Band 
Dritter Band.
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554
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1699

Michael

Romanow

1613—1645

Alexej

1645—1616

1649

1650

Kirchen-

spaltung

1666

1667

584 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740). 8 315.

eine sächsische Armee heranrückte. Die Anwesenheit sächsischer Truppen warden Polen sehr unerwünscht, und nach dem Karlowitzer Frieden wurdefestgesetzt, daß August II. außer einer Leibwache von 1200 Mann keinefremden Truppen im Lande halten dürfe: seine Macht dem Adel gegen-über blieb sehr gering.

L. Das Aufsteigen Rußlands.

§ 315. Die ersten Romanows (1613—1682). Durch die Erhebungdes Michael Romanow hatte die russische Nation sich ihre staatlicheSelbständigkeit und ihrem Glauben gerettet (Z 174). Nach außen mußteder neue Zar zwar Abtretungen an Schweden und Polen machen (Z 174), imInnern aber gelang es, Ruhe und Ordnung wiederherzustellen. Dabeierwarb sich große Verdienste Michaels Vater Philaret, Patriarch vonMoskau, der bis zu seinem Tode (1632) eine Art Mitregentschast übte. AufMichael folgte sein Sohn Alexej, unter dessen Regierung der Einflußder europäischen Kultur wuchs, die Macht des Zaren stieg und auch nachaußen wieder Erfolge errungen wurden.

Wertvoll war die Einführung eines Reichsgesetzbuchs (Uloshenie), das im wesent-lichen auf Grund der Gesetze der byzantinischen Kaiser und der Ukase früherer Großfürstenzusammengestellt war. Weniger heilsam war die Errichtung der Kammer der geheimenAngelegenheiten, die, aus untergeordneten Beamten bestehend, die Ausführung derkaiserlichen Befehle überwachen sollte und durch das Geheimnisvolle ihres Wirkens dasVolk in Furcht und Schrecken hielt. Eine wichtige Änderung trat im Heerwesen ein-Die Strelitzen (Z 173) bildeten, da sie verheiratet waren und die Söhne in den Stand desVaters eintraten, eine Heergemeinde mit mancherlei Vorrechten und waren sehr selbstbewußt;deshalb errichtete Alexej neben ihnen neue Regimenter, die durch Aushebung und Einstellungvon Freiwilligen gebildet und von fremden Offizieren in europäischer Weise ausgebildetwurden. Wie hier so begünstigte er auch sonst die europäischen Einwanderer, derenHauptsitz die Vorstadt Sloboda (Z 173) bei Moskau war.

Die Neuerungen des Zaren erregten bei den Altrussen viel Mißstimmung, unddiese wirkte auch mit bei der in der russischen Kirche eintretenden Spaltung. DerPatriarch Nikon von Moskau erkannte, daß die gebräuchlichen kirchlichen Texteund Vorschriften (der Stoglawnik, Z 173) den altgriechischen nicht immer ent-sprachen, auch durch ungebildete Abschreiber entstellt waren; er ließ deshalb eineRevision der Texte vornehmen und verlangte eine bessere Bildung der russischenGeistlichkeit. Die neuen Formeln fanden aber bei der ungebildeten, von denniederen Geistlichen aufgehetzten Masse Widerspruch. Nun hatte Nikon denZorn des Zaren erregt, weil er in der Regierung eine ähnliche Stellung er-strebte, wie sie Philaret gehabt hatte. So benutzte Alexej die vorhandene Miß-stimmung, um den Patriarchen zu stürzen, obgleich er in den kirchlichen Fragenmit ihm übereinstimmte. Ein von ihm nach Moskau berufenes Konzil dergriechischen Kirche, an dem auch die Patriarchen von Antiochia und Alexandriateilnahmen, entsetzte Nikon seiner Würde, nahm aber dann die von ihm auf-gestellten kirchlichen Texte und Vorschriften an. Die Beschlüsse dieses letztenallgemeinen Konzils der griechischen Kirche wurden nun maßgebend für dieorthodoxe russische Kirche; die Anhänger des Alten wurden als „Abtrünnige(Raskolniki) bezeichnet und verfolgt. Es handelte sich bei dem Gegensatzfast nur um Äußerlichkeiten, aber die Raskolniken waren von glühendem Fanatis-mus erfüllt und traten auch politisch in einen gewissen Gegensatz zur Regierung,während die Orthodoxen bei ihr eine Stütze suchten und ihr deshalb auch gefügigsein mußten. So erfuhr das Zarentum auch hieraus eine Stärkung.

JmFriedenvonAndrussow gewann Alexej die polnischen Grenz-gebiete (Smolensk usw.) zurück und erhielt dazu noch Kiew und die Ober-