8 321. Sechstes Kapitel: Nord. Krieg. Sturz Schwedens u. Aufsteigen Rußlands. 567
Österreich bekam darin die spanischen Niederlande, Neapel, Mailand unddas später (H 330) gegen Sizilien vertauschte Sardinien sowie Mantua, das der Kaisernach dem Erlöschen des Fürstenhauses 1708 eingezogen hatte (Z 319). Gegen das Reichwurde die im Ryswhker Frieden bestimmte Grenzlinie nebst der (von den Engländern als. „skandalös" bezeichneten, aber umsonst angefochtenen) Religionsklausel (H 283) aufrecht er-halten; an eine Rückgabe des Elsasses, zu der Ludwig früher bereit gewesen war, war nichtmehr zu denken, selbst Landau blieb französisch. Die Kurfürsten von Bayern und Kölnerhielten ihre Länder und Würden zurück.
Den größten Gewinn aus dem Kriege zog England, dessen maritimeStellung im Mittelmeer sehr gestärkt wurde, und das an der Mündungdes Lorenzstromes sesten Fuß faßte; daneben hatte Österreich terri-torialen Gewinn in Italien und Belgien davongetragen. Frankreichhatte schließlich noch viel günstigere Bedingungen erlangt, als es hattehoffen können, aber seine Vorherrschaft war vernichtet, und in der Auf-teilung der spanischen Monarchie triumphierte der Gedanke des euro-päischen Gleichgewichts. ^
Sechstes Kapitel.
Der Nordische Krieg. Der Sturz Schwedens und dasAufsteigen Rußlands.
§ 321. Bedeutung und Ursprung des Nordischen Krieges. Wieschon gesagt (§ 317), ging dem großen spanischen Erbfolgekrieg ein großerKrieg gegen Schweden parallel. Er hatte für den Nordosten Europas eineähnliche Bedeutung wie jener für den Westen. Beides waren Koalitions-kriege gegen den vom Dreißigjährigen Kriege her führenden Staat. Undwie dort die Vorherrschaft Frankreichs gebrochen wurde, so hier dieSchwedens. Beeinflußt haben sich die beiden Kriege jedoch sehr wenig.
Schweden hatte unter Karl XI. seine deutschen Besitzungen nur mitfranzösischer Hilfe behaupten können, war aber durch ihn innerlich sehrgekräftigt. Sein staatskluger Despotismus hatte der Krone unumschränkteGewalt verliehen; die Einziehung des entfremdeten Kronguts (Z 313),verbunden mit der Sparsamkeit des Monarchen, hatte die Staatskassegefüllt und die Abtragung der Schulden wie eine gute Ausrüstung desHeeres und der Flotte möglich gemacht. Im Besitze der Küstenländerund der Städte Wismar, Stralsund, Stettin, Riga und Reval, beherrschteSchweden die Ostsee und deckte die Armut des eigenen Landes durch ein-trägliche Zölle; befanden sich ja die Mündungen der Weser, Oder, Dünaund Newa in seinem Gebiet! Mit neidischen Blicken betrachteten diebenachbarten Fürsten das Übergewicht Schwedens, und als nach Karls XI.
Tode die Regierung an dessen fünfzehnjährigen Sohn Karl XII. gelangte Karsxrnund dieser mit Hilfe des Staatsrats Piper die von dem Vater bestelltest.27.Zumvorrnundschastliche Regierung Leiseiteschob und mit Einwilligung derStände die unbeschränkte Königsgewalt in die eigene Hand nahm, schien ^der günstige Zeitpunkt gekommen, die schwedische Übermacht zu brechen.
Wie sollte ein junger, unerfahrener König imstande sein, die drei Beherrscher dundnrsvon Rußland, Polen und Dänemark, die einen auf Eroberungslust Schwedengegründeten Bund gegen Schweden schloffen, im Kriege zu bestehen? FürPeters des Großen Ziele (§ 316) mußte der Zugang zur Östsee nochviel wertvoller sein als der zum Schwarzen Meere; deshalb lenkte er seit