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Viertes Kapitel: Der Norden und Osten Europas.
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die Hanse im 16. Jahrhundert vorwiegend Dänemark und Schweden be-teiligt; um Livland, den nach der Säkularisation Preußens (H 47)verbliebenen Rest des Ordensstaates, rangen außer diesen beiden auch Polenund Rußland. Polen wollte dabei seinen Eroberungszug zu den Küstender Ostsee (II, ß 319) fortsetzen, und auch der neurussische Staat (II, 8 374)drängte zum Meere. An der Gewinnung dieser baltischen Provinzen hingzugleich die Vorherrschaft im östlichen Teile des baltischen Meeres. Dererste Kampf führte zu einer Teilung der umstrittenen Lande, bei derRußland schließlich leer ausging.
Eine folgenschwere Wendung für Nordosteuropa trat dann ein, als WoM-die jesuitische Gegenreformation in Schweden und Polen ein- dolitikdrang und die polnische Krone dem zum Katholizismus übergetretenenschwedischen Thronerben zufiel. Durch die Verbindung Schwedensund Polens unter einem König schien sich eine den Nordosten Europasbeherrschende, den katholischen Interessen dienende Macht zu bilden. Indes G-gn-r:der schwedische Nationalstaat war am Anfang des 16. Jahrhunderts ent- Sch>»°d°>standen durch Lossage von einem mächtigeren Nachbarstaat (Dänemark)und durch Einführung der Reformation: jetzt war Schweden wieder aneinen solchen Nachbarstaat (Polen) gefesselt und sah außerdem seinen pro-testantischen Glauben bedroht. Das widersprach mithin dem innerstenWesen dieses Staates, und so erhob sich, gestützt aus nationale undreligiöse Kräfte, die jüngere Linie des Hauses Wasa undgewann die schwedische Krone. Die ältere, in Polen regierende, wolltediese Usurpation natürlich nicht anerkennen, und so verschärfte sich derGegensatz zwischen Polen und Schweden: hatte er bisher aufdem Kampfe um Livland beruht, so erhielt er nun auch einen dynastischen,nationalen und religiösen Charakter. Die polnischen Wasas kämpften abernicht nur gegen Schweden für ihre Thronrechte; sie griffen auf der anderenSeite beim Aussterben der Ruriks auch nach Rußland hinüber. Indem 2 . Rußlandsie dabei zugleich als Vorkämpfer des Katholizismus sowohl gegen denschwedischen Protestantismus wie gegen die russische Kirche auftraten, ge-wann ihre katholisch-polnische Machtpolitik für den NordostenEuropas eine ähnliche Bedeutung wie die spanisch-katholische Philipps II.für den Süden und Westen. Aber wie die spanisch-katholische, so scheiterteauch die polnisch-katholische: in Rußland erlangte die nationale Dynastieder Romanows den Thron, in Schweden behauptete sich die jüngere Linieder Wasa. Während aber jene zunächst nicht daran denken konnte, nachaußen auszugreisen, sondern zufrieden sein mußte, die gefährdeten natio-nalen Grundlagen des Staates (Zarentum und russische Kirche) zu er-halten, erhob diese Schweden zur europäischen Großmacht. Auchhierbei verbinden sich die politischen mit den religiösen Kämpfen. Gustav st-llungAdolf schließt Rußland ganz von der Ostsee ab, gewinnt die baltischen^efitzungen Polens und greift in den Dreißigjährigen Krieg ein; er trittdamit als Vorkämpfer des Protestantismus auf, setzt aber zugleich denKampf um die Ostseeherrschaft und die Rivalität mit Dänemark und^poleu fort. Als Ergebnis gewinnt Schweden die baltischen BesitzungenDänemarks und die wichtigsten deutschen Häfen an der Nord- und Ostsee:aamit ist es die führende Macht im Nordosten Europas geworden. Derhierdurch besiegelte Niedergang Polens und Dänemarks hängt auch damitZusammen, daß in beiden Ländern die Königsmacht durch den Adel sehr