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Dritter Band.
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8 176. Fünftes Kapitel: Deutscht, v. Augsb. Religionsfrieden bis z. Dreißigjähr. Kriege. 293

Domkapiteln zu Administratoren gewählt wurden. Aber auch in den katholischbleibenden Stiftern gab es zahlreiche Protestanten, für die man die Geltung derFerdinandeischen Deklaration beanspruchte, und selbst nach Bayern und den Habs-burgischen Landen drang der neue Glaube. In den deutsch-österreichischenLanden mit Ausnahme von Tirol machte der Protestantismus gewaltige Fort-schritte; in Ungarn sollen schließlich nur noch drei Magnatenfamilien katholischgewesen sein; in Siebenbürgen wandten sich besonders die „Sachsen" derneuen Lehre zu, die seit 1533 in Johann Honter aus Kronstadt einen begeistertenVerkündiger gefunden hatte. Die große Selbständigkeit, die die Ständeder Habsburgischen Lande dem Landesherrn gegenüber beanspruchten, kam derReformation sehr zustatten, wie anderseits diese Selbständigkeit gerade durch denÜbertritt zur neuen Lehre gesteigert wurde.

Dieses numerische Übergewicht des Protestantismus wurde ergänztdurch die geistige Überlegenheit, die ihm seine Universitäten (Wittenberg,

Leipzig, Jena, Marburg, Rostock, Heidelberg, Tübingen) und Schulengaben. Berücksichtigt man noch die Gesinnung Maximilians, so wird manWohl sagen dürfen: es schien damals nicht ganz unmöglich, daß Deutsch-land doch noch des Segens einer einheitlichen nationalen Kirche teilhaftigwerden konnte. Indes die Gunst des Augenblicks ist nicht ausgenutztworden, und daran waren nicht zum wenigsten schuld die theologischenStreitigkeiten innerhalb des Protestantismus und die damitzusammenhängende, wenn auch nicht allein daraus hervorgehende Un-einigkeit der evangelischen Fürsten.

Luther war am größten gewesen, als er das Recht der persönlichen Über-zeugung der Autorität von Staat und Kirche entgegensetzte (§ 29, 34); als k-u-n

er dann eine neue Kirche aufbaute, hatte er für sie neue Normen aufstellenmüssen und sich dabei gegen die Schweizer durchaus ablehnend verhalten (Z 49).

Nach seinem Tode gewann der friedfertige Melanchthonin Wittenberg größerenEinfluß und suchte eine Annäherung sowohl, an die Katholiken wie an die Re-formierten herbeizuführen. Demgegenüber wurde nun die 1548 gegründete, 1558^öffnete Universität Jena, namentlich durch Flacius Jllyrikus (MatthiasVlacich aus Albona in Jllyrien), der Sitz des strengen Luthertums; neben ihmwaren besonders eifrige Lutheraner Nikolaus von Amsdorf (ß 59), JoachimWestphal in Hamburg und Tileman Heßhus in Bremen. In den gröbsten undgehässigsten Formen wurde der Streit geführt, und auch als Melanchthonig.Apriiissostarb und Flacius abgesetzt wurde, blieben die Gegensätze bestehen. Die „Wut ismoer Theologen" (rubiss tbsoloAoruw), von der der sterbende Melanchthon sprach,berührt um so peinlicher, als sie dem erhabensten Grundsätze des Protestantis-mus, dem Recht der persönlichen Überzeugung, entgegengesetzt war.

Hauptgegenstand des Streites war die Abendmahls- und die Rechtfertigungs-ühre. Melanchthon hatte schon 1540 in die Augsburgische Konfession eine Luthers undCalvins Lehre versöhnende Formel eingesetzt und im Interim (§ 68) den Katholiken Zu-Mändnisse gemacht, indem er gewisse Zeremonien als gleichgültige Dinge (Adiaphora, Mittel-dinge) bezeichnete. Gegen beides erhob sich der heftigste Widerspruch der Lutheraner (Adia-bhoristischer Streit, Kampf für die unveränderte Konfession). Die Lutheraner^stritten auch die Ansicht Melanchthons, daß zur Rechtfertigung außer der göttlichen Gnadewich der Wille des Menschen mitwirke (synergistischer Streit); gegen den Wittenberger^heologen Georg Major, der die guten Werke als nötig zur Seligkeit erklärte, behauptete^Msdorf sogar, daß sie zur Seligkeit schädlich seien (majoristischer Streit).

Standen diese theologischen Zänkereien in Wechselwirkung mit dem fZMGegensatz der Albertiner und Ernestiner, so zeigte sich eine solche gegen- UKN,Witige Beeinflussung kirchlicher und politischer Gegensätze auch in den Be- »-Kurpfmzüehungen zwischen Kurpfalz und Kursachfen; feit dem Übertritt zumCalvinismus vertraten die Kurfürsten von der Pfalz eine tatkräftige iZW