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Dritter Band.
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8 359. Achtes Kapitel: Literatur von 1660 bis 1740 (1800). Kunst des Rokoko. 623

Recht gesagt worden ist: „Die russische Literatur ist kein inländisches, sondernein exotisches, aus dem Auslande herübergepflanztes Gewächs." Einen Wandelin diesen Verhältnissen brachte erst der Gegensatz gegen die Regierung Nikolaus I.

Der Aufschwung, den die russische Literatur unter Peter nahm, hatte seinen erstenVertreter in dem Fürsten Kantemir. Gleich bei ihm zeigen sich Wirkungen der vomheimatlichen Boden losgelösten Bildung. Die Erkenntnis der Rückständigkeit Rußlandsäußert sich nämlich bei ihm in Satiren. Der in Deutschland gebildete, trotzdem deutsch-feindliche Fabel- und Liederdichter Lomonossow hat wesentliche Verdienste um die Vers- Lomonossowkunst, vor allem aber um den Ersatz des Kirchcnslawischen als der Schriftsprache durch die ^65großrussische Landessprache. Sein Zeitgenosse, der Molikreübersetzer S umarakow, der sich Sumaralowgern den russischen Voltaire nennen hörte, segelte ganz im französischen Fahrwasser. Theater- ^ 8-1777dichter wie er war der freisinnige Knjaschnin, der zuerst den Umschwung in der Politik Knjaschninund in dem Geschmacke Katharinas II. empfinden sollte. Anfangs eine freigebige Gönnerin 1 ^ 0 —nsider Bildung und Aufklärung, bekehrte sie sich unter dem Eindrucke der französischen Staats-umwälzung zum Rückschritte und scheute selbst vor harten Maßregeln gegen die ehemalsgehegte Literatur nicht zurück. So wurden Knjaschnins Stücke im Stile des Klassizismusvon der Bühne ausgeschlossen. Glücklicher als er gewann Derschawin die Gunst des^oses und durch seine vielübersetzte Ode An Gott europäische Berühmtheit. -— Im Lust-shfble folgte Kapnist seinen Vorgängern, der Kaiserin Katharina selbst und dem stark 1750-1323satirischen Denis von Wisin. Da kam mit Karamsin (IV, Z 80) die Romantik. Wtstn 41702

Unter den slawischen Völkern haben die Polen die reichste, vielleicht aber 2. Polen"sn wenigsten ursprüngliche Literatur. Auch ihre klangvolle und geschmeidigeSprache hat sich in schwerem Kampfe mit dem von der Kirche geförderten Latein?ur Herrschaft als Schriftsprache durchringen müssen. Spärlich sind die Sprach-denkmäler aus ältester Zeit. Ein vielgesungenes Marienlied ist indessen»nndestens ein Jahrhundert jünger, als die Übersetzungen aus den Psalmenvon 1290.

Bereits nach 1100 hatte mit Gallus die lateinische Annalistik eingesetzt, die, von^adlubek und Bogufal fortgeführt, in dem Kronkanzler Janko von Czarnikau einensvissenschaftlichen Vertreter fand und in der Historie kolonias des Bischofs Dlugoszshren Höhepunkt erreichte am Vorabende des goldenen Zeitalters. Wie über Nacht, richt die Blütezeit der polnischen Literatur an- Sicherlich war aber wenigstens die Sprachestetigem Fortschritte zur Schriftsprache herangereift und zu klassischem Ausdrucke vervoll-vmmnet worden, wenn sich auch vorerst das Latein noch behauptete, wie in der Lyrikarbiewskis, in den Elegien des preisgekrönten Dichters Janicki und bei dem»polnischeu Catull", dem Erzbischof von Gnesen Krzyki. Den klassischen Charakter verdanktd -1 Schrifttum der Anlehnung an das Altertum und an das Ausland. Zwar verrät dieLeb ' ungezügelt phantastische Dichtung von Nicolaj Rej weder in Schauspiel noch Lyrik oderstrgedicht wie Das Leben eines ehrlichen Mannes etwas von Einflüssen fremder^vust. Aber schon Kochanowski und Klonowicz bekunden, jener in Psalmen,"^Eschen Versuchen, Totenklagen (TrsnzO, dieser in seinen zornerfüllten Satiren gegenr Adelswirtschaft (Flis, Judasbeutel und Vieloria cksorum) eingehendes Studium derrieche und Römer, daneben der Franzosen. Weiter zählen zu den Klassikern dermerlandsliebende Miaskowski, der das Sonett einführte, und der volkstümliche^rochowski.

Kadlubek-j- 1223Bogufal1- 1253Dlugosz1415—1480

Das goldeneZeitalter

Saröiewski

1595-1640

Janicki

1516—1543

Rej

1507-1568

Kochanowski

1530—1584

Klonowiez

1532—1608

Miaskowski

1589- 1622Grochowski

1590- 1616

Mit der Gegenreformation kamen die Jesuiten (8 169, 170) ins Land undwit ihnen das Latein, das bald zu erneuter Geltung gelangte.

Wohl halten einzelne Dichter noch an der klassischen Überlieferung fest, aber sie ver-A°S-n sich doch nicht vor Geziertheit und Schönrednerei zu bewahren, so die Ackerxvtocki in Wojna Chocimska (der Krieg bei Choczrm), Twardowskr un Werkdvttes oder Befreiung Wiens. Scharf und ernst erscheint Opalinskr m Tw-rd-wESatiren. Sonst setzte sich die lateinische Sprache allenthalben durch, b^chrund ihremBeschützer, dem Jesuitismus, ein lraftvoller Widersacher im Orden der Prassten erstand.

Ore redlichen Bemühungen konnten indessen kaum erfolgreich sein, da sie KAz°cklg g ^lateinische Dichtung und gegen den in fast ganz Europa stegreichen Klaff,zl-n .

8 anzosen ihre Waffen kehren mußten- Und tatsächlich wurde schließlich e v »„dwias XIV.dns ^nde des ersten Viertels im folgenden Jahrhundert die Kunst der Z 8

bewunderte Vorbild für die polnische Literatur.