570 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660-1740). 8 324.
Friedensschluß schob er indes auch jetzt noch auf seine Unterhändler, be-strafte sie mit lebenslänglichem Gefängnis und zögerte mit der Ausführungder Friedensbedingungen. Infolgedessen blieb die feindliche Kriegsmachtein ganzes Jahr in Sachsen zum großen Schaden des Landes, das nebenden Einquartierungen und KriegSsteuern noch durch die fortdauernde Ver-schwendung des Dresdener Hofes schwer zu leiden hatte.
Karl und Auch persönlich bildeten die beiden Fürsten, die sich nun seit Jahren bekämpften, einen
Starke^ bemerkenswerten Gegensatz. Der in fürstlicher Pracht und Herrlichkeit auftretende FriedrichAugust war das Muster eines eleganten Kavaliers nach der Mode von Versailles, war dergefeierte Held der Damen und veranstaltete trotz der Notlage seines Volkes die glänzendstenFeste. Karl dagegen war eine einfache Soldatennatur; seine Mäßigkeit ging so weit, daßer sich aller geistigen Getränke enthielt und im Felde mit der geringen Kost des Heeres sichbegnügte; Sommer und Winter trug er dieselbe einfache Kleidung, einen langen mit Messing-knöpfen versehenen Soldatenrock und große Reiterstiefel, auf Märschen und im Kampfunterzog er sich den größten Beschwerden, weiblichen Umgang mied er, das Getöse derSchlacht ging ihm über Opern, Hoffeste und Konzerte. Es ist für beide charakteristisch, daßAugust dem Schwedenkönig seine Maitresse Aurora von Königsmark (8 309) zu Unter-handlungen zusandte, Karl aber diese Vermittlerin ablehnte.
Paikui Traurig war das Schicksal, das Reinhold Patkul (8 321) traf. Nachdem er denKriegsbund gegen Schweden vermittelt hatte, war er in russische Dienste getreten und weilteals russischer Gesandter in Dresden. Er geriet mit den sächsischen Räten in Konflikt, und1105 auf deren Veranlassung wurde er auf dem Königstein gefangen gesetzt, als er an einemApril 17 M Frieden zwischen Schweden und Rußland arbeitete. Jetzt wurde er an Karl XII. ausgeliefert,iv. O». als Hochverräter zum Tode verurteilt und unter entsetzlichen Folterqualen hingerichtet.Ludwsgxiv Während Karl in Sachsen weilte, bemühte sich Ludwig XIV. mit ihmin einen Waffenbund zu treten, und die Besorgnisse der Gegner Frank-reichs waren so groß (Z 319), daß Marlborough persönlich in Altranstädterschien. Indes Karl haßte als eifriger Protestant den französischen Königwegen der Gewaltmaßregeln gegen die Hugenotten und war bemüht, dieHoffnungen der schlesischen Protestanten, die in ihm einen zweitenGustav Adolf sahen, zu erfüllen. Die österreichische Regierung hatte näm-lich eifrigst an der Unterdrückung des Protestantismus in Schlesien ge-,.S°p>. lioi arbeitet; Karl zwang nun den Kaiser zu einem Vertrage, durch den derkirchliche Zustand von 1648 gewährleistet und den Protestanten Duldung(vier Gnadenkirchen) und bürgerliche Gleichberechtigung zugesichert wurde:damit wandte der Kaiser die Gefahr einer schwedischen Einmischung inden Spanischen Erbfolgekrieg ab (§ 319).
Zug nach § 324. Karls XII. Feldzug gegen Rußland. Nachdem sich dasschwedische Heer in Sachsen gründlich erholt hatte, beschloß Karl seineS-pt. iiai Waffen gegen Rußland, seinen letzten Feind, zu kehren. Der Zar warvon banger Sorge erfüllt wegen eines Angriffs auf die Ostseeprovinzenund das neugegründete Petersburg; indes Karl entschied sich für eineniios Marsch auf Moskau. Er nahm Grodno und Wilna, setzte im Juni überdie Beresina und schlug den Weg nach Smolensk eiu. Bis jetzt war allesgut gegangen; da ließ sich der König zu einer Änderung seines Zieles be-stimmen, und damit trat der Wendepunkt in seinem Kriegsglück ein. DerMazeppa Kofakenhetmann Mazeppa, der sich von Rußlands Oberherrlichkeit frei-machen wollte, hatte ihm eine Erhebung der Kosaken in Aussicht gestellt,und es war ein vereinter Angriff auf Moskau (durch Karl,durch den von Kurland heranziehenden schwedischen General Lewenhaupt,durch die Polen und die Kosaken) verabredet worden. Das war ein großangelegter Plan. Nun aber meldete Maseppa, daß die Kosaken nur ab-fallen würden, wenn Karl selbst unter ihnen erschiene; und darauf ent-