Z 155. Drittes Kapitel: Westeuropa im Kampfe gegen das spanisch-katholische System. 257
Bothwcll ritt nach Dunbar, entwich dann nach den Orkney-Inseln und wollte in BochwellsFrankreich Zuflucht suchen, wurde aber nach Norwegen verschlagen und von den dänischenBehörden festgenommen. Die dänische Regierung verweigerte nun zwar die von derschottischen geforderte Auslieferung, hielt ihn aber zuerst in Malmö (1568—1573) und dannbis zu seinem Tode auf der Burg Dragsholm bei Roeskilde in Haft; tue Erzählung von 1578seinem Seerüubcrleben ist unrichtig.
Wenn Maria geglaubt hatte, durch ihre Trennung von Bothwell diekönigliche Macht zurückzugewinnen, so täuschte sie sich. Sie wurde alsGefangene in das inmitten eines Sees gelegene Schloß Lochleven gebracht Englandund mußte der Krone zugunsten ihres Sohnes Jakobs VI. entsagen. A.JunissiFür ihn übernahm Murr ah die Regentschaft und führte nun dieschottisch-presbyterianische Kirchenordnung endgültig durch. Indes Mariaverzweifelte noch nicht. Mit Hilfe der jungen Söhne der Schloßherrinentkam sie auf einem Kahne von Schloß Lochleven, eilte zu den Hamiltons,?- Mal isssden Führern der katholischen Schotten, widerrief ihre Abdankung undsammelte ihre Getreuen um sich. Bei Langside stießen ihre Truppen is. Mai ismauf die Murrahs; als die Schlacht gegen sie entschied, ritt Maria, umnicht wieder in die Hände der Lords zu fallen, davon, erreichte dieSolwahbucht und fuhr auf einem Boote zum englischen Ufer hinüber, i«- Mai
2. Bis zur Absendung der großen Armada.
8 155. Maria und Elisabeth (1568—1572). Von Carlisle aus bat S«g°Maria die englische Königin um Hilfe gegen die schottischen Rebellen und Eu,ab°thzum eine Zusammenkunft. Aus Elisabeth mußten bei dieser Bitte die wider-sprechendsten Empfindungen und Gedanken einstürmen. Sie war ehrlichentrüstet über die Auflehnung der Untertanen gegen ihre Königin undhätte im Interesse der königlichen Autorität die Wiedereinsetzung Mariasgern gesehen. Indes eben diese Königin war ihre gefährlichste Rivalinund wurde von den Katholiken als rechtmäßige Königin Englands ange-sehen; und gerade damals schien Alba in den Niederlanden zu siegen (H 129),
Marias Verwandte, die Guisen, einen Hauptschlag gegen die Hugenottenführen zu wollen (8 143). Sollte Elisabeth unter diesen Umständen ihregrößte Gegnerin gegen die Lords unterstützen, mit denen sie einst den vonMaria noch nicht anerkannten Edinburger Vertrag geschlossen hatte (ß 84) ?
Sollte sie ihre Feindin nach Frankreich entlassen, um ihr die Möglichkeitzu bieten, wie früher (H 83) französische Truppen nach Schottland zuführen? Es war Cecil, der die Gefahren der Lage betonte, und mansuchte aus den Schwierigkeiten herauszukommen, indem Elisabeth so langeeine Zusammenkunft mit Maria versagte, bis sich diese von der Beschuldi-gung des Gattenmordes gereinigt hätte; zugleich verweigerte man ihr gegendas Recht die Entlassung nach Frankreich.
Nur mit dem Vorbehalte, ihrer Rechte als Königin damit nichtszu vergeben, willigte Maria in Verhandlungen vor einer englischen i-chungKommission, die unter dem Vorsitz des Herzogs Thomas von Norfolk in o». isssAork zusammentrat und dann nach Westminster verlegt wurde. Als An- N°°.klüger erschien der schottische Regent Murray und brachte auch die Scha-tullenbriefe mit; indes da die von Norfolk mit dem Regenten angeknüpftenVergleichsverhandlungen scheiterten, Maria aber gegen eine wirklicheAnklage protestierte, so endigten die Konferenzen ohne Ergebnis. 3°"- ^
Maria wurde auch ferner in England zurückgehalten; allein ihre
Websr-BaldamuS, Wsltgeschichts. LI. Aufl. III