8 134. Drittes Kapitel: Westeuropa im Kampfe gegen das spanisch-katholische System. 225
und dem provinziellen Partikularismus der Gegner stand die SacheSpaniens unter der gewandten Leitung des als Feldherr und Staats-mann gleich bedeutenden Alexander damals sehr günstig und schien völlig zutriumphieren durch die Ermordung Oraniens. io. Junis«
Einer ganzen Reihe von Mordanschlügen war Oranien bisher glücklich entgangen; Ermordungjetzt bot sich Balthasar Gerard aus DSle in der Franche Comte, ein fanatischer Ka-tholik, dem Alexander als Mörder an; er war von Jesuiten in seinem Vorhaben bestärkt,und auch Alexander billigte den Plan. Die Ermordung eines Ketzers im Dienste der Kirchegalt ja damals, wo wie zur Zeit der Merowinger (II, 8 34) die Rechtgläubigkeit höher standals die Moral und der konfessionelle Hader die sittlichen Begriffe verwirrte, als eine Gottwohlgefällige Tat (Z 111). Gerard begab sich nach Delft, wo Oranien weilte, erklärte, ersei ein vertriebener Hugenott, und wurde von Oranien mit anderen zu Franz von Anjou nachFrankreich gesandt. Bon dort zurückgekehrt, meldete er Oranien den Tod Anjous und batdabei um einen Pah; Oranien befahl, das Schriftstück auszufertigen und begab sich zur Tafel.
Als er nach der Tafel die Treppe betrat, feuerte Gerard aus einer dunklen Nische einen Schußauf ihn ab: Oranien wurde von drei vergifteten Kugeln getroffen und starb kurz darauf.
Der Mörder wurde hingerichtet; sein Haupt ist bis zur Mitte des nächsten Jahrhundertsin Köln als Reliquie verehrt worden; seine Eltern erhielten die ausgesetzte Belohnung.
Oranien hat sein Ziel, die gesamtniederländische Monarchie, nicht erreicht, aber die Oraniensstaatliche und kirchliche Freiheit Nordniedcrlands begründet. Er war nicht frei von Ehr-geiz, aber hat doch seinen persönlichen Borteil seinen hohen Idealen untergeordnet; weitüberragte er seine Zeit, auch seine protestantischen Glaubensgenossen, durch seine religiöse Weit-herzigkeit. Wie Großes er als Staatsmann geleistet hat, wird recht klar, wenn man er-mißt, wie kleinlich der Sondergeist in den Provinzen war, wie eifersüchtig die Staaten überihre Gerechtsame wachten, wie wenig wirklicher Gemeinsinn herrschte.
Der Tod Anjous eröffnete der spanischen Politik in Frankreich glän- FpIÄmszende Aussichten, da die Guisen, um die Thronfolge Heinrichs von Bour-bon zu verhindern, sich eng mit Philipp verbündeten (Z 146); der TodOraniens schien auch die Unterwerfung der Niederlande zu ermöglichen.
Parma eroberte noch im Jahre 1584 Gent, Anfang des nächsten JahresBrüssel, Mecheln und Nhmwegen und endlich auch Antwerpen, nach- n, Aug, isssdem diese Stadt unter der Leitung des Bürgermeisters Philipp Marnixvon St. Aldegonde länger als ein Jahr der Belagerung widerstanden hatte.
Da Religionsfreiheit nicht gewährt wurde, wanderten zahlreiche Kaufleute und Hand-werker aus und haben in England und Deutschland die industrielle Entwicklung gefördert;da ferner bis 1609 die Scheldemündung von den Holländern blockiert wurde, verlor daseinst so reiche, schon durch die spanische Furie geschwächte Antwerpen seine alte Bedeutungals Handelsstadt vollständig. An seine Stelle trat vor allem Amsterdam, daneben auchHamburg (8 138, 159).
Der Süden war den Spaniern wieder unterworfen. In den Nord-provinzen ging nach Oraniens Tode die Leitung der Dinge an den Staats-rat über, an dessen Spitze der Ratspensionär (Sekretär der holländischenStaaten) Johann vanOldenbarneveldt stand; auf feine Veranlassungwurde Oraniens zweiter Sohn Moritz in Holland und Seeland mit derStatthalterwürde betraut. Zugleich sah man sich wie früher schon nach isssauswärtiger Hilfe um und bot Elisabeth von England die Oberherrschaftan; diese lehnte zwar dieses Anerbieten ab, sandte aber ihren GünstlingLeicest er mit englischen Hilfstruppen, und die Generalstaaten ernanntenLeicester zum Generalstatthalter. Indes wie Anjou geriet auch er bald r>-z. issswit den Staaten in Zwiespalt; er legte deshalb sein Amt nieder und D-,. iss?kehrte nach England zurück.
Weber-Baldamus, Weltgeschichte. L1. Aufl. HI.
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