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Erstes Kapitel: Ludwigs XIV. Vorherrschaft.
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mühlt; von den Söhnen der Montespan war der eine Herzog von Maine, der andere Grafvon Toulouse, von ihren Töchtern heiratete die Mademoiselle de Nantes den PrinzenLudwig III. Conde, die Mademoiselle de Blois den Prinzen Philipp von Orleans, denspäteren Regenten (Stammbaum 2).
Die Nebenlinie des königlichen Hauses hatte ihr Oberhaupt in Ludwigs Bruder PMpp »o»Philipp von Orleans. Er ist als Gönner Molftres nicht ohne Verdienst, war gsb/ig^gaber im übrigen einer der schlimmsten Wüstlinge der Zeit. Seine erste Gemahlin, Hen- s°st- iwiriette von England, war am Hofe hochgefeiert; über die Forderungen ehelicher Treuesetzte sie sich hinweg (man sprach sogar von einem Verhältnis zum Könige) und scheute sich gest. isronicht, ihren ebenso sinnlichen und leichtfertigen Bruder Karl II. durch eine ihrer Hofdamenfür Frankreich zu gewinnen (8 270). Eine um so ehrenvollere Erwähnung verdient dagegen«r»!Philipps zweite Gemahlin Elisabeth Charlotte von der Pfalz, von ihrer Umgebung '1052Liselotte genannt. Geboren am 27. Mai 1652, weilte sie 1659 bis 1663 am hannöverschen s°st^^Dez.Hofe und wurde hier von ihrer Tante, der Herzogin (Kurfürstin) Sophie, erzogen: mit ihrverband sie dauernd eine innige Freundschaft. Gegen ihren Willen wurde sie 1671 mitPhilipp von Orleans vermählt und trat auch zum Katholizismus über. Am französischenHofe hat sie sich jedoch nie recht wohl gefühlt, ihr Gemahl blieb nach wie vor den wüstestenAusschweifungen ergeben, sie selbst hielt sich in der verpesteten Atmosphäre sittenrein, bliebeine echte Deutsche, gab sich natürlich und nahm nie ein Blatt vor den Mund. Das Paßtein das Hofleben nicht hinein; mit besonderem Hasse verfolgte sie die Maintenon, mitSchmerz erfüllte sie die Verwüstung ihrer geliebten Heimat (Z 282), und große Sorge be-reitete ihr die sittliche Entartung ihres Sohnes Philipp, des späteren Regenten (H 334).
Ihre ungeschminkten, oft derben Briefe an die Kurfürstin Sophie geben ein treues Abbildvon dem Treiben am Hofe; am 8 . Dezember 1722 ist sie in St. Cloud gestorben.
Die Lebensführung des Königs wirkte natürlich unheilvoll auf die gesamte höhere Die höh-r-Gesellschaft, eben weil alles sich um den König drehte. Die maßlose Verschwendung undder Spielteufel ruinierten die ersten Geschlechter ebenso wie die Sittenlosigkeit. EhelicheTreue und Sittenreinheit galten nicht als vornehm, und auch die Frauen setzten sich dar-über hinweg; schöne und geistreiche Buhlerinnen, wie Ninon de l'Enclos, die von s°b. wi«ihrer Jugend bis in ihr hohes Alter die Männerwelt bezauberte, spielten eine große Rolle. ^
Wie tief die Sittlichkeit gesunken war, beweist der immer wieder vorkommende Verdachtder Giftmischerei. Viele Todesfälle schrieb man dem „Erbfchaftspulver" zu, und in denProzeß gegen die Voisin, eine Kartenlegerin, die Erbschafts- und Liebespulver bereitete, ia?gwurden die vornehmsten Damen und Herren verwickelt, z. B. faß der Marschall von Luxem-burg über ein Jahr in der Bastille. — Diese Sittenlosigkeit hinderte aber nicht, daß dieseganze Gesellschaft sich äußerlich zur Kirche hielt und eine große Frömmigkeit zur Schautrug, besonders seit durch den Einfluß der Maintenon die „Devotion" Mode geworden war.
Wie alle großen Vertreter des Absolutismus hat auch Ludwig XIV. das Bam»stgeistige und künstlerische Leben seiner Zeit zu beherrschen gesucht; ersörderte es, gewährte ihm aber nicht die Freiheit, in der allein es wirklich ge-deihen kann; auch hier sollte alles von ihm, dem Einen, ausgehen, alles auf ihnZielen, alles seiner Verherrlichung dienen. An anderen Stellen (Z 261 ff., 358,
364) wird näher über die Wissenschaft, die Literatur und Kunst jener Zeit be-richtet ; hier mag nur der Baulust Ludwigs gedacht werden, weil sich in ihr dieunsinnige Verschwendung und die Prunksucht des Sonnenkönigs besonders ver-hängnisvoll gezeigt hat, weil sie den Glanz dieses Königstums noch heute ver-kündet und doch wesentlich zum finanziellen Niedergang Frankreichs beigetragen hat.
Der gewaltigste und stolzeste Bau des Königs war das Schloß in Versailles. Die Versaillesbisherige königliche Sommerresidenz war St. Germain gewesen; indes man sah von hierdie Türme von St. Denis, wo sich die Gruft der französischen Könige befand, und daswar Ludwig XIV-, der nicht gern an den Tod dachte, unangenehm. Deshalb, so wird er-zählt, faßte er den Plan, eine neue Sommerresidenz zu schaffen. Sie sollte ausschließlichlein Werk fein, alles ihm verdanken und sein eigentlicher Königssitz werden; weilte er dochauch in Paris nicht gern, weil hier selbständige Kräfte vorhanden waren. In Versaillesstand bisher nur ein kleines Jagdschlößchen seines Vaters, sonst war die Gegend sumpfigund öde. Hier entstand nun nach dem Nymweger Frieden unter Leitung des BaumeistersHardouin Mansart (8 261) jenes gewaltige Schloß, das alles bisher Bekannte an Prachtund Größe übertraf. Ludwig bezog es 1682, doch wurde auch dann noch weiter gebaut. Andas Schloß reihten sich die von Le Nötre (Lenötre) ausgeführten Gartenanlagen mit den