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Dritter Band.
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Drittes Kapitel: Deutschland von 1648 bis 1700.

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Am 9. Mai 1988 starb der Große Kurfürst. Der Staat, den ^GrA,er in voller Auflösung überkommen hatte, war durch ihn im Innern ge- Kurfürst-«festigt und zu einer achtunggebietenden Stellung in Europa erhoben. Dielandesherrliche Gewalt war gekräftigt, die Finanzen in guterOrdnung, das Heer kriegswichtig und siegesgewohnt, das Staats-gebiet bedeutend vergrößert, die Abhängigkeit vom Auslandbeseitigt, und in die europäischen Fragen hatte der Kurfürstentscheidend eingegriffen. Der brandenburgisch-preußische Staat warüber die Bedeutung eines Territorialstaates hinausgewachsen, und wo derKurfürst seine Ziele nicht voll erreicht hatte, da hat er ihm die Wegefür eine bessere Zukunft gewiesen. Die vielerörterte Frage, wieweitder Kurfürst deutsch-nationale Politik getrieben hat, ist durchunsere Darstellung schon beantwortet. Gewiß fühlte er sich als Deutscher,sein Wort: „Gedenke, daß du ein Deutscher bist" war keine leere Phrase;aber in seiner Politik ließ er sich leiten von brandenburgischenInteressen. Das ist kein Tadel, sondern ein Lob, genau so, wie es einLob für Gustav Adolf ist, daß er sich von schwedischen Interessen leitenließ (8 202). Wir betonen nochmals, daß die brandenburgischen Interessenzumeist mit den dentschnationalen Interessen zusammenfielen, und daßeben daraus die deutsche Misston des Staates beruht (8 293). In denvielfachen Wandlungen seiner Politik suchte er die für seine Ziele zweck-dienlichsten Mittel, und wenn man ihn als „den ersten großen SchülerMacchiavellis unter den Hohenzollern" bezeichnet hat, so enthält auch daskeinen Vorwurf.

H 302. Friedrich III. (I.). Der neue Kurfürst blieb in den großen M-d-europäischen Fragen der Politik treu, die der Vater zuletzt befolgt hatte.

Er unterstützte Wilhelm III. von Oranien bei der Erwerbung und Be-hauptung der englischen Krone (8 289), nahm an dem Kriege gegen Frank-reich teil (8 282) und sandte dem Kaiser Hilsstruppen für den Türkenkrieg(8 307). Wie er hierbei an dem guten Einvernehmen mit dem Kaiserfesthielt, so gab er auch nach längerem Widerstreben den SchwiebuserKreis zurück, womit allerdings seine schlesischen Ansprüche wiederauslebten. wssTrotz alledem brachte ihm der Rhswhker Friede (8 283) keinen Gewinn.

Im Zusammenhang damit steht der Sturz Eberhard von Danckelmauns. Er warDanckelmaimder Erzieher des Kurfürsten gewesen und von ihm mit der Leitung der Regierung betraut HA ^43Worden. Seine Geschäftsführung war auf allen Gebieten vortrefflich, aber die altadligenMitglieder des Geheimen Rats haßten ihn als Emporkömmling, und auch die KurfürstinWar ihm nicht gewogen, weil er im brandenburgischen Interesse welfischen Wünschen entgegen-trat. Der Ryswyker Mißerfolg erschütterte seine Stellung beim Kurfürsten, und so bat erum feine Entlassung. Der Kurfürst gewährte sie, ließ ihn aber dann verhaften. Obgleich iss?thm in dem Prozeß keine Schuld nachgewiesen werden konnte, blieb er bis 1707 in Ge-fangenschaft und erlangte erst durch Friedrich Wilhelm I. seine volle Freiheit zurück; das i?isihm widerfahrene Unrecht konnte aber damit nicht wieder gut gemacht werden. — AnDankelmanns Stelle trat Kasimir von Kolbe, Reichsgraf von Warten berg, der mit demFeldmarschall Graf Wartensleben und dem Oberhofmarschall Graf Wittgensteinfws sogenannte Dreigrafeuministerium bildete. Wartenberg kam der Verschwendung undPrunkliebe des Kurfürsten sehr entgegen, war selbst sehr habgierig und ließ in der Ver-waltung eine weitgehende Korruption einreihen. Erst durch den Einfluß des Kronprinzenwurde er 1711 gestürzt.

Danckelmann hat wesentlichen Anteil an der Pflege von Kunst und gAs,"-nschäftWissenschaft gehabt, durch die der brandenburgische Staat und speziell-oerlin damals zu einer Zentralstätte geistigen Lebens wurde. Der Kurfürst rotteselbst hatte Interesse dafür, noch größeres aber seine Gemahlin Sophie gest.'