Band 
Dritter Band.
Seite
525
JPEG-Download
 

8 296.

Drittes Kapitel: Deutschland dorr 1648 bis 1760.

525

deutungslos. Nur Hamburg, das von dem Kriege unberührt blieb, hat,zunächst eben durch die Fremden, einen Aufschwung genommen (Z 159). Vonden Binnenstädten trieben nur Frankfurt und Leipzig noch lebhafterenHandel. Im ganzen kehrte Deutschland, dessen Wirtschaftsleben im 15. und16. Jahrhundert durch eine große Kapitalfülle geldwirtschaftlich befruchtet war(§ 32), und das zeitweilig im Mittelpunkt des Welthandels gestanden hattedurch die Vernichtung seiner Kapitalien und durch den Ausschluß vom Welt-verkehr auf einen engen, mehr naturwirtschaftlichen Wirtschaftsbetrieb zurück; erstim 19. Jahrhundert ist das, freilich für manche Aufgaben schon zu spät, anders

1653

1SS3-1854

geworden.

Mit dem wirtschaftlichen Niedergang verband sich auch der moralische und^istigerund geistige. Die während des Krieges herangewachsene Generation war Niedergangdaran gewöhnt, bedrückt zu werden oder selbst zu bedrücken; zu bürgerlicherArbeit mußte sie erst wieder erzogen werden. Die Geisteskultur des Reformations-jahrhunderts ging unter. Die Kunst verschwand fast ganz, und in der Literaturherrschte die Nachahmung des Fremden.

§ 296. Vorgänge im Reiche bis zur Wahl Leopolds I. Zur Durchführungder Bedingungen im Westfälischen Frieden (Räumung der Gebiete usw.) tagtevom April 1649 bis Juli 1651 ein Kongreß in Nürnberg; es gelangihm, die meisten Streitpunkte bis 1651 zu erledigen, doch wurde Hinterpommernerst 1653 von den Schweden geräumt. Um hierzu die Unterstützung des Kaiserszu finden, stimmte auch Brandenburg auf dem Kurfürstentage zu Augsburgder Kaiserwahl Ferdinands (IV.), des Sohnes des Kaisers, zu. Nach diesemErfolge machte der Kaiser auf dem Reichstage in Regensburg den Versuch,seinen Einfluß zu stärken; er beantragte, daß die von ihm ernannten neuenFürsten (Lobkowitz, Piccolomini usw.) in das Fürstenkolleg aufgenommen würden, ^°rm°sr-und daß bei Reichssteuern die Mehrheitsbeschlüsse für die nicht bewilligenden Ständebindend sein sollten. Der Reichstag lehnte jedoch die letztere Forderung ab undnahm jene Fürsten nur unter der Bedingung auf, daß sie unmittelbare fürsten-mäßige Reichsgüter besäßen; zugleich beschloß er, daß zur Herstellung der Parität imKurfürstenkollegium abwechselnd einer der evangelischen Kurfürsten zwei Stimmenführen sollte, und daß die Stände verpflichtet sein sollten, ihren Landesherrendie zur Landesverteidigung nötigen Mittel zu bewilligen. Während also dasFürstentum sich selbst militärisch stärkte, trat es einer Kräftigung der Kaiser-Macht entgegen: das ist das charakteristische Merkmal dieses „jüngstenReichs-tagsabschieds". Er wird so genannt, weil dieser Reichstag der letzte war, dergeschlossen wurde. 1663 wurde der „immerwährende Reichstag" eröffnet (Z 294),der bis 1806 getagt hat. Zur Opposition hatte unter Waldecks Einfluß (Z 298)auch Brandenburg gehört. Von Waldeck ging nun der Gedanke einer Fürsten-konföderation unter brandenburgischer Führung aus: es kam jedoch nur zueinem Bündnis zwischen Brandenburg und den braunschweigischen Herzögen;etwa gleichzeitig schloß der Erzbischof von Köln eine ähnliche KonföderationMit einigen katholischen Fürsten. Beide Konföderationen sind bedeutungslosgeblieben; wichtiger wurde ein Bund, der in Weiterbildung des Kölner Bundesdei Gelegenheit der neuen Kaiserwahl geschlossen wurde.

Der 1653 gewählte Kaisersohn starb schon 1654; als Ferdinand III.

'hm in den Tod nachfolgte, dachten der Erzbischof von Mainz Johann Philipp 2 . ApruAm Schönborn und der französische Minister Mazarin daran, dem Kurfürstenumdinand Maria von Bayern die Krone zu verschaffen. Dieser lehnte jedoch ab;

Mchtig wurde nun an Ludwig XIV. gedacht; dann aber Ferdinands Sohn Leo-pold I. einstimmig gewählt, doch mußte er, wie wir wissen (H 221), in der Wahl- 18 .JuuiMmpllulation versprechen, keinen Feind Frankreichs zu unterstützen. Kurz darauf kam»wischen Frankreich und einigen deutschen Fürsten (Mainz, Köln, Pfalz-Neuburg,Hessen-Kassel, Braunschweig, Schweden) die rheinische Allianz zustande,b* m den nächsten Jahren noch mehr Fürsten beitraten. Man hoffte damit dem

Konfödera-tion

1655

1651

Ferdi-

' nand III.