Surinarn
1667
Ohnmachtdes Reiches
Bedeutungder Einzel-staaten
Westen
Osten
Branden-
burg
L18 Viertes Buch: Las Zeitalter des Absolutismus (1660—1740). 8 293.
einheimische Fürsten genötigt wurden, ihr Protektorat anzuerkennen. Das taten von kleinerenabgesehen 1667 der Herrscher von Makassar, wodurch die Holländer auf Celebes festenFuß faßten, und etwa gleichzeitig mehrere Fürsten in Sumatra. Um 1680 gewann dieKompagnie unter Benutzung von Streitigkeiten einheimischer Herrscher die Oberhoheit überdie Reiche Bantam und Mataram auf Java, 1683 die über das mächtige Reich Tcrnateauf den Molukken. Das Monopol der Kompagnie in Java, Celebes und auf den kleinenSundainseln war nun gesichert; die Engländer räumten 1684 ihre letzte auf Java nochbehauptete Station (8 291). In den Jahren 1651 bis 1702 hat die Kompagnie neben11 dividendenlosen Jahren siebenmal 12*/s, fünfmal 15, sechsmal 20, einmal 22*/s, sieben-mal 25, zweimal 27*/s, zweimal 30, dreimal 33 Vs, einmal 33^2, einmal 35, fünfmal 40,einmal 60 Prozent Dividende verteilt. — Im Vergleich zu dem indischen Besitz sind dieübrigen Kolonien der Holländer unbedeutend; erwähnt mag noch werden, daß sie inGuayana durch den Frieden von Breda (A 223) Surinam erhielten: damit hatten sie dieEngländer hier verdrängt; gern Hütten sie nun auch ihren anderen Nachbarn, den Franzosen(I 274), Cayenne abgenommen; das ist ihnen aber nicht gelungen.
Drittes Kapitel.
Deutschland von 1648 bis 1760.
Die Gründung des brandenbnrgisch-preutzischen «nd desösterreichisch-ungarischen Staates.
Z 293. Überschau und Vorblick. Seit dem Westfälischen Friedenwar, wie früher ausgeführt (ß 216), das Deutsche Reich als Ganzes zuvölliger Ohnmacht verurteilt: es fehlte eine auch nur einigermaßenleistungsfähige Zentralgewalt; fremde Staaten hatten wertvolle Grenz-lande erworben und besaßen das Recht, sich in die inneren AngelegenheitenDeutschlands einzumischen; wirtschaftlich hatte es furchtbar gelitten, undauch seine geistige Entwicklung unterstand fremden Einflüssen.
Bei der Schwäche der Reichsgewalt kam für die Zukunft Deutsch-lands alles auf die Einzelstaaten an*). Das zeigte sich zunächst in denBeziehungen zum Ausland. Im Westen des Reiches gab es keinen größerenStaat: deshalb machte sich hier die Zerrissenheit Deutschlands am ver-hängnisvollsten geltend. Ludwig XIV. vermochte unter Benutzung dermannigfachen Sonderinteressen und der ihm durch den Westfälischen Friedenzustehenden Rechte Bündnisse mit deutschen Fürsten zu schließen und jedeeinheitliche deutsche Gegnerschaft zu hindern. Da zudem der Blick desKaisers wegen der Habsburgischen Hausinteressen mehr nach dem Ostenals nach dem Westen gerichtet war, die Gesamtlage Europas Ludwigs XIV.Vorgehen begünstigte, so sind seine Erfolge im Elsaß nur zu erklärlich.
Anders lagen die Dinge im Osten. Hier haben Brandenburg-Preußen und Österreich nicht nur weitere Einbußen verhütet, sondernsogar Erfolge gegen die benachbarten Großmächte errungen. Sie stiegen dabeiselbst zu Großmächten auf, und dieses Aufsteigen ist die wichtigste Tat-sache der deutschen Geschichte jener Zeit und wurde auch für Europa vongrößter Bedeutung.
Friedrich Wilhelm von Brandenburg, der Große Kurfürst, kräftigteseinen Staat durch Schaffung eines tüchtigen Heeres und Besserung derVerwaltung im Geiste des Absolutismus, erlangte durch das Eingreifenin den schwedisch-polnischen Krieg die Souveränität in Preußen, gewann
*) Deshalb bringt dieses Kapitel, anknüpfend an Band II, Z 321, auch einen kurzenÜberblick über die bedeutenderen Einzelstaaten.