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Viertes Kapitel: Der Norden und Osten Europas bis 1700.
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Der neue König Christian V. erhob Schumacher zum Grafen vonGriffenfeld und ernannte ihn zum Großkanzler, stiftete den Danebrogordenund schuf durch Rangerhöhungen einen neuen Adel, der den Bauern gegenübergroße Rechte erhielt. Der dänische Adel wurde wie der französische (Z 275)immer mehr zum Hofadel, zumal Christian V. auch in der Hofhaltung (Feste usw.),
Ludwig XIV. zum Vorbild nahm.
Daß der Adel trotzdem den aus niederem Stande emporgestiegenen (er war der Sohneines Weinhändlers) Grafen von Griffenfeld haßte, ist nicht verwunderlich; und in der Tatgelang es ihm, die Eifersucht des Königs gegen den zu mächtigen Minister zu wecken. Sowurde dieser trotz seiner großen Verdienste wegen angeblich hochverräterischer Verbindungmit dem Auslande zum Tode verurteilt; vom König zu lebenslänglicher Kerkerhaft begnadigt, i6?swurde er nach 23 Jahren freigelassen, starb aber noch in demselben Jahre.
Gegen den Rat seines Kanzlers griff Christian V. während des zweitenRaubkrieges das mit Frankreich verbündete Schweden an, als der GroßeKurfürst den Sieg bei Fehrbellin gewonnen hatte (8 300). Er hoffte da-bei die 1658/60 (Z 247) verlorenen südschwedischen Lande zurückzugewinnenund wurde zugleich bestimmt durch seine Feindschaft gegen Christian Albrechtvon Holstein-Gottorp, den er gern seiner Lande beraubt hätte.
Die nie ganz ruhenden Streitigkeiten zwischen der dänischen und holstein-gottorpischenLinie hatten damals neue Nahrung erhalten durch das Erlöschen der in Oldenburg ^regierenden gräflichen Linie (Stammbaum 5). Gemeinschaftliche Erben waren Dänemarkund Holstein-Gottorp; zugleich aber erhob Joachim Ernst von Schleswig-Holstein-PlönAnsprüche. Griffenfeld brachte diesen dahin, auf seine Rechte zugunsten Dänemarks zuverzichten, und damit fiel Oldenburg an Dänemark. Darüber erbittert, schloß sich 1676Christian Albrecht von Holstein-Gottorp an Schweden an, und deshalb besetzten die Dänensein Land.
Den Verlaus des im Bündnis mit Brandenburg und den Nieder- ims-wwlanden gegen Schweden geführten Krieges haben wir schon erzählt (Z 300).
Der Einfall der Dänen nach Schweden mißlang, dagegen siegte die dänisch-holländische Flotte; die Entscheidung erfolgte jedoch nicht durch diekriegerischen Ereignisse, sondern durch den Machtspruch Ludwigs XIV.:im Frieden von Fontainebleau (Z 300), der durch den schwedisch- 2 . S-xt.iemdänischen Frieden von Lund bestätigt wurde, wurde der Zustand vor demKriege wiederhergestellt.
Auch Christian Albrecht von Holstein-Gottorp sollte sein Land zurückerhalten, indes esentstanden bald neue Zwistigkeiten, so daß er erst 1684 unter Vermittlung des Kaisers, Branden- Gottorpburgs, Sachsens und Schwedens zurückkehrte. Nach feinem Tode (1694) verschärfte sich dieSpannung, als sein Sohn Friedrich IV. sich mit einer Tochter Karls XI. von Schwedenvermählte und schwedische Truppen ins Land rief. Diese Verhältnisse haben dann mitgewirktbeim Ausbruch des Nordischen Krieges (Z 321).
Ein Anschlag Dänemarks auf Hamburg wurde hauptsächlich durch den Großen IMSKurfürsten vereitelt, der erklärte, „es gelte ihm fast gleich, ob Berlin oder Hamburg be-lagert werde". — An den überseeischen Unternehmungen beteiligte sich Dänemark durch die1671 gegründete Westindische Kompagnie, die die Inseln St. Thomas und St-Johnin Westindien besetzte.
8 313. Schweden als unumschränkte Monarchie. (1660—1697.)Schweden hatte unter Karl X. seine größte Ausdehnung erreicht und seineGroßmachtstellung im Frieden von Oliva bewahrt, befand sich aber ingroßer finanzieller Bedrängnis (Z 247). Da war es nun ein Unglück fürdas Land, daß der neue König Karl XI. unmündig war und also zu-nächst eine vormundschaftliche Regierung eintreten mußte.
Diese übernahmen die Königin-Mutter Hedwig Eleonore von Holstein und ein Reichs-^at, in dem der schwedische Hochadel den Ausschlag gab. Es ist begreiflich, daß dieser vonder Rückforderung (Reduktion) der Domänen, ohne die eine Gesundung der Finanzen unmög-lich war (H 246), nichts wissen wollte. So dauerte die Finanznot fort, und deshalb mußte