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Dritter Band.
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850 Drittes Buch: Ende der spanisch-katholischen Vorherrschaft (1618—1660). Z 208.

darauf an, ob der Kaiser auf die Dauer au der Politikseines Feldherrn festhalten oder ob er schließlich den entgegen-gesetzten Einflüssen nachgeben würde. Hierfür wurde maßgebend vor allemdie Aufstellung der Bedingungen des Friedensschlusses, das Eingreifender böhmischen Emigranten (Thurn, Kinskh), die Abhängigkeit des Kaisersvon der spanischen Politik, die Unzufriedenheit des Kaisers mit Wallen-steins Kriegführung und seine wachsende Mißstimmung über die Ohnmacht,zu der er vertragsmäßig seinem Feldherrn gegenüber verurteilt war. Liehdann der Kaiser den Gegnern Wallensteins sein Ohr, so kam es weiterdarauf an, ob dieser die Absicht und die Macht haben würde, den Kaiserzu seiner Politik zu zwingen oder diese auch gegen den Kaiser durchzusetzen.Die Entwicklung, die sich aus alle dem ergab, hat zu vielen StreitfragenAnlaß geboten; wir suchen dem heutigen Stande der Forschung zu folgen,doch ist noch manches unsicher.

Miirz ISA» Bei den ersten Verhandlungen in Leitmeritz, die ohne Teilnahme Wallensteins imNamen des Kaisers mit Sachsen geführt wurden, entstand eine Differenz über die Be-handlung Böhmens. Der Kaiser war geneigt, für das Reich Religionsfreiheit zu ge-währen und das Restitutionsedikt aufzuheben, lehnte aber entschieden ab, die in Böhmendurchgeführte Reaktion rückgängig zu machen, d. h. die dortigen Rebellen in ihren früherenStand wieder einzusetzen. Damit traten als wichtiger Faktor die Bestrebungen der vornGrafen Thurn geführten böhmischen Emigranten hervor, die mit Schweden enge Be-End° April Ziehungen unterhielten und nun durch Sesyma Raschin mit Wallenstein anknüpften. VonErste Ver- ihnen, nicht von Wallenstein, ging der Gedanke aus, Böhmen wieder in ein Wahlreich zuWalleilstÄns verwandeln und Wallenstein die Krone Böhmens zu verschaffen; dadurch wollten sie denFeldherrn für ihre Pläne gewinnen und ihn bestimmen, sie auch gegen den Kaiser durchzu-setzen; sie hielten aber ein solches Lockmittel für nötig, weil ihre Pläne an sich geeignetwaren, Wallensteins durch die Erwerbung der Rebellengüter begründete böhmische Stellungzu gefährden. Wallenstein, damals gereizt durch die geplante Absenkung Ferias (siehe oben),die den Znaimer Abmachungen widersprach, ging zwar auf diesen Gedanken nicht ein, dener als „ein groß Schelmenstück" bezeichnete, knüpfte aber doch durch die Emigranten (denschwedischen Generalmajor Bubna) mit Oxenstjerna an, während die Emigranten auchmit dem französischen Gesandten Feuquitres über diese Pläne verhandelten.

Inzwischen wandte sich Wallenstein nach Schlesien, wo die Sachsen unter Arnim undein schwedisches Korps unter Thurn standen. Er schloß mit Arnim Waffenstillstand undJun, verhandelte mit ihm über den Frieden; dabei handelte er an sich durchaus im Ein-vernehmen mit dem Kaiser; bedenklich war nur, daß er sich bereit erklärte, auch in Böhmenden Zustand von 1618 wiederherzustellen, was den Absichten des Kaisers sicher nicht ent-sprach; bedenklich konnte auch sein, daß er andeutete, man müsse „mit vereinten Kräften"denjenigen entgegentreten, „so sich unterfangen sollten, den statnw imxsiii noch weiter zuturbieren und die Freiheit der Religion zu hemmen". Damit waren sicher die Schwedengemeint; es konnte aber außerdem auch der Kaiser hierunter begriffen werden. Arnimkonnte jedoch den sächsischen und brandenburgischen Kurfürsten für diese Gedanken nichtgewinnen, da man Wallenstein nicht traute. Ein ähnliches Mißtrauen veranlaßte Oxen-stjerna, mit dem inzwischen Bubna verhandelt hatte, vor allem anderen erst Wallensteinsoffenen Abfall vom Kaiser zu fordern; davon wollte nun aber wieder Wallenstein nichtswissen. So brach er alle Verhandlungen, sowohl die mit Sachsen gesührten, alsdie mit Schweden zugelassenen, ab uüd ließ Sachsen, wohl um es gefügig zu machen, durchJuli einen Streifzug des Generals Holk furchtbar verheeren.

Haltung des Nun aber mußte er erkennen, daß seine Gegner allmählich beim Kaiser mehr Ein-" " flnß gewannen. Maximilian verlangte immer wieder, Wallenstein solle das von Bern-hard von Weimar bedrohte Bayern decken; Wallenstein tat das nicht: er erklärte, daß Bern-hard es eigentlich auf Böhmen abgesehen habe, und daß ein Friedensschluß mit Sachsen Bayernretten würde. Weiter protestierte Wallenstein gegen das Erscheinen eines spanischen HeercSin Deutschland und weigerte sich, dem Herzog von Feria (siehe oben) Hilfstruppen zu senden;er wollte, wie gesagt, einen Konflikt mit Frankreich vermeiden. In beiden Fällen konnteer sich auf den Znaimer Vertrag berufen. Trotzdem genehmigte der Kaiser den EinmarschFerias, allerdings mit der Weisung, daß er sich Wallenstein unterordnen solle, und sandteAugust den Grafen Schlick zu Wallenstein, um ihm die Forderungen Maximilians zu übermitteln