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Dritter Band.
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8 217. Zweites Kapitel: Aufschwung Frankreichs, der Niederlande u. Großbritanniens. 365

Kampf gegen HabsLurg wiederaufzunehmen, als er dem Dolche Ravaillacserlag (8 149 ). Sein Sohn und Nachfolger L u d w i g XIII. war erst neunJahre alt; gestützt auf die Vorgänge bei der Thronbesteigung Karls IX.

(8 141 ), bemächtigte sich auf Grund eines Parlamentsbeschlusses seineMutter Maria von Medici der Regentschaft. Unzufrieden damit war MediciPrinz Heinrich (II.) von Conde, der als nächster männlicher Verwandter(Stammbaum 2) selbst die Regierung beanspruchte. Mit ihm verbandsich der hohe Adel, der unter Einschränkung der monarchischen Gewalteine fürstliche Unabhängigkeit, insbesondere für die Provinzialgouvernenre,erstrebte. Erbitterung erregte auch der Einfluß, den Marias Jugend-freundin Leonore Galigai aus Florenz und deren Gemahl ConeinoConcini am Hofe übten. Die Regentin suchte durch reiche Geschenkeund Jahrgelder den Adel zu beruhigen, führte ein glänzendes Hoflebenund wandte auch Concino große Reichtümer zu. Diese Verschleuderungder Staatsgelder bestimmte den Minister Sully, der sein Lebenswerk(8 149 ) vernichtet sah, in einem stolzen Schreiben Abschied zu nehmen Ja», isnvon dem „Tempel der Göttin Moneta" und sich auf seine Güter zurück- t-22.D-z.1s41zuziehen. Wie im Innern, verließ aber Maria auch nach außen diePolitik ihres Gemahls. Persönlich streng katholisch, gab sie die Ver-bindungen mit den protestantischen Mächten (8 149 ) auf und suchteAnschluß an Spanien: es wurde eine Doppelheirat verabredet zwischenLudwig XIII. und Anna, der Tochter Philipps III., und zwischenLudwigs Schwester Elisabeth und dem Infarkten Philipp (IV.).

Diese Annäherung an Spanien machte die Hugenotten um so mehr be-sorgt, als Maria auch sonst aus ihrer Abneigung gegen sie kaum einHehl machte.

Bei der herrschenden Mißstimmung gelang es Conde, eine Adels- Ja», isnkoalition zu bilden, und die Regentin gab deren Forderung nach Be-rufung der Reichs stände (Stats ^nSiaux) Kurz nach der

Vvlljährigkeitserklärung des Königs traten so zum letzten Male vor21.D-z.1s14der großen Revolution die Reichsstände zusammen; mannigfacheResormvorschläge wurden gemacht, doch führten die Beratungen zu keinemErgebnis.

Die Stände zerfielen nach alter Weise (II, 8 278) in die drei Kurien des Klerus,Labs-Reichs-des Adels und des dritten Standes; die Zahl der Abgeordneten betrug 140, 132 und °W2, doch hatte jeder Stand für die Schlußentscheidung das gleiche Gewicht. Bei den Reform-forderungen gingen nun die Interessen der Stünde weit auseinander. Der Adel verlangtedie Aufhebung der Paulette und des Ämterkaufs, wodurch die aus dem Bürgerstand hervor-gegangen uodlssss äs rode entstanden war (8 149), der dritte Stand die Herabsetzungder Taille und Abschaffung der an den Adel gezahlten Pensionen und Geschenke. Weiterforderte der dritte Stand ein neues Staatsgrundgesetz, wonach der König souverän seinund niemand das Recht haben sollte, die Untertanen des Treueides zu entbinden. Dasomit der dritte Stand einerseits den Interessen des Adels, anderseits den Anschauungen derpapistisch-jesuitischen Partei entgegentrat, so vereinigten sich Klerus und Adel gegen ihn undberhinderten einen gemeinschaftlichen Beschluß: die „Cahiers" (Wünsche) der Stände wurdendem König gesondert überreicht. Unter den Abgeordneten vertrat Richelieu, Bischof von^uxon, besonders lebhaft die Ansichten des Klerus, Robert Miron aus Paris die des drittenStandes; er deutete an, daß die Nation aus ihrer unerträglichen Lage nur durch ein Bünd-Uts zwischen Krone und Volk befreit werden könne, und daß die Bedrückten leicht einmaluus Amboß zum Hammer werden könnten. Zwei Zeitalter, sagt Ranke, erhoben hier ihreStimme: „neben der hierarchischen Vergangenheit das Brausen einer demokratischen Zn-Nnft"; zugleich regte sich der auch sonst als richtig bewährte Gedanke, daß das Königtumre Stütze der Schwachen sein und seine Stärke in der Masse des Volkes gegen die Privi-