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Dritter Band.
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Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740).

8 301.

1683

1684

Koloniale

Unterneh-

mungen

1681

1682

1720

Umschwunggegen Frank-reich

1S8S

8. Nov. 1685

1686

W.MiirzI6SS

Familien-

zwist

Testament

1686

Wissen, welchen Wert dieses Bündnis sür Ludwig XIV. bei den Reunionenund beim Abschluß des Regensburger Waffenstillstandes gehabt hat (Z 280);dem Kurfürsten hat es den erhofften Gewinn nicht gebracht. Der fran-zösische Gesandte in Berlin, Marquis v. Rebenac, verabredete zwar mitdem Kurfürsten und dem Däncnkönig ein Angriffsbündnis gegen Schweden,wobei jener Vorpommern, dieser Bremen erwerben sollte, aber Ludwig XIV.versagte nach Abschluß des Regensburger Stillstandes diesem Abkommendie Bestätigung.

Der Rückhalt, den er von dem französischen Bündnis erwartete, be-stärkte den Kürfürsten in seinen überseeischen Unternehmungen.Er ließ spanische Schiffe wegen rückständiger Sirbsidien kapern und gründetedann Kolonien an der afrikanischen Küste.

Auf den Rat Raul es (Z 299) sandte er 1680 zwei Schiffe nach der Westküste Afrikas;eines davon kaperten die Holländer, das andere gelangte glücklich nach Guinea. DerKapitän schloß Verträge mit drei Negerhäuptlingen, und der Kurfürst erteilte nun einerafrikanischen Handelskompanie, die ihren Sitz in Pillau hatte, einen Freibrief. Am1. Januar 1683 legte der Major v. d. Groben den Grund zu dem Fort Groß-Friedrichs-burg bei dem Kap der drei Spitzen; weiter wurden die Forts Sophie Luise, Dorotheenschanzeund Taccararh errichtet, dazu die Insel Arguin (nördlich der Senegalmündung) besetzt. DerSitz der Gesellschaft wurde nach Emden, wo der Kurfürst mit Zustimmung der ostfriesischenStünde einen Stützpunkt für seine Flotte schuf, verlegt. Trotzdem kam sie gegen die Eifer-sucht der großen Kolonialmächte, namentlich der Holländer, nicht auf: Brandenburg warseiner ganzen Lage nach für Kolonialunternehmungen noch nicht fähig; Friedrich Wilhelm I.hat die Kolonien an die Holländer verkauft. Als dann das neue Deutsche Reich in dieReihe der Kolonialmächte eintrat, ist eines der alten Geschütze aus Groß-Friedrichsburg indie Berliner Ruhmeshalle gebracht und legt dort Zeugnis ab von dem weiten Blick desGroßen Kurfürsten. Erwähnt mag noch werden, daß er auch für die Freiheit Hamburgsgegen Dänemark energisch eintrat (H 312).

Seitdem der Kurfürst erkannt hatte, daß Ludwig XIV. ihm nichtzu Schwedisch-Pommern verhelfen würde, löste er allmählich seine Be-ziehungen zu Frankreich. Er schloß eine neue Allianz mit den Niederlanden,eröffnete den Hugenotten durch das Potsdamer Edikt eine Zufluchtsstättein seinen Landen, nahm den Marschall Schomberg (8 278) in seine Diensteund sandte dem Kaiser Hilfstruppen für den Türkenkrieg. Weiter verzichteteer in einem Vertrage mit dem Kaiser auf seine Ansprüche auf Jägern-dors, Liegnitz, Brieg und Wohlan (8 297) gegen Abtretung des SchwiebuserKreises und verpflichtete sich, bei der Abwehr eines Angriffs auf Gliederdes Reichs (Kurpfalz 8 281) mitzuhelfen, für die Erbrechte des Kaisersauf Spanien einzutreten und dem Sohne des Kaisers seine Kurstimmezu geben. Damit war der Kurfürst vollständig zur antifranzösi-schen Politik zurückgekehrt und entwarf schon einen Plan zum Marschauf Paris, hat aber den Ausbruch des Krieges nicht mehr erlebt.

Die österreichische Diplomatie glaubte bei jenem Vertrage besonders geschickt vor-gegangen zu sein, da sie kurz vorher von dem Kurprinzen das geheim gehaltene Ver-sprechen erlangt hatte, bei seiner Thronbesteigung den Schwiebuser Kreis gegen eine Geld-entschädigung wieder zurückzugeben. Dieser unerhörte Vorgang hängt mit den Zwistigkeitenin der kurfürstlichen Familie zusammen. Die zweite Gemahlin deS Kurfürsten, Dorotheavon Holstein, war bemüht, den Kindern, die sie dem Kurfürsten geboren hatte, eine fürstlicheStellung zu sichern; und der Kurfürst wies ihnen in feinem Testament die Einkünfte einigerLandesteile (Halberstadt, Minden, Ravensberg) an, doch ohne Souveränitätsrechte. DerKurprinz kannte dieses Testament nicht, fürchtete aber, daß seine Rechte beeinträchtigt werdenwürden, und so wurde sein Verhältnis zur Stiefmutter und zum Vater sehr gespannt. Nachder Thronbesteigung Friedrichs III. ist das Testament als den Hausgesetzen widersprechendfür ungültig erklärt worden, und die Stiefbruder Friedrichs haben gegen Erhöhung ihrerApanagen auf ihre Ansprüche verzichtet.