Band 
Dritter Band.
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576
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576 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740). 8 239.

»-wicht Beherrscht hat der Gleichgewichtsgedanke die europäische Politikzunächst bis 1740. Es ist das ein Zeichen für die Abspannung, die alsnatürliche Folge der großen Kriege eingetreten war; zugleich aber dafür,daß wirklich große Staatsmänner fehlten. Zuerst versuchten die Türkeiund Spanien an den Ergebnissen der großen Kriege zu rütteln; dortendete das mit einem weiteren Erfolg der Politik des Prinzen Eugen,hier mit dem Siege des Gleichgewichts. Das spanische Herrscherhaus gababer den Gedanken, wieder nach Italien vorzudringen, nicht auf; dazukam die österreichische Erbfolgesrage und dann, anknüpfend andie polnische Thronfolge, die an sich damit kaum zusammenhing, derwieder auflebende Gegensatz zwischen den Häusern Bourbon undHabsburg. Charakteristisch für die Behandlung all dieser Angelegen-heiten ist, daß die Neigung zu einer kriegerischen Erledigung sehr geringwar: jedenfalls wollte niemand mit vollem Einsatz der staatlichen Existenzkämpfen. Europa war eben ermüdet, und so wurden all diese Fragenweniger durch die Waffen als durch Kongresse und diplomatischeVerhandlungen entschieden. Hierbei gewann neben England all-mählich Frankreich wieder eine führende Stellung, zuletzt durch seinvermittelndes Eingreifen in der orientalischen Frage, die mit einerSchwächung Österreichs und Stärkung Rußlands endete.

Wegen der engen Wechselbeziehungen, die in den genannten Vor-gängen zwischen den europäischen Staaten bestehen, ohne daß einer, wiebisher, die Führung hat, werden wir zuerst diese gesamteuropäischenFragen behandeln und dann ergänzend einen kurzen Überblick über dieEinzel staaten geben. Dabei ist in Deutschland am wichtigsten dieinnere Erstarkung Preußens, das sich für große Aufgaben vorbereitet.

Die europäischen Fragen.

»lAff^aÜf 8 329. Angriff der Türkei auf den Karlowitzer Friede» (1716—1718).

V-n°dig Die Türkei ertrug die Verluste des Karlowitzer Friedens (Z 307) sehrschmerzlich. Es war ihr gelungen, durch das Abkommen von Husch dasdamals verlorene Asow zurückzugewinnen (8 325); noch vor dem Abschlußdes Nordischen Krieges machte sie den Versuch, den Venetianern Moreawieder abzunehmen. Die treibende Kraft dabei war der kriegerische Groß-wesier Damad Ali Pascha; den Vorwand zum Kriege bot die Aufnahmeflüchtiger Montenegriner auf venetianischem Gebiete. Der Anfang ent-sprach den türkischen Hoffnungen. In schnellem Siegeszuge gelang demnis Großwesir dieEroberungMoreas; fast noch mehr aber wurde Venedigdurch das von der Türkei erlassene Verbot des Handels mit venetianischenWaren getroffen.

Ng°s mtt In ihrer Not wandten sich nun die Venetianer an Österreich und

Österreich fanden hier einen mächtigen Fürsprecher in dem Prinzen Eugen, demeigentlichen Vorkämpfer der österreichischen Orientpolitik. Er wies daraushin, daß die Türken Korfu angreifen und dann auch das österreichischeNeapel bedrohen würden. Da nun damals durch den Tod Ludwigs Xlv-nis (ß 334) die Besorgnis vor neuen Verwicklungen im Westen beseitigt schien,

April nis so schloß Österreich ein Bündnis mit Venedig und forderte vonder Türkei die Wiederherstellung des Karlowitzer Friedens. Die Türkeiantwortete mit der Kriegserklärung und sandte ein Landheer unter dem