294 Zweites Buch: Zeitalter der Gegenreformation (1555—1618). H 177.
protestantische Politik, während der lutherische Kurfürst von Sachsen einerkonservativen Friedenspolitik zuneigte.
Beim Beginne der Reformation hatte in Hessen eine gewisse Hinneigungzu Zwingli bestanden (Z 45); noch stärker war diese in einigen süddeutschenÄch (E> Reichsstädten gewesen (Z 52). Nun faßte in der Pfalz (Z 311), wo OttheinrichIS5S-IS5S „och dem Luthertum zugetan gewesen war, unter dessen Nachfolger Friedrich III.K^drichni. dxr Calvinismus Fuß. Bald nach dem Naumburger Fürstentage von 1561,auf dem man vergebens an einem Ausgleich der theologischen Streitigkeiten ge-arbeitet hatte, trat Friedrich III. offen zum Calvinismus über und ließ dannisssim Heidelberger Katechismus die Lehren der reformierten Kirche fürsein Land formulieren. Um dieselbe Zeit siegte durch den Bürgermeister Danielvon Büren auch in Bremen der Calvinismus. Friedrich III. geriet durchseinen Übertritt zum Calvinismus in einen Gegensatz zu den lutherischen Fürsten,auch zu Christoph von Württemberg (H 311), der mit ihm der Vertreter einerenergischen protestantischen Politik war; indes vereitelten die lutherischen Fürstendoch die auf dem Augsburger Reichstag von 1566 hervortretende Absicht Maxi-milians, Friedrich III. von dem Religionsfrieden auszuschließen.
8 177. Grumbachsche Händel «nd Kryptocalvinismus. Auf deranderen Seite gelang es Friedrich III. aber nicht, die protestantischenFürsten zu einem engeren Bunde und zu einem Eingreifen in dieniederländischen und französischen Kämpfe zu bestimmen; erfand dabei eine gewisse Unterstützung nur bei Wilhelm IV. von Hessenund mußte sich daraus beschränken, seinem Sohne Johann Kasimir dieTeilnahme an den Hugenottenkriegen zu gestatten (§ 143). Der Kaiseris68 war seit dem Tode des Don Carlos und der Vermählung seiner Tochter^Sachsm" Anna mit Philipp II. jeder antispanischen Politik abgeneigt. KurfürstI853-IS86 August von Sachsen aber hat zwar durch eine treffliche Verwaltungund durch wirtschaftliche Tätigkeit sein Land sehr gehoben (§ 71), besaßjedoch nicht die staatsmännischen Eigenschaften, die für eine groß ange-legte auswärtige Politik nötig waren.. Moritz von Sachsen hatte mitHilfe des Kaisers die Kurwürde erlangt, hatte aber dann mit dem Kaisergebrochen und die Führung der Fürsten und des Protestantismus gegenden Kaiser übernommen (H 69): das entsprach der Stellung, die Kur-sachsen seit Beginn der Reformation gewonnen hatte. August war nichtimstande, diese Politik fortzusetzen. Die Besorgnis vor den Ernestinern,die die Hoffnung auf Wiedergewinnung der Kurwürde noch nicht aufge-geben hatten, brachte ihn zur Anlehnung an das Haus Habsburg, undin dieser Haltung wurde er durch dieGrumbachschen Händel bestärkt.
brumbach- Aus zwei an sich ganz verschiedenen Ursachen sind diese Händel entstanden. Der frän-e tz n ei EisHb Ritter Wilhelm von Grumbach, ein Genosse des Markgrafen Albrecht (8 71),hatte seine würzburgischen Lehen eingebüßt und wollte sie mit Gewalt zurückgewinnen; zu«gleich meinte er, wie einst Sickingen (Z 37), die Sache des sinkenden Rittertums gegen dasFürstentum vertreten zu können. Da seine Leute den Bischof Melchior Zobel von Würz-I8S8 bürg, dessen er sich bemächtigen wollte, töteten, nahm er zunächst französische Kriegsdienste:dann trat er in die Dienste des Herzogs Johann Friedrichs des Mittleren vonSachsen. Dieser strebte (und das ist die zweite Ursache der Wirren) nach Wiedererlangungder seinem Vater genommenen (Z 64) Kurwürde und ließ sich durch Grumbach und einenSchwindler Hans Müller (Tausendschön), der behauptete, durch den Verkehr mit Geistern indie Zukunft sehen zu können, zu den kühnsten Hoffnungen verleiten. Er rechnete dabei aufisss französische und schwedische Hilfe. Zunächst überfiel Grumbach die Stadt Würzburg und zwangden Bischof zur Herausgabe seiner Güter. Dafür traf ihn die Reichsacht; und da Johannwog Friedrich ihn trotzdem schirmte, wurde auch dieser schließlich geächtet. Die Ausführung derAcht wurde dem am meisten Bedrohten, dem Kurfürsten August, übertragen. Als dieserGotha mehrere Monate belagert hatte, empörten sich die eigenen Truppen und Bürger gegen