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Viertes Buch: Das Zeitalter des Absolutismus (1660—1740).
Z 359.
Auch im katholischen Lager entstand dem Jesuitismus eine heftige Gegner-schaft durch den Jansenismus (§ 277), dessen literarische Führung BlaisePascal hatte, der bedeutendste Mann in dem Kreise, dessen MittelpunktPort Royal (Z 277) war.
Sein Hauptwerk, I-sttrss xrovinolalss, wie es gewöhnlich kurz bezeichnet wird,eigentlich I-sttrss deritss ä au xi-ovinoial, wird noch heute wegen des vortrefflichen Stils,der feinen Ironie und des witzigen, gewandten Bortrags viel gelesen und bildet in derProsaschriftstellerei einen Markstein. Der gelungene Spott auf die sogenannte Kasuistik unddie sittenverderbenden Lehren der Jesuiten schadete dem Orden mehr als alle bis dahin gegenihn gerichteten Angriffe. Im Gegensatze zu Cartesius (H 260) behauptet Pascal die Unzu-länglichkeit der Vernunft, die letzten Gründe und Ursachen der Dinge zu erkennen, darumaber die Notwendigkeit einer göttlichen Offenbarung und mithin die Wahrheit der christ-lichen Religion, die sich für ihn nicht mit kirchlicher Rechtglüubigkeit deckt. Bruchstückedieses großen, unvollendeten Werkes enthalt das nach seinem Tode von Freunden heraus-gegebene, geistvolle Buch Osnsäss snr In reli^ion, aus dem alles sorgfältig ausgemerzt war,was den inzwischen abgeschlossenen „Kirchenfrieden" und das bessere Verhältnis zur Geistlich-imL—MS 4 ^ hätte stören können. — In Pascals Geiste wirkten Antoine Arnanld (Z 277), dessenVeröffentlichungen 45 Bände füllen, Nicole und andere Gesinnungsgenossen. Alle zeichnetensich durch Klarheit und Schärfe des Denkens aus. Dadurch sind alle von Port Royalausgegangenen oder angeregten Werke Muster der französischen Prosa geworden und die dortverfaßten Lehrbücher über Grammatik, Rhetorik, Logik und Mathematik hatten bedeutendenWxick. — Erwähnenswert ist noch Quesnels (H 277) Bearbeitung des Neuen Testamentsmit angefügten moralischen Betrachtungen. Denn dieses Werk ist zwar zum volksbeliebteuErbauungsbuch geworden, rief aber die ganze Geistlichkeit auf den Plan. Es wurde verdammtund mit ihm sogar Sprüche aus der Bibel und Sätze der Kirchenvater. Nun begann derStreit mit erneuter Heftigkeit und hat dann bekanntlich mit der Vernichtung Port Royalsgeendet.
In diese Zeit fällt auch die Blüte der Kanzelberedsamkeit.
Fle'chier Als ihr gefeiertster Vertreter gilt Bossnet (s. vorher), dem weder Flechier trotz seiner
bewunderten Oraisono tuusbrss, noch Bourdaloue mit seiner eindringlichen Dialektik1882—1704 die Palme zu entreißen vermochten.
i.Rußlaiid § 359. Die Literatur im übrigen Europa. Mit dem Christentums kamdas von Cyrill und Method (II, § 84) in der Mitte des 9. Jahrhundertsaufgestellte Alphabet und das Altbulgarische als Kirchensprache nach Ruß-land, als die sich jenes noch heute behauptet. Aus seiner nahen Verwandtschaftmit der kleinrussischen Mundart erklärt sich seine Gemeinverständlichkeit. Erstzur Zeit Peters des Großen setzte die Bewegung ein, die dem Großrussischen zurStellung und Geltung der Schriftsprache verhalf.
Für die älteste Zeit muß ein großer Reichtum an volkstümlichen Liedernvorausgesetzt werden. Sie sind wohl schon infolge des Einbruches der Tataren insgesamtverloren gegangen, wenn man nicht in dem Gedicht vom Heereszuge Igors gegendie Polowzer und in dem Heldenliede von Wladimir dem Heiligen kümmerlicheReste jenes ausgebreiteten Volkssanges zu sehen hat. Auch die Kirche förderte, wie ander-wärts, die nationale Dichtung nicht, wohl aber weckte sie eine rege Tätigkeit auf dem Ke-biete der Legende, Erzählung von Heiligen, der Kirchengerichte und von Andachtsbüchern-Ihr verdankt man das älteste erhaltene Sprachdenkmal, das Evangelium von Ostrainir(um 1000).
Ein weiteres Hindernis für die Entwicklung eines nationalen Schrifttumswar der Druck und Einfluß Polens von Litauen und besonders von Kiew aus.Erst nachdem die Grenzlande mit Kiew russisch geworden waren (ß 249, 315),gelangte Kleinrußland zu einer gewissen Selbständigkeit, an der GroßrußlandSimon von durch den Kiewer Gelehrten Simon von Polozk und Dmitri Rostowsk Y1-1682 Anteil gewann, so daß aus dieser Zeit bereits von Ansätzen zu Schauspiele»Rostowsiy berichtet wird.
Die gewaltsamen Eingriffe Peters des Großen in den EntwicklungsgangRußlands drängten auch die Literatur aus den nationalen Pfaden und öffnetenfremdländischen Mustern und Kunstauffaffungen Tür und Tor. Seitdem istRußland in literarischer Hinsicht abhängig vom Westen geblieben, so daß »»