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Fünftes Kapitel: Literatur von 1618 bis 1660. Knnst des Barocks.
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1576—1618
A. Pozzo1612—170S
blieben an den hergebrachten Formen des Kunstgewerbes haften, die den Bauwerken einenkleinlichen Anstrich gaben. Dies erleichterte dem italienischen Barock den Eingang in Süd-deutschland und Österreich, während im Norden Deutschlands die holländischen ArchitektenFuß faßten. Eine andere Wandlung betrifft die Auftraggeber; Bauherren sind nach demKriege nicht wie im vergangenen Jahrhundert das wohlhabende Bürgertum und die Städte,sondern meist reiche Mönchsorden oder geistliche und weltliche Fürsten („Furstenbarock").
Vor dem Kriege baute Santino Solari den Salzburger Dom (1614 bis 1628). In Solar!München war bereits (1583—1597) die Michaeliskirche, deren große Giebelfassade in Stock-werke geteilt und in vierzehn Nischen Statuen römischer und deutscher Kaiser zeigt, für dieJesuiten errichtet worden, während die Theatiner Hofkirche (1661 bis 1675), ein Kuppelbaumit prächtigem Jnnenraum, erst hundert Jahre später (1775) die nach Osten gekehrte Fassadeerhielt. Andrea Pozzo ist der Erbauer der Wiener Universitätskirche und der KircheS. Martin in Bamberg, Carls Bibbiena der Schöpfer des Opernhauses in Bayreuth. E-^Bibbiem
Nach dem Kriege erwacht auch der nationale Barock zu neuem Leben. Seine erste große 'architektonische Leistung ist die Stiftskirche S. Lorenz in Kempten (1652—1666). Der Schau-platz seiner Tätigkeit ist vor allem Österreich, unter Leopold I., Joseph I. und Karl VI-,sein Hauptvcrtreter Johann Bernhard Fischer von Erlach d. Ä-, der sich in Roman den Werken Berninis und Borrominis bildete. In Wien wurde er Lehrer Josephs I. isso-iissund Architekt des Hofes: Kirche S. Karl Borromäus (ovaler Kuppelbau mit antikisierterFassade zwischen zwei schlanke», der Trajanssüule in Rom ähnelnden Glockentürmen; imGrundriß wiederholt an der Pfarrkirche S. Peter am Graben), Entwurf für das LustschloßSchönbrnnn bei Wien und für den Neubau der Hofburg: Winterreitschule, an der sichitalienische und französische Motive verwendet finden, ehemaliges Palais Trantson in Wien,Hofbibliothek mit Kuppelsaal, Palast Clam-Gallas in Prag. Neben ihm wirkten Lukasvon^-Hildebrand (Lustschloß Belvedcre in Wien für Eugen von Savoyen auf der Höhe der i6ss—17MWiedener Vorstadt, Palais Liechtenstein in der Bankstraße) und Dominik Martinelli,D.Marti>>ellider das Palais Liechtenstein in der Roßau erbaut. In Prag entfaltet die Architektenfamilie ^Dinzenhofer eine besonders fruchtbare Bautätigkeit. Ihr Haupt, KilianJgnazDinzen-Hof er, Schüler Fischers von Erlach, baut sich sein Wohnhaus im Barock Ludwigs XIII. isso- 1752mit Nohbauflächen und Hausteinen, in Borrominis Weise die Kirchen S. Nikolaus,
S. Thomas und S. Johann in Scalca. Christoph Dinzenhofer erbaut mit seinemBruder Leonhard S- Margaret und Brevnow bei Prag und Kloster Bany bei Koburg, isss-1722Johannes Dinzenhofer Dom und Schloß von Fnlda. Jakob Prandauer ist der E. ZuccaliSchöpfer des Klosters Melk, Enrico Zuccali erbaut die Theatiner Kirche in München. ^ Pran-Die Gebrüder As am leiten den Umbau des Freisinger Doms und bauen die Kirche S. Johann dauerNepomuk in München; der talentvolle und selbständige, aber phantastische Johann 41727Balthasar Ncnmann (Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen bei Lichtenfels, Schloßkapellein Würzburg, Schloß in Bruchsal) geht schon zum ausgeprägten Rokoko über.
Im Norden beginnt 1694 der Holländer Johann Arnold N er in g unter dem GroßenKurfürsten den „holländisch-palladiesken" Bau des Berliner Zeughauses, das durch Schlüterund Jean de Bodt sein malerisches Gepräge erhält, dagegen vertritt der geniale Bildhauer undArchitekt Andreas Schlüter den ausgesprochenen Barockstil. Von ihm rührt dieNördliche und südliche Fassade, sowie der innere Hof (mit doppelter Arkadenreihe) desBerliner Königsschlosses her, dessen Rittersaal und Paradekammern ebenfalls Schlüter ihrePrachtvolle Ornamentierung verdanken, ferner das v. Kameckesche Haus, das ehemaligePalais Wartenberg (die spätere alte Post, jetzt abgebrochen) und die Kanzel der Marienkirche.
Als der von ihm entworfene schlecht gegründete Münzturm wieder abgebrochen werden mußte,wurde (1706) sein Rivale Eosander von Goethe (aus dem schwedischen Gotland gebürtig, Eosandsrdaher „Goethe") zum Leiter des Schloßbaus ernannt; von ihm stammt der Westflügcl mit ^ 0 — 1 ,Wdem Hauptportal (nach der Schloßfreiheit), das er dem Severusbogen in Rom nachbildete.
Dresden erhielt durch Matthäus Daniel Poeppelmann, den Vollender des^deutschen Barockstils, seinen malerischen Zwinger, einen von sechs Pavillons und Zwischen- 16W-173Sgalerien gebildeten Prunkhof, in dem eine unerschöpfliche Fülle genial-phantastischer Ornamentikoriginelle Bildung mit weisester Anordnung vereinigt; obwohl die Galerien auf französischeVorbilder und die Portalkuppeln auf indische Modelle deuten, für die August der StarkeMie gewisse Vorliebe zeigte, so ist doch das Ganze aus dem Geiste seines Urhebers geboren.
on ihm und Jean de Bodt wurde auch das Japanische Palais für den Grafen Flemming"richtet; Longuelune fügte später das Hauptrisalit (in Pariser Geschmack) an die Front an.
Nr?,? dähr ist der Erbauer der Frauenkirche, von quadratischem Grundriß, des berühmtenorvildes eines großen protestantischen Gotteshauses, dessen Kuppelbau sich ähnliche Be-rnken und Hindernisse entgegenstellten wie einst bei Brunelleschis Kuppel von S- M. del