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Dritter Band.
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8 328. Siebentes Kapitel: Europa unter d. Herrsch, d. Gleichgewichtspolitik(17l8—1740). 575

land, im nächsten Jahre folgten die mit Polen-Sachsen, Preußen^und Dänemark und im Jahre 1721 zu Nystad endlich der mit Ruß-land. Schweden verlor die Ostseeprovinzen und seine deutschen Be-sitzungen mit Ausnahme Wismars und Vorpommerns nördlich der Peene;es büßte nicht nur seine Vormacht ein, sondern schied auch aus derReihe der Großmächte. An seine Stelle trat Rußland.

Georg I. von England erwarb gegen Entrichtung einer Million Taler das HerzogtumBremen und Verden für sein Stammland Hannover, Friedrich Wilhelm I. vonPreußen behielt für zwei Millionen Taler das von ihm besetzte Stettin und Vor-pommern bis an die Peene, nebst den Inseln Usedom und Wollin. Dänemark erlangtedie in Schleswig gelegenen Besitzungen des Herzogs von Holstein-Gottorp und den Ver-zicht Schwedens auf die Befreiung vom Sundzoll; gegen die alten Grundrechte, wonachSchleswig und Holstein vereint und ungeteilt bleiben sollten (II, Z 320), verband Fried-rich IV. das Herzogtum Schleswig mit Dänemark und unterwarf es widerrechtlich demdänischen Königsgesetz (Z 312). August II. wurde als König von Polen anerkannt.Peter der Große von Rußland erreichte die Abtretung der Provinzen Jngermanland,Esthland, Livland und eines Teils von Karelien gegen Rückgabe von Finnland undSegen eine Entschädigung von zwei Millionen Talern.

Siebentes Kapitel.

Europa unter der Herrschaft der Gleichgewichtspolitik

( 1715 - 1740 ).

§ 328. Überschau und Vorblick. Durch die großen Kriege am Ende des17. und Anfang des 18. Jahrhunderts war die politische Lage Europasgründlich verändert. Frankreich hatte sein allbeherrschendes Über-gewicht verloren; Schweden hatte nicht nur seine Vormacht-, sondernauch seine Großmachtstellung eingebüßt ; Spanien war seiner europäischenNebenländer beraubt und auf seine Halbinsel beschränkt; die Türkei hatteÜngarn preisgeben müssen und war kaum noch zu fürchten. Den größtenGewinn aus diesen Verschiebungen hatten Österreich, Rußland und Englandgezogen. Österreich war weit nach Südosten vorgedrungen und schien die^chutzmacht der Südslawen zu werden; es war außerdem die herrschendeÜiacht in Italien geworden und hatte hier und in Belgien Ausgangspunkteauch für überseeische Unternehmungen gewonnen. Rußland hatte sichdurch die Erwerbung der Ostseeprovinzen die Fenster nach Europa geöffnetund war zur europäischen Großmacht aufgestiegen. England hatteseine Handelsherrschaft, seine See- und Kolonialmacht glänzend weiter-bntwickelt, es hatte in Nordamerika einen Teil des französischen Kolonial-desitzes erworben und die alten Kolonialmächte Portugal und Spanien inwirtschaftliche Abhängigkeit gebracht. Dabei hatte es, wie später noch oft,aus seiner insularen Lage Nutzen gezogen: die Kontinentalstaaten warender Kriegsschauplatz auch für die von England geführten Kriege, und^ugland vermochte auf Kosten seiner in die Kriege verwickelten kontinen-alen Rivalen seine Seemacht ungestört zu entwickeln. Auch der vonInland proklamierte Gedanke des Gleichgewichts war für die Weiter-ttvicklung der englischen Macht nicht hinderlich. England war ebenHandelsmacht; das Gleichgewicht aber bezog sich auf den Kon-r bnt, und je mehr sich die kontinentalen Mächte die Wage hielten, umruhiger konnte sich die englische Seemacht ausbreiten.

Zan., Febr..Juli 1720Sept. 1721

Rückgang v.Frankreich,Schweden,Spanien undder Türkei

Aufsteigenvon Öster-reich, Ruß-land, Eng-land