222 Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618). Z 132.
übten diese eine greuelvolle Gewaltherrschaft, sie raubten und plünderten,wo sie konnten. Am schlimmsten erging es der reichen Handelsstadt Ant-werpen. Von der Zitadelle aus griffen die Truppen die Stadt an,N°v. r-,78 überwältigten die Verteidiger und verübten in einer dreitägigen Plün-derung die entsetzlichsten Greuel an der Bevölkerung: das prächtige Stadt-haus und zahlreiche Paläste wurden niedergebrannt; Antwerpen hat sichvon dieser „spanischen Furie" nie wieder erholt (8 134). Unter demEindruck dieses Vorganges, der auch im Süden den Haß gegen Spaniensteigerte, gelang es Oranien, die Nord- und Südstaaten (mit Ausnahme^ftkatwn^ Luxemburgs) in der Gent er Pazifikation zu dem Beschluß zu ver-« A°». in« einigen, sich gegenseitig mit Gut und Blut zur Vertreibung der spanischenHeere beizustehen und bis zur Ordnung der kirchlichen Angelegenheitendurch die Generalstaaten die Strafbefehle wegen der Religion unvollstrecktzu lassen. Ging es nach Oraniens Wunsche, so sollte damit der Grundzu einem niederländischen Gesamtstaate gelegt sein. Indes dieser großePlan scheiterte, im letzten Grunde an der Unduldsamkeit beider Konfessionen,der Calvinisten sowohl wie der Katholiken, und an dem schon lange be-stehenden Gegensatz zwischen dem Norden und Süden.
^'AustNa 8 132. Don Juan d'Austria und die Vielregiererei. LuxemburgI576-IS18 nahm an der Pazifikation nicht teil, weil dort um dieselbe Zeit der neueStatthalter Don Juan d'Austria, der Sieger von Lepanto (8 120), ein-traf. Er war abgesandt, um zu versöhnen, hegte aber persönlich vielweiter gehende Pläne. Es war ihm nicht gelungen, sich in Nordafrika einFürstentum zu gründen (§ 120); jetzt trug er sich mit dem Gedanken, vonden Niederlanden aus die gefangene Maria Stuart zu befreien und alsihr Gemahl das vereinigte Jnselreich unter Wiederherstellung des Katholi-zismus zu beherrschen. Er hatte darüber hinter dem Rücken Philippsmit dem Papst und den Guisen verhandelt, aber Philipp erfuhr davon,und diese ehrgeizigen und abenteuernden Pläne weckten von neuem seinschon früher (Z 120) hervorgetretenes Mißtrauen und bewirkten, daßPhilipp den unternehmungslustigen Halbbruder nicht genügend unterstützte.
Zunächst hatte Don Juan von Luxemburg aus mit den General-staaten über die Bedingungen seiner Anerkennung zu verhandeln. DasF°br. 1L77 Ergebnis war das Ewig e Edikt, in dem er die Entlassung der Truppenversprach, falls die Staaten den rückständigen Sold zahlten, die Herstellungder alten Freiheiten zusicherte, die Genter Pazifikation anerkannte, soweitsie nichts gegen den König und die katholische Religion enthielte, undOranien als Statthalter von Holland und Seeland bestätigte. Es ist be-zeichnend für die englischen Pläne des Prinzen, daß er die Truppen zuerstauf dem Seewege entfernen wollte und erst infolge des Widerspruchs derApril 1577 Staaten den Landweg genehmigte. Wirklich wurden denn auch die Truppeni. Mai entlassen, und Don Juan konnte in Brüssel einziehen. Der Friede schiendamit hergestellt, aber Holland und Seeland verwarfen aus religiösenGründen das Edikt, Oranien warnte vor der spanischen Arglist, und derunruhige Don Juan verdarb es sowohl mit den Niederländern wie mitseinem Bruder. Er fühlte sich in seiner Stellung, in der er auf dieStände weitgehende Rücksicht nehmen mußte, nicht Wohl, bezeichnete inseinen Briefen die Niederländer als einen „Haufen allergrößter Schurken",betrieb seine englischen Pläne und dachte dazwischen an einen Einmarschin Frankreich. Von alle dem erfuhr Philipp durch Perez, mit dem Don