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Viertes Buch: Das Zeitalter deS Absolutismus (1660—1740).
Z 270.
Hollands Es galt nun, den bevorstehenden Krieg in ähnlicher Weise wie denersten durch Isolierung des Gegners vorzubereiten. Dazu mußte vorallem die Tripelallianz gesprengt werden. Karl II. von England hattesie nur ungern geschlossen; er neigte persönlich zu Frankreich und suchtefür seine absolutistischen und katholisierenden Pläne (Z 284) dort, woAbsolutismus und Katholizismus herrschten, einen Rückhalt, auch gegenden zu erwartenden Widerstand seines Volkes. Als nun Ludwig seineSchwägerin Henriette von Orleans (8 275), eine Schwester Karls, nachEngland sandte, kam durch deren Vermittlung der Vertrag von DoverJuni 1870 zustande, in dem Karl gegen jährliche Subsidien von 3 Millionen LivresKriegshilfe (50 Schiffe und 4000 Mann) gegen Holland zusagte. BeiHenriettens Abreise blieb ihre Hofdame Louise von Queronaille in Englandzurück, die das Herz des leichtfertigen und charakterlosen Karl gewonnenhatte und, als dessen Maitresse zur Herzogin von Portsmouth erhoben(Z 284), fortan im Interesse Frankreichs und des Katholizismus wirkte.2 ^Schwede» Auch der andere Teilnehmer der Tripelallianz, Schweden, wurde für^ Frankreich gewonnen; es verpflichtete sich gegen Zusicherung reichlicherSubsidien mit 16000 Mann die deutschen Reichsfürsten anzugreifen, dieetwa Holland unterstützen würden.
Lothringens Wie durch diesen Vertrag, so suchte Ludwig sich auch sonst gegenDeutschland zu decken. Unter dem Vorwand, der Herzog Karl IV. habeder Tripelallianz beitreten wollen, ließ er 1670 Lothringen besetzen.Dieser widerrechtliche Gewaltstreich, der aber Ludwigs militärische Stellungsehr verbesserte, erregte in Deutschland viel Unwillen. Indes Ludwig standmit mehreren deutschen Fürsten in Beziehungen, die zu Bündnis- oderNeutralitätsverträgen führten. Deren Haltung und die Rücksicht auf dieunruhigen Ungarn und angriffsbereiten Türken, mit denen beiden LudwigdisÄs°"rs Verbindungen unterhielt (8 304), bestimmten denKaiserLeopoldl., einenKonflikt mit Frankreich zu vermeiden. Dazu bestand noch der Geheim-vertrag über die Teilung Spaniens, auch ließ sich der österreichische MinisterLobkowitz von Ludwig bestechen. So verpflichtete sich der Kaiser in einemi. N°v. i 67 i außerhalb Deutschlands und Spaniens geführten Kriege neutral zubleiben. Von den deutschen Fürsten widerstand allein der Große Kurfürstvon Brandenburg den französischen Lockungen und schloß sogar ein Bündnis6. Mai 1672 mit den Niederlanden; indes hatte Ludwig gegen ihn die Schweden zurVerfügung.
5. Haltung Bei seinen in Deutschland geführten Verhandlungen wußte Ludwig auch den katho-FUrstsn°" Äschen Reltgionseifer gegen den niederländischen „Ketzerstaat" für sich auszunutzen. I»diesem Sinne wirkten für Frankreich namentlich drei Brüder aus dem Hause Fürstenberg(die drei „Egonisten"), Franz Egon, Bischof von Straßburg, Hermann Egon,Oberhofmeister des Kurfürsten von Bayern, und WilhelmEgon, Geheimer Rat des Kur-fürsten von Köln. Maximilian Heinrich, Kurfürst von Köln und Bischof von Lüttich,verpflichtete sich gegen Snbsidienzahlung Truppen gegen Holland zu stellen; ein ähnlichesBündnis schloß Bischof Christoph Bernhard von Münster: dadurch gewann Ludwig b)eMöglichkeit, Holland von Osten her anzugreifen und von Süden her Truppen dorthinmarschieren zu lassen (durch das Lüttichsche Gebiet), ohne die spanischen Niederlande zu be-rühren. Kurfürst Johann Philipp von Mainz, der nach der Besetzung Lothringens ver-sucht hatte, einen Bund deutscher Fürsten gegen Ludwigs Übergriffe zu bilden, verpflichtesich zur Neutralität; dasselbe taten Pfalzgraf Philipp Wilhelm von Neuburg, KurfürstFerdinand Maria von Bayern, die beiden Welsen Johann Friedrich von Hannover undErnst August von Osnabrück unter Gewährung des Durchzugsrechts für französische Truppen;Bayern versprach sogar, den Kölner Erzbischos gegen Holland zu unterstützen; Kurfürst KartLudwig von der Pfalz war durch die 1671 geschlossene Vermählung seiner Tochter ElisabetY