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Dritter Band.
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8 340. Siebentes Kapitel: Europannterd.Herrsch.d.Gleichgewichtspolitik(1715—1740). 589

andere kirchliche Reformen forderte. Bei feiner Thronbesteigung in Österreich übergab er Fsrdi-Toskana seinem zweiten Sohne Ferdinand Joseph. iigo- 18 :

Der Kirchenstaat krankte an unheilbaren Wunden, die das geistliche Regiment dem Kirchs»-Wohlstand, der Tätigkeit und der Freiheit der Einwohner schlug. Auch das kirchliche ^aatAnsehen der Päpste und ihr Einfluß auf die Politik der Großmächte gingen zurück.

Die Versuche, die christlichen Staaten gegen die Türkei zu vereinigen, hatten sehr geringen w44—,o.sErfolg (tz 305), und die Verfügungen über Neapel-Sizilien und Parma erfolgten trotz der Ar^vii.Lehnsansprüche des Papstes ohne dessen Mitwirkung. Jnnocenz X. (Z 121), der den 1SL5-'W7Westfälischen Frieden verwarf, schädigte durch das Kornmonopol der päpstlichen Kammerden römischen Ackerbau und gab durch seine Abhängigkeit von den Ratschlägen der Donna Clemens x.Olympia Maldachini, Witwe seines Bruders, den Gegnern Veranlassung zum Spott. Seine I67v-i67sNachfolger, besonders Alexander VII., der den Triumph hatte, die geistreiche TochterGustav Adolfs auf dem Kapitol zu empfangen (8 246), und dessen dritter Nachfolger, der Alexan-strenge Jnnocenz XI-, hatten Kämpfe mit Ludwig XIV. zu bestehen, der die staatlichenHoheitsrechte der Kirche gegenüber energisch wahrte (8 268, 276); erst Jnnocenz XII., Jnno-einem wohlmeinenden Fürsten, der sich Kirchenzucht und Armenpflege angelegen sein ließ, cen; xii.gelang die Herstellung des Friedens , mit Frankreich. Clemens XI. widersetzte sich nach ^

dem Siege von Turin (8 319) den Österreichern, um die Habsburgische Macht in Italien 1700—1721nicht zu groß werden zu lassen, wurde aber durch kaiserliche Truppen, die in den Kirchen- Jnno^staat einrückten, zur Anerkennung Karls (III.) gezwungen; fruchtlos war auch sein Protest 1721-1724gegen den Königstitel des Kurfürsten von Brandenburg; und endlich unterlag er in einem Bene-Streit über die Kirchenhoheit in Sizilien der weltlichen Macht. Benedikt XIII. behielt ^ 4—1780auch auf dem päpstlichen Thron die Sitteneinfalt und Lebensweise eines Dominikanermönchs Llsmsnrxn.bei; Clemens XII. wendete sein Augenmerk hauptsächlich auf die Vermehrung der Kunst- I7M-1740schätze und auf die Bereicherung der vatikanischen Bibliothek. Benedikt XIV., ein gelehrter dilt°xiv.und wohlwollender Herr von einfacher, edler Sitte, suchte die Würde der Kurie gegen 1740-1758die katholischen Fürsten durch verständiges Nachgeben aufrechtzuerhalten. Clemens XIII.vermochte den Jesuitenorden nicht gegen die Verfolgungen Pombals und der bourbonischen 17W-I7ssHöfe zu schützen^ 403, 404); Clemens XIV. (Ganganelli), ein freisinniger Mann, machte m^xivseine Regierung denkwürdig durch Aufhebung des Jesuitenordens (1773). Sein Nachfolger iiss- 1774Pins VI. suchte umsonst die Würde und Macht des Papsttums zu verteidigen (IV, 8 27). Pius VI.

§ 340. Unter-Italien. Zwei Jahrhunderte (seit 1504, II, 8 334)) stand Neapel, D°ap°i-mehr als vier Jahrhunderte (seit 1282, II, 8 238) Sizilien unter spanischer Herrschaft. ^

Sie wurden von Vizekönigen regiert und teilten mit Spanien alle Leiden und Mißgeschicke.

Die alte ständische Verfassung wurde allmählich beseitigt, hohe Besteuerung vernichtete denWohlstand des Landes. Denn außer den Ausgaben, welche die eigene Staatsverwaltung er-forderte, wanderten noch große Summen nach Madrid in die königliche Kasse und nach Romin den Säckel des Papstes, der noch immer die alten lehnsherrlichen Rechte (II, Z 113) überUnteritalien geltend machte. Schlimmer aber als alle Steuern war die Anhäufung desGrundbesitzes in den Händen des Adels und des Klerus. Sowohl in Neapel als in Siziliengehörten nach und nach Wohl zwei Dritteile des ganzen Grund und Bodens der toten Hand.

Der Bürgerstand war arm, der Bauernstand unfrei und gedrückt; eine unwissende, träge undsittenlose Priesterschaft ließ das geistige Leben verkommen, indem sie durch Beförderung einesblinden sinnlichen Aberglaubens, einer laxen Moral und einer erschlaffenden Werkheiligkeitdas Volk in geistiger Verdumpfung und in Unkenntnis über alle höheren Dinge hielt. Die Er-hebungen in Palermo, Neapel (8 242) und Messina (Z 273) zeigten die vorhandene Miß- 1017, 167 Sstimmung. Die durch den Spanischen Erbfolgekrieg und den Haager Frieden aufgerichteteHerrschaft Österreichs änderte an den traurigen Zuständen nichts; besser wurde es erst, alsNeapel-Sizilien in Karl III. einen eigenen König erhielt. Nun war es nicht mehr Neben- Karl 111.land eines Großstaates, das in dessen Interesse ausgebeutet wurde; Karl III. bemühte sichzum Segen seiner Untertanen zu regieren und wurde dabei durch seinen Minister Tanucciunterstützt. Die Macht des Adels und der Geistlichkeit wurde vermindert und die Finanzengebessert; mehrere Prachtbauten (Theater S. Carlo, Palast in Caserta) stammen aus dieserZeit, ebenso die Aufdeckung von Herculaneum und Pompeji. Als Karl König von Spanienwurde (8 404), übertrug er das Land seinem noch unmündigen Sohne Ferdinand IV. (I.) ^Fsrd,-Für ihn regierte zunächst Tanucci; er hob zahlreiche Klöster auf, wies die Jesuiten aus, arbeitete i7zs-i8LSan einem allgemeinen Gesetzbuch und führte andere Reformen im Geiste der Aufklärung ein.

Indes dieser glückliche Zustand dauerte nicht lange, nach Tanuccis Sturz begann die 1777?brannische Regierungsweise eines für höhere Interessen unfähigen Königs und einer leiden-ichastlichen Königin (Marie Karoline von Österreich, IV, 8 29).