8 168.
Viertes Kapitel: Der Norden und Osten Europas.
279
Das Wort Kosak (nach russischer Schreibung Kasak) bedeutet im Tatarischen Kosak»einen freien, leicht bewaffneten Reiter, im Türkischen einen Räuber und ist vielleicht ent-standen aus dem Namen des im 10. Jahrhundert am Ostrande des Schwarzen Meereswohnenden Volksstammes der Kossogen. Die Tataren bezeichneten als Kosaken die Völker-reste, welche im 14. Jahrhundert vor ihnen fliehend in den weiten Steppen vom Dnjeprbis zum Ural sich ihre Freiheit bewahrten. Die am Dnjepr wohnenden ukrainischen(Ukraine — Grenzland) und saporo zischen (sa xorogi — jenseits der Stromschnellen,nämlich des Dnjepr) Kosaken, die unter einem selbstgewählten Hauptmann (poln. Hetman,russ. Ataman) ein kriegerisches Gemeinwesen bildeten, wurden von dem polnischen KönigeSigismund I. in ihrer militärischen Verfassung anerkannt und dienten den Polen in denKämpfen gegen Türken, Mongolen und Russen. — Östlich davon wohnten die Donkosakenund die Wolgakosaken, die in der russischen Geschichte eine Rolle gespielt haben.
Im Innern Polens entwickelte sich die Macht des Adels in der Ad-lsmachtfrüher geschilderten Richtung (II, § 371, 372) weiter; durch die LublinerUnion wurden die Vorrechte des polnischen Adels auch auf den litauischen über-tragen. Der hohe und niedere Adel (die Szlachta) bildete die „Nation" undwählte auf den Landtagen der Woiwodschaften die „Landboten" für den Reichs-tag; neben den Landboten stand der aus den hohen Beamten und Geistlichenbestehende Senat. Die seit dem dreizehnten Jahrhundert entstandenen deutschenStädte waren im Verfall; seit dem Adelsprivileg von 1386 waren die Bürgervon allen Ämtern und von den Landtagen ausgeschlossen. Einen polnischenBürgerstand gab es nicht, dem Adel war jedes bürgerliche Gewerbe verboten,und der Handel ging über an die Juden. Die Bauern waren leibeigen.
Eine Hebung des Bürger- und Bauernstandes hätte hier, wie anderswo, Reform»«»;,vielleicht durch den Sieg der Reformation eintreten können, wenn eben derBürgerstand noch kräftig genug gewesen wäre sie durchzuführen. Vorbereitetwurde die Reformation auch in Polen durch den Humanismus, der anGregor von Samok, Erzbischof von Krakau, einen Förderer fand, und dem die t it??Universität Krakau, wo auch Konrad Celtes wirkte (Z 19), einen glänzendenAufschwung verdankte. Das Luthertum fand dann Eingang vorwiegend in dendeutschen Städten; etwas später gewann der Calvinismus unter dem AdelAnhänger, zugleich wurden Gemeinden böhmischer Brüder begründet, wie dennschon früher der Hussitismus mit Polen angeknüpft hatte (II, Z 311). Dabeiübernahm nun die Szlachta die Führung, nicht aus nationalen Gründen —die polnische Geistlichkeit fühlte stets mehr polnisch als römisch und wurde nachdem Konkordat von 1525 vom König eingesetzt —, auch nicht in erster Linieaus religiösen Motiven, sondern weil er hoffte, mit Hilfe der Reformation auchnoch die Macht der Kirche brechen und sich auf deren Kosten bereichern zukönnen. Während der streng katholische Bischof von Ermland, StanislausHosius, scharfe Maßregeln zur Erhaltung des Katholizismus forderte, verlangteder polnische Reichstag u. a. die Priesterehe, das Abendmahl unter beiderlei isssGestalt und ein Nationalkonzil; für ein weitherziges Christentum wirkte auchder 1556 in seine Heimat zurückgekehrte calvinistisch gesinnte Johann Lasky,der einem der angesehensten Adelsgeschlechter angehörte. 1563 wurde die Duldung i4sg-is6oaller Konfessionen ausgesprochen und auf der Synode von Sandomirschloffen sich dann die Lutheraner, Reformierten und böhmischen Brüder zu w?oeinem Glaubensbekenntnisse zusammen (eonssnsns Ksnckoinirionsio), dessen unbe-stimmte Formeln der Deutung im Sinne der Sonderbekenntnisse Raum ließund doch eine Einheit gewährleistete. Damit war die Reformation, der etwadie Hälfte des Adels anhing, in aussichtsreiche Bahnen geleitet. Abseits davon umtarierstanden die Antitrinitarier (Unitarier), die die Dreieinigkeitslehre ver-warfen.
Zu den bekanntesten Vertretern der ungarischen Anschauung gehörten außer MichaelServet (Z 75) Lelio Sozini und sein Neffe Fausto Sozini, beide aus Siena. Wie ^Sozv«andere dem Katholizismus entfremdete Italiener (Z 114) verließen sie ihre Heimat, um dies- ^ Sozinileits der Alpen einen Wirkungskreis zu suchen; Lelio weilte vorübergehend in Polen, Fausto i;gg—isg 4