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Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740).
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zumal der Troß der Heere immer größer wurde. Schließlich war die Land-verwüstung Selbstzweck, und die Drangsalierung der Bevölkerung gewährte einbestialisches Vergnügen. Nur die schwedischen Truppen waren, solange ihrgroßer König lebte, besser gewesen; nach dessen Tode verwilderten sie genau so,wie die übrigen. Mit Schaudern wendet man sich von den Roheiten ab, dieeine entmenschte Soldateska an wehrlosen Bewohnern verübt hat. Man machteSchnitte in die Fußsohlen und streute Salz hinein, schnitt Ohren, Nasen undZungen ab, goß Jauche in den Hals, trieb Nagel in den Kopf, schändete Frauenund Mädchen, schnitt ihnen die Brüste ab und warf lebende Kinder in denBackofen. Dazu kam die furchtbare Verwüstung der Acker und dasNiederbrennen der Dörfer. Ein Unterschied zwischen Freund und Feind wurdekaum gemacht; man erwog höchstens, wie lange man selbst in der Gegend nochHausen oder ob man der feindlichen Truppe den künftigen Aufenthalt unmöglichmachen wollte. Erhöht wurde die Notlage noch durch verheerende Seuchen.
BEl»ung Unter diesen Umständen trat überall ein großer Rückgang der Be-völkerung ein. Sicher zu schätzen ist dieser natürlich nicht; für ganz Deutschlandwird von einem Rückgang auf die Hälfte oder ein Drittel gesprochen; imeinzelnen liegen noch traurigere Angaben vor. In Böhmen sank, wie schongesagt (Z 195), die Bevölkerung von 4 Millionen auf 800 000, in Württem-berg soll sie von 313 000 auf 65 000, in Augsburg von 80 000 auf 18 000,in Frankenthal von 18 000 auf 324, in der Grafschaft Henneberg um 70 Prozentzurückgegangen sein; Glogau hatte vor dem Kriege 2500 ansässige Bürger, nachdem Kriege noch 20, in Chemnitz waren von 937 Häusern 339, in Schweidnitzvon 1300 1182 unbewohnt. Auf dem Lande waren zahlreiche Gebäude, jaganze Dörfer vernichtet; in Bayern sollen in dem einzigen Jahre 1646100 Dörfer niedergebrannt sein, in Württemberg zählte man 36000 zerstörteHäuser usw.
Unter den Verwüstungen litt natürlich die Landwirtschaft besondersstark. Zahlreiche Äcker blieben ohne Bestellung; es fehlte an Arbeitskräften,auch an Arbeitsneigung, da man nie wußte, ob man auch ernten würde.Dazu ging der Viehstand gewaltig zurück. Früher blühende Gefilde bliebennoch lange wüste.
^Händel'"*' Wenn die städtische Bevölkerung hinter den Mauern weniger Drangsaleerlitt, so hatte sie doch schwere Kontributionen aufzubringen, so ging doch dasGewerbe und der Handel sehr zurück. Weder die Auffindung des Seewegsnach Ostindien noch die Ausbreitung der türkischen Herrschaft über die Levanteund die Südküsten des Mittelmeeres waren zunächst vermögend gewesen, imReformationsjahrhundert den italienisch-deutschen Handel zu vernichten;die Fugger und Weiser hatten an dem neuen überseeischen Verkehr Anteilgehabt (Z 32), und nach dem Abschluß des Augsburger Friedens hatte dieHandels- und Gewerbtätigkeit einen neuen Aufschwung genommen, als der ganzeWesten Europas durch Philipps II. Religionseifer von blutigen Kriegen heim-gesucht war. Gegen Ende des 16. Jahrhunderts begann dann aber die Blütedes holländischen und englischen Handels (§ 138, 159); nun machte sich die denneuen atlantischen Häfen gegenüber ungünstige binnenländische Lage der ober-deutschen Städte mehr geltend als bisher: sie vermochten infolge der Verschiebungder Handelsstraßen ihren Anteil am Welthandel nicht zu behaupten. Dazu gingauch gleichzeitig der hanseatische Handel zurück: die bisher beherrschten Staatenemanzipierten sich, die Holländer und daneben auch die Engländer drangensogar in die Ostsee ein. Was hier begonnen hatte, wurde durch den Dreißig-jährigen Krieg vollendet. Gerade die reichen süddeutschen Städte hatten unterihm furchtbar gelitten, und wenn auch Schweden nicht einen großartigen Eigen-handel begründete, so beherrschte es doch politisch die Ostsee und faßte an derNordseeküste Fuß. Die Hanse umfaßte nur noch Lübeck, Hamburg und Bremen,und der sehr schwach besuchte letzte Hansetag vom Jahre 1669 war völlig be-