224 Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618). Z 134.
Einzelstaaten überlassen, doch sollte Religionssreiheit herrschen. Der Bundwar mithin sehr locker, wurde auch noch nach der bisher ausrecht erhaltenenFiktion (Z 130) „im Namen des Königs" geschlossen; trotzdem ist erdurch die Macht der Tatsachen die Grundlage des Bundesstaates der Ver-einigten Niederlande geworden.
Während ein Friedenskongreß in Köln hauptsächlich an der Forderungder Religionsfreiheit scheiterte, machte Alexander im Süden weitere Fort-schritte, wußte namentlich den Adel für sich zu gewinnen und eroberteGroningen. Das Haupthindernis weiterer Erfolge war Oranien, dem dieBürgerschaften anhingen; als die Versuche, ihn durch glänzende Au-ls.MLrzisso erbietungen zu gewinnen, scheiterten, sprach Philipp die Acht über ihn ausund versprach jedem, der ihn lebendig oder tot einliefere, 25 000 Goldkronenund den Adel. Oranien versandte darauf eine Rechtfertigungsschrist, dieUfMs"/ Nordprovinzen aber und dazu noch Brabant und Flandern erklärten ihre2« Jutt 1581 Unabhängigkeit von Spanien.
Sie gehen in ihrer Erklärung von dem Gedanken aus, daß „ein Volk nicht wegen desFürsten, sondern ein Fürst um des Volkes willen" da sei. Er sei verpflichtet, das Volk nachden „beschworenen Bedingungen" zu regieren: tue er das nicht, so hätten die Untertanen dasRecht, nach gesetzlichem Beschluß ihrer Vertreter, wenn kein anderes Mittel mehr übrig sei,ihn zu verlassen. Das sei in den Niederlanden der Fall, und deshalb erklärten die Ständeden König von Spanien jeden Anspruchs auf die Herrschaft verlustig. — Es wird hier alsodie Vcrtragstheorie aufgestellt, die später in der englischen Revolution eine so große Rollegespielt hat (Z 286), von den Philosophen der Aufklärung weiter ausgestaltet wurde (Z 361,362, 369), die Erhebung Nordamerikas gegen England (Z 406) und den Anfang der französi-schen Revolution so wesentlich beeinflußt hat (IV, Z 1).
Unsicherheit §134. Anlehnung an das Ausland. Ermordung Oraniens. WeitereErfolge Parmas. Was weiter werden würde, war freilich noch völlig unklar.Holland und Seeland sahen in Oranien ihren Oberherrn; er blieb auchRuwart von Brabant, aber zum Landesherrn wählten die Generalstaatenauf Veranlassung Oraniens, der französische Hilfe heranziehen wollte, denPrinzen Franz vonAnjou-Alenxon; Matthias von Österreich kehrte,verstimmt über die klägliche Rolle, die er gespielt hatte, nach Wien zurück.Da nun der Süden und Osten Alexander gehorchte, so zerfiel damals dasLand in drei Teile. Die Weltlage aber schien für Spanien nicht, günstig.Das eben eroberte Portugal (§ 124) war noch nicht beruhigt; in Frank-reich herrschte seit 1580 Friede mit den Hugenotten (§ 145); Franz vonAnjon verhandelte über eine Vermählung mit Elisabeth von England(§ 156): eine englisch-französische Allianz hätte die Niederlande und Por-tugal den Spaniern entreißen können. Indes Heinrich III. von Frank-reich wollte sich nicht mit Spanien überwerfen, Elisabeth war es nichternst mit der Vermählung, vor allem aber fühlte sich Franz in seinerniederländischen Stellung nicht Wohl. Das hohe moralische AnsehenOraniens war ihm eben so unbequem wie die Macht der Stände. Der!8.Märzis82 Mordanschlag aus Oranien ist ihm gewiß mit Unrecht zugeschrieben; da-gegen machte er den Versuch, durch französische Truppen sich AntwerpensJan. 1588 zu bemächtigen („französische Furie") und ein absolutes Regiment zu er-Zm,i 1583 richten. Als dieser Versuch scheiterte, verließ er die Niederlande; im nächsten10. Juni 1584 Jahre starb er. Die Folge war, daß die nordwestlichen ünionsstaatensich enger an Oranien als „Grafen von Holland" anschlössen und mit ihmeine Bundesverfassung vereinbarten, in den Mittelstaaten aber viele StädteAlexander zufielen. Bei der Zerfahrenheit, den kleinlichen Zänkereien