578 Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740). Z 331.
Eine spanische Flotte landete plötzlich in Cagliari aus Sardiniennn und bemächtigte sich der Insel. Das war eine Gefährdung des UtrechterFriedens, also des Gleichgewichts; deshalb schlössen Frankreich, dessenRegent sich durch Philipps Ansprüche bedroht sah, England, das durchdie Unterstützung der Stuarts beleidigt war, Holland und der Kaiserin8 die Quadrupelallianz. Alberoni hoffte demgegenüber in Anknüpfungan Pläne des Grafen Görtz (ß 326) auf ein Bündnis mit Schweden,Rußland und Preußen, rechnete auf Fortsetzung des Türkenkrieges undins sandte eine spanische Flotte nach Sizilien. Obgleich sich diese Pa-lermos und Messinas bemächtigte, scheiterten Alberonis Pläne. DerKaiser schloß den Frieden von Passarowitz (Z 329), die englische Flottebesiegte die spanische am Kap Passaro, Karts XII. Tod (8 326) ver-eitelte die Görtzischen Ideen, und das stuartische Unternehmen gegen Schott-land schlug fehl. Als dann noch französische Truppen in Spanien ein-D-z. i7is rückten, wurde Alberoni entlassen: damit war die GroßmachtpolitikSpaniens aufgegeben, und Philipp V. schloß nun mit den Alliierten denZan. i?M Frieden vom Haag. Der Utrechter Friede wurde wiederhergestellt,jedoch bekam Österreich Sizilien und gab dafür Sardinien an Piemont,dessen Herzog seitdem den Titel „König von Sardinien" führte; der einzigeErfolg Elisabeths bestand darin, daß ihr Sohn Don Carlos die Anwart-schaft auf Parma und Toskana erhielt.
§ 331. Die Verhandlungen über die Pragmatische Sanktion. DieOstendische Handelsgesellschaft und die Thronfolge in Parma undToskana (1721—1732). Die Quadrupelallianz überlebte ihren Erfolgnicht lange. Nach Alberonis Sturz vollzog sich eine Annäherung zwischeni? 2 i Spanien und Frankreich: im Zusammenhange damit stand die VerlobungLudwigs XV. mit der vierjährigen Tochter Philipps V. Dem neuenspanisch-französischen Bündnis trat auch England bei; seineSpitze richtete sich gegen den Kaiser, nach dessen italienischen ProvinzenSpanien strebte, und dessen Handelspolitik die Seemächte beunruhigte.Handelspol!. Karl VI. wollte nämlich Trieft und Fiume, die er 1719 zu Freihäfen'erklärte, zum Mittelpunkte des Levantehandels machen und förderte eine1722 in Ost ende gegründete ostindische Handelsgesellschaft. Es warenfür Österreich aussichtsvolle Unternehmungen; um so bedauerlicher wares, daß Karls weitere Politik in dieser Frage nicht ausschließlich vonsachlichen Motiven bestimmt wurde, sondern weit mehr durch die Rücksichtaus die Regelung der österreichischen Thronfolge.
Pragmatische Schon im Jahre 1713 hatte er nämlich bestimmt, daß, falls er ohnemännliche Nachkommen bleibe, seinen Töchtern das Erbrecht vor denTöchtern seines älteren Bruders Joseph (Stammbaum 1) zustehen solle.Diese sogenannte Pragmatische Sanktion war erlassen worden, alsKarl überhaupt noch kinderlos war; sie gewann Bedeutung nach der13.Mai 1717 Geburt der Maria Theresia. Seitdem war Karl bemüht, ihr nichtnur die Anerkennung der Stände seiner Lande, sondern auch die desDeutschen Reichs und der europäischen Großmächte zu verschaffen. I"Deutschland kam es besonders auf Preußen, Sachsen und Bayern an; undhier wurde die Lage erschwert, als sich 1719 Josephs I. ältere TochterMaria Josepha mit dem sächsischen Kurprinzen Friedrich August und 1722deren Schwester Maria Amalia mit dem bayerischen Kurprinzen KartAlbert vermählte. Beider Verzicht auf ihr österreichisches Thronrecht hatte