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Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740).
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Wasserkünsten und Statuen. Die Gemälde im Schloß verherrlichten ausschließlich die TatenLudwigs XIV. — es ist charakteristisch, daß frühere Großtaten der französischen Geschichtenicht dargestellt worden sind —, und die Statuen der griechischen Götter stellen in Wahrheitden König dar oder französische Höflinge und Hofdamen: sie huldigten dem König ebensowie die Natur, die sich seinen Launen anpassen mußte. Der prächtigste Raum des Schlossesist der große Spiegelsaal, in dem am 18. Januar 1871 das neue deutsche Kaisertumproklamiert worden ist. Bei dem Bau waren zeitweilig 22000 Menschen und 6000 Pferdebeschäftigt, und massenhaft erlagen die Arbeiter den aus dem Sumpfboden entstehendenKrankheiten. Die Kosten des Baues werden auf 150 Millionen Livres (nach heutigemGeldwert 900 Millionen Frcs) geschäht; seine Erhaltung erfordert noch heute jährlich über600000 Frcs. Der ungeheuerliche Plan, den Eurefluß nach Versailles abzuleiten, mußteindes schließlich aufgegeben werden, obgleich zu seiner Ausführung 30000 Soldaten kom-mandiert gewesen waren. — Unweit des Schlosses wurde noch ein Landhaus, das großeTrianon, gebaut; ein zweites Landhaus erstand in Marly, geschmückt mit dem Bildedes Sonnengottes, d. h. des Königs. Weiter baute der König am Louvre, an den Tuilerien,am Schloß in Fontainebleau; ferner errichtete er Schloß Meudon für den Dauphin, Clugnyfür die Montespan. Nützlicher war der Bau der Sternwarte, der Bibliothek, des Jnvaliden-hauses und der Gebäude für die Akademien usw.
Niedergang Die alle verständigen Erwägungen mißachtende Bauwut muß alseines der offenkundigsten Anzeichen dafür gelten, daß der König den Ver-suchungen des Absolutismus erlag und das früher bewiesene (§ 265) könig-liche Verantwortungsgefühl verlor. So wurde denn auch Colbert mitimmer wachsender Sorge über die Zukunft erfüllt; er sah die finanzi-elle Zerrüttung kommen und warnte, soviel er konnte. Damit aberwurde er dem Könige unbequem: seine Stimme wurde immer weniger ge-hört, und Louvois, der den König hier ebenso wie in der auswärtigenPolitik vorwärts trieb, gewann den maßgebenden Einfluß (Z 265); nach
s. Text. IMS Colberts Tode beherrschte er im Verein mit der Maintenon den Königvollständig, verstand es aber, ihn das nicht merken zu lassen. Beide habenauch seine Stellung zu den Jansenisten (ß 277) und Hugenotten (Z 278)unheilvoll beeinflußt.
«SSs 8 276. Kirchliche Verhältnisse, a) Stellung zum Papste. Inder Behandlung der kirchlichen Fragen wird man zwei Gesichtspunkte als
dm iöW für Ludwig maßgebend ansehen können; einmal kam es ihm darauf an.
Macht dfx königliche Macht der Kirche gegenüber zu wahren und zu
unis°rmiW mehren, sodann galt es, diekirchlichellnisormität herzustellen. Unterdiesen Voraussetzungen war die Kirche sehr gut geeignet dem absolu-tistischen System zu dienen.
Regalien- Bei dem Verhältnis zum Papsttum kam es Ludwig zustatten, daß diefranzösischen Bischöfe schon im Mittelalter eine große Selbständigkeit gegen denPapst in Anspruch genommen hatten (II, § 307), daß sie seit dem Konkordatvon 1516 vom Könige abhängiger waren als von Rom (ß 139), und daß sieaus Besorgnis vor der päpstlichen Macht treu zum Könige hielten. Gleich imAnfang seiner selbständigen Regierung hatte Ludwig einen Sieg über den Papstgewonnen (H 268); 1673 erließ er ein Edikt, wonach das königliche Recht(Regale) auf die Einkünfte der Bistümer während ihrer Erledigung auch aufdie Provinzen Languedoc, Guyenne, Dauphins, Provence, in denen es nichtgalt, ausgedehnt wurde. Der Vorgang war schon deshalb von grundsätzlicherBedeutung, weil der König dabei aus eigner Machtvollkommenheit handelte,ohne sich vorher mit den kirchlichen Organen zu verständigen, also die Ord-nung der kirchlichen Dinge für den Staat allein in Anspruchnahm. Nur zwei Bischöfe widersetzten sich. Der König ging gegen sie mitStrafen vor, Papst Jnnocenz XI. (1676—1689) aber exkommunizierte denErzbischof von Toulouse, der den König bei seinem Vorgehen unterstützte.