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Drittes Kapitel: Deutschland von 1648 bis 1700.
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Augusteum, Gemäldegalerie, Grünes Gewölbe, Sammlung orientalischen Porzellans). Wieder Kurfürst hierin Ludwig XIV. nachahmte, so auch in der sittlichen Skrupellosigkeit, mitder er sich schönen Frauen hingab. Während seine Gemahlin, die fromme Christiane vonBahreuth, sich von ihrem Gemahl zurückzog und in Pretzsch (bei Wittenberg) lebte (j- 1727),spielten am Hofe die schnell wechselnden Maitressen (Aurora von Königsmark, die TürkinFatime, die Fürstin Lubomirska, die Gräfin Cosell u. a.) die erste Rolle. Hofleben und Politikkosteten viel Geld. Da nun die Stände in Bewilligungen schwierig waren, suchte der Kur-fürst ihre Macht einzuschränken und führte nach brandenburgischem Muster eine Akzise(Z 299) ein; außerdem aber hat er manche Rechte (z. B. die auf Lauenburg an Hannover)und den Petersberg bei Halle (an Brandenburg) verkauft. Trotz alle dem gehört Augustder Starke zu den populärsten Gestalten der sächsischen Geschichte; es erklärt sich dasdaraus, daß alles an ihm, auch das Verwerfliche, einen Zug ins Große hatte. Dazukommt, daß die aus seiner Prachtliebe in dem „Augusteischen Zeitalter" entstandenen Bautenund Sammlungen noch heute bewundert werden und Dresden sehr verschönert haben. End-lich fallen in seine Zeit manche wirtschaftliche Fortschritte; so gewann die Tuch- undLeinenindustrie an Ausdehnung, es entstanden Samt- und Seidenfabriken, vor allem, aberwurde 1709 das Meißner Porzellan durch den Apotheker Böttcher erfunden, während bis-her Porzellan nur aus China bezogen werden konnte. Unter Friedrich August II. bliebdie Personalunion mit Polen bestehen. Er beseitigte die Maitressenwirtschaft und hat imVerein mit seinem Minister, dem Grafen Brühl, die Kunst, besonders auch durch Heran-ziehung italienischer Meister, sehr gefördert, so daß Dresden das „deutsche Florenz" wurde.Im übrigen freilich war die innere und äußere Politik Brühls, von dem sich der Kurfürstvöllig leiten ließ, für Sachsen unheilvoll; davon wird an anderer Stelle die Rede sein(8 377). Mit Friedrich Augusts Tode hörte die Verbindung mit Polen auf. Das Landhatte unter dem Siebenjährigen Kriege schwer gelitten; es war deshalb ein Glück, daß nunruhige Zeiten kamen. Die Kurfürsten Friedrich Christian und FriedrichAugust III.der Gerechte, für den bis zur Mündigkeit (1768) sein Oheim Xaver die Regierung führte,widmeten sich mit Ernst und Erfolg der Wohlfahrt ihres Landes (8 399); 1806 erhieltFriedrich August die Königskrone.
Die ernestinische Linie des wettinischen Hauses hat eine große Anzahl tüchtigerFürsten hervorgebracht, ist aber seit der Wittenberger Kapitulation (8 64) nicht wieder zugrößerer politischer Macht aufgestiegen. Das wurde schon verhindert durch die fortwährendenTeilungen, die am bequemsten aus Stammbaum 9 a. zu ersehen sind. Unter den SöhnenJohann Friedrichs I. des Großmütigen, der 1547 die Kurwürde verlor, erfuhr der Besitzdes Hauses Veränderungen durch den Naumburger Vertrag (8 64) und durch die Grum-bachschen Händel (8 177). Infolge jener Händel kamen die Lande Johann Friedrichs II.des Mittleren (Gotha) an seinen Bruder Johann Wilhelm (Weimar), mußten aber 1572an die beiden Söhne Johann Friedrichs zurückgegeben werden; durch diese und die beidenSöhne Johann Wilhelms entstanden die vier Linien Koburg, Eisenach, Altenburgund Weimar. Von ihnen starb Koburg 1633, Eisenach 1638, Altenburg 1672 aus; inder Linie Weimar regierten seit 1605 acht Brüder gemeinsam (einer von ihnen war Bern-hard, der berühmte Feldherr des Dreißigjährigen Krieges); 1640 teilten, nachdem fünfdavon gestorben waren, die drei überlebenden Wilhelm (Weimar), Albert (Eisenach) undErnst der Fromme (Gotha); da aber Albert 1644 kinderlos starb, blieben nur die LinienWeimar und Gotha. Nach Wilhelms Tode (1662) spaltete sich die Linie Weimar in vierAste, die aber 1741 wieder vereinigt wurden. An die Gothaer Linie fiel 1672 Alten-burg; nach dem Tode Ernsts des Frommen (1675), der einer der besten Landesherren seinerZeit gewesen war, teilten 1680 seine sieben Söhne, doch starben drei davon kinderlos; esblieben die Linien Gotha, Meiningen, Hildburghausen und Koburg (Saalfeld); nach demAussterben der Gothaer Linie (1825) entstanden durch eine neue Teilung 1826 die noch heuteblühenden drei Linien Meiningen-Hildburghausen, Altenburg, Koburg-Gotha.Mitglieder der letzteren bestiegen die Throne von Belgien (1831), Portugal (1853), Bulgarien(1887) und Großbritannien <1901). — Die Verdienste der ernestinischen Fürsten liegen haupt-sächlich auf kulturellem Gebiet; vor allem wurde Weimar unter Karl August der Sitz derausblühenden deutschen Literatur.
Der nächste gemeinsame Stammvater der beiden heute bestehenden Linien des Hauses^chwarzbnrg ist Graf Günther XI-. (ch 1552), der wegen seines Reichtums den Beinamen»Mit dem fetten Maule" erhielt und die Reformation einführte. Seine vier Söhne teilten;buch starben zwei 1583 und 1599 kinderlos, und so blieben nur die Linien Arnstadt undRndolstadt. Die Arnstadter Linie spaltete sich 1642 in Arnstadt, Sondershausen undWebsr-Baldamus, Weltgeschichte. 21. Aufl. III. 35
FriedrichAugust II.1733—1763
Friedrich
Christian
1763
FriedrichAugust III.1763—1827
Sächsische
Herzog-
tümer
1554
1567
Schwarz-
burg