270 Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618). 8 162.
Von Medici entgegen (8 217), und so wurde eine spanisch-französischeisi 2 Doppelheirat (Ludwig XIII. mit Philipps III. Tochter Anna, Lud-wigs XIII. Schwester Elisabeth mit dem Jnfanten Philipp) verabredet.Bahnte sich damit ein gewisser Einfluß auf die französische Politik an,so beschränkte sich Lerma sonst im wesentlichen auf die Behauptung desspanischen Übergewichts auf dem Mittelmeere (1613 besiegte eine spanischeFlotte die Türken bei Chios) und in Italien. Indes es gab in Spanienauch eine Partei, die die katholische Weltpolitik Philipps II. noch nichtaufgeben wollte; zu ihr gehörten namentlich der spanische Botschafter inEingreifen Wien, Don Zuniga, sowie seine Nachfolger Castaneda und Onate. Die" Frage der Thronfolge beim Tode des Kaisers Matthias (Z 182) bot dieGelegenheit zur Einmischung; der Gedanke, die österreichischen Lande anSpanien zu bringen, wurde zwar ausgegeben, aber Onate erwirkte dochsi.Jan.i6i?vom Erzherzog Ferdinand (II.) den Geheimvertrag zu Graz, worin dieserfür Unterstützung seiner Kandidatur die Abtretung des österreichischenSundgaues zusicherte. Als dann die böhmischen Wirren ausbrachen, unter-stützte Spanien die strengkirchliche Partei am Wiener Hofe und war beimso. Jua i6i8 Sturze des einer Vermittlung geneigten Ministers Khlesl beteiligt (ß 193),Diese Erfolge einer im Geiste Philipps II. ausgreifenden Kriegs-4 . 0 «. i8i8 Partei bewirkten die Entlassung Lerma s. Philipp III. trennte sichnur ungern von ihm und übertrug seinem Sohne, dem Herzog vonUzeda, seine Ämter. Als dann Philipp III. im Gewände eines Fran-si.MiirziWi ziskaners starb, siegte die strengkatholische Kriegspartei, die auf die böh-mischen Erfolge (Z 195) verweisen konnte, vollständig.
Phmpp iv. Philipp IV. ernannte an Stelle Uzedas zuerst Zuniga und nachE^arez dessen schnellem Tode den Grafen Olivarez zum leitenden Minister.gA 164 S Dieser beherrschte den König über 20 Jahre (bis 1643) ebenso unbedingt,wie Lerma seinen Vater beherrscht hatte, und machte noch einen letztenVersuch, unter Benutzung des deutschen Krieges, der französischen undenglischen Wirren ein habsburgisch - katholisches Weltreich im SinnePhilipps II. zu gründen.
Viertes Kapitel.
Der Norden nnd Osten Europas.
VN 8 162. überschau und Vorblick. Die Geschichte der nordischenD«nem°rk Staaten wird in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zunächst be-Schweden stimmt durch den Gegensatz zwischen Dänemark und Schweden.Es ergab sich dieser Gegensatz schon aus der Lösung der Kalmarischen Union,(§ 86) in welche man in Dänemark natürlich nur ungern willigte; dazukam dann aber, daß beide Staaten nach dem ctoiniutuin inaris bal-tioi, dem Erbe der sinkenden Hanse, strebten und im engen Zusammen-hange mit diesem Streben beim Zerfall des livländischen Ordens-staates und später während des Dreißigjährigen Krieges als Rivalenauftraten.
Kam^um Wie früher gesagt, sind die Hanse und der Deutsche Orden die Ver-treter der deutschen Ostseeherrschaft gewesen (II, 8 298): ungefähr gleichzeitigerreichten beide den Höhepunkt ihrer Macht (II, 8 301,302), ungefähr gleich-zeitig begann bei beiden der Rückgang (II, 8 319, 320). Von den bisherbeherrschten, nunmehr erstarkenden Staaten sind an dem Kampfe gegen