Z 314. Viertes Kapitel: Der Norden und Osten Europas bis 1700. 55 Z
ihre Wiedervereinigung anstrebten. Ihr Hetman Doroschenko trat mitder Türkei in Verbindung, und der tatkräftige Großwesir Achmed Köpriliergriff gern die Gelegenheit, um wie in Kreta und in Siebenbürgen (Z 253,
303) fo auch gegen Polen die türkische Macht zu erweitern. TürkischeTruppen rückten in Podolien ein, und König Michael überließ im Friedenvon Budziak Podolien und die Oberhoheit über die Kosaken den Türken. S°p«. EDie Erbitterung über diesen schimpflichen Frieden bewirkte eine nationaleErhebung der Polen, bei der auch der vom Papste geschürte Kreuzzugs-eifer gegen die Ungläubigen mitwirkte. Der von Michael schlecht behandelteGroßkronfeldherr Johann Sobiesky setzte durch, daß der Reichstag denFrieden verwarf, und gewann über die Türken den Sieg bei Choczim." ^
Am Tage vor dieser Schlacht starb Michael, und nun wurde Johann ffobiesiy'Sobiesky gewählt. Da er französisch gesinnt war, gewann Ludwig XIV.dadurch einen Verbündeten im Rücken seiner Feinde (§ 273). Zunächstfreilich wurde Sobiesky durch den Türkenkrieg in Anspruch genommen.
Er besiegte die Türken, die in verheerendem Siegeszuge nach Galizien ein-gedrungen waren, bei Lemberg und behauptete sich im nächsten Jahre Aug. isnbei Zurawna gegen ein weit überlegenes türkisches Heer. Da nun denTürken ein Krieg mit Rußland drohte (8 ,315) und Ludwig XIV. für denFrieden wirkte, um Sobiesky gegen Österreich freizumachen (Z 304),entschloß sich der Sultan zu einer Ermäßigung der harten Bedingungenvon Budziak. In dem vorläufigen Abkommen von Zurawna, das durch O». lei-den Frieden von Ko nstautinopel bestätigt wurde, behielt die Türkei M-uz im«den größten Teil Podoliens, verzichtete aber auf die Oberhoheit über dieKosaken.
Der durch die Türkennot geweckte national-religiöse Aufschwung führtezwar nicht zu einer Besserung der inneren Lage des Staates, bewirkte aber,daß Sobiesky trotz seiner Beziehungen zu Frankreich und Ungarn beimBeginn des großen Türkenkrieges mit Leopold I. ein Bündnis schloß undruhmvollen Anteil an der Schlacht am Kahlenberge hatte (H 305).
Nach der Eroberung Grans (Z 306) kehrte er indes nach Polen zurückund setzte den Krieg in Podolien und der Moldau fort, ohne jedochgrößere Erfolge erringen zu können. Es hinderten ihn daran auch dievielen Streitigkeiten im Innern, unter denen er schwer zu leiden hatte.
Dazu wirkten französische Einflüsse für eine schwächliche Kriegführung.
Trotzdem brachte wegen der sonstigen Niederlagen der Türkei der Friedevon Karlowitz Podolien an Polen zurück (H 307).
Sobiesky war schon drei Jahre vorher gestorben. Bei der neuen Königs-^-3""'Wahl stießen die europäischen Gegensätze schroff aufeinander. Frankreichirat für den Prinzen Ludwig von Conti, Österreich für den sächsischen Kur-fürsten Friedrich August den Starken ein, nachdem dieser (1. Juni 1697)
^uur Katholizismus übergetreten war; andere Bewerber (Jakobsobiesky, Leopold von Lothringen, Karl Philipp von Psalz-Neuburg, Maxxrnanuel von Bayern, Ludwig von Baden) kamen nicht ernsthaft in Be-sucht. Am Tage der Wahl rief der Erzbischof von Gnesen den Prinzen n-Jumisg?^onti, der Bischof von Kujavien den Kurfürsten August zum König aus.ächterer kam sofort mit sächsischen Truppen nach Krakau, beschwor dieMeig, couvoiUu und ließ sich als August II. in Krakau krönen. Um 15 . Sept.leselbe Zeit erschien Prinz Conti mit einer französischen Flotte vor Danzig;ik Stadt nahm ihn indes nicht auf, und Conti segelte wieder ab, als