum Calvinismus übergetreten, sah diesen Be-schluß aber nicht gern; er erstrebte volle Gleichberechtigung der christlichenKonfessionen, auch deshalb, weil die Einführung einer calvinistischenLandeskirche einen Zusammenschluß des Nordens mit dem katholischenSüden erschweren mußte. Erwünscht war ihm dagegen, daß der unterVermittlung Kaiser Maximilians II. zusammengetretene Friedenskongreßvon Breda keinen Erfolg hatte. Bald darauf sagten sich Holland undSeeland von Spanien los; Oranien war für die Zeit des Krieges zum on. is?sRegenten ernannt worden, doch dachte man damals daran, sich Englandoder Frankreich zu unterstellen.
Anfang des nächsten Jahres starb Requesens aus Kummer über s. März ismdie Mißerfolge, zu denen noch die Meutereien der unbezahlten Truppenkamen. Bis zur Ankunft des neuen Statthalters leitete der Staats-rat die Verwaltung. Er war außerstande, den Übermut der verwildertenTruppen zu bändigen, und forderte schließlich die Stände und die Bürger-schaften auf, selbst Truppen aufzustellen, um sich gegen die spanischen, diebon der eigenen Regierung geächtet wurden, zu schützen. Demgegenüber